News | Geschäftsführung Betriebsrat 26.10.2016

Berkenhoff-Betriebsrat erzielt Interessenausgleich

Zwei Nachrichten vom Drahthersteller Berkenhoff. Die gute: der Betriebsrat hat mit dem chinesischen Eigentümer einen Interessenausgleich erreicht. Die schlechte: Er geht zulasten einer nicht unerheblichen Zahl von Arbeitsplätzen. Betriebsrat und Gewerkschaft zeigen sich trotzdem zufrieden.

Interessenausgleich Stellenabbau

Powerway übernimmt Bedra

Geschäftsführung Betriebsrat. Kürzlich wurde der Gießener Drahthersteller Berkenhoff GmbH (Dachmarke „Bedra“ für „Berkenhoff Draht“) von der neuen chinesischen Unternehmensgruppe Powerway Group übernommen. In der Folge will das Unternehmen bis Ende 2017 in einer ersten Phase insgesamt 62 Stellen abbauen, berichtet der „Gießener Anzeiger“ unter Berufung auf den Betriebsrat des Unternehmens.

Bedra-Betriebsrat informiert

Der informierte am Donnerstag vergangener Woche über seine Einschätzung der aktuellen Lage und der künftigen Entwicklung des Unternehmens mit Sitz in Kinzenbach bei Gießen.

Stellenabbau hälftig in Merkenbach und Kindenbach

Demzufolge will man die Stellen etwa je zur Hälfte an den beiden Standorten Merkenbach bei Herborn und Kinzenbach überwiegend beim „Vormaterial“ abbauen. Es kommt künftig aus China. Außerdem will man einige Prozesse „verschlanken“.

Lob von Betriebsrat und IG Metall

Gleichwohl hätten Betriebsrat und IG Metall lobende und anerkennende Worte für den neuen chinesischen Gesellschafter gefunden. Er sei trotz aller Härte in den Verhandlungen verlässlich, halte Abmachungen und Verträge ein – man ist ja heutzutage schon für Selbstverständlichkeiten so dankbar. Zudem verfüge er im Blick auf die Zukunft von Berkenhoff über einen Plan. Er enthält für Berkenhoff eine Standort- und Beschäftigungsgarantie bis mindestens 2020 und Investitionszusagen von sechs Millionen Euro.

Interessensausgleich nach einem Jahr Verhandlungen

Betriebsrat und Gewerkschaft sind guten Mutes, dass die Zusage eingehalten werde. Nach einem Jahr intensiver Verhandlungen gibt es einen „Interessensausgleich“, mit dem „abseits der betrüblichen Tatsache des Stellenabbaus an sich alle Beteiligten leben können“.

Drei betriebsbedingte Kündigungen

Es werde lediglich zu drei betriebsbedingten Kündigungen kommen. Dies auch nur deshalb, weil die Betroffenen Alternativangebote einer Weiterbeschäftigung im Betrieb nicht akzeptieren wollten. Der Abbau von 59 Stellen erfolgt zeitlich gestreckt über freiwilliges Ausscheiden aus dem Betrieb, über interne Umsetzungen und auf dem „natürlichen“ Weg von Altersteilzeitregelung. Aus dieser Rechnung ist laut Scheld die „normale Fluktuation“ schon herausgerechnet.

Sicht der Arbeitnehmervertretung

Trotzdem schwingt ein bitterer Unterton mit. Die Arbeitnehmervertretung war mit der Mitteilung von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen. Laut dem Zeitungsbericht habe sie „damit ihre Sicht der Dinge kundtun“ wollen. Die sei in Vorbereitung, inhaltliche Gestaltung und Veröffentlichung der jüngsten Unternehmensmitteilung nicht ausreichend einbezogen worden, zitiert das Blatt den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Oliver Scheld.

Betriebsräte informierten

Neben Scheld, zugleich Betriebsratsvorsitzender am Standort Merkenbach (294 Beschäftigte) informierten die Presse der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Betriebsratsvorsitzende für den Standort Kinzenbach mit seinen 180 Beschäftigten Steffen Heinrich, Jürgen Lisowski vom Betriebsrat Kinzenbach sowie der Vorsitzende der IG Metall-Verwaltungsstelle Herborn, Hans-Peter Wieth.

Option bis Ende 2018

Durch Investitionen in Forschung und Entwicklung wolle man das „gute Standing“ von Berkenhoff in Europa festigen, das US-Geschäft ausbauen und in die asiatischen Märkte hineinwachsen. Wenn die als „zukunftsweisend“ bezeichnete Entwicklung in den nächsten Jahren so positiv sein wird, wie sich das Betriebsrat und Gewerkschaft vorstellen, werde möglicherweise die zweite Phase eines weiteren Abbaues von 33 Stellen – als Option bis Ende 2018 – entfallen – die Hoffnung stirbt zuletzt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)