02.10.2017

BA: Arbeitsmarkt weiter „sehr positiv“

Sommerpause vorbei, Fachkräftemangel groß – Herbst ähnelt derzeit am Arbeitsmarkt gemeinhin eher einem Frühling. Doch so gut wie heuer, übertrifft er sogar die Erwartungen der Bundesagentur für Arbeit – mit Quoten von unter sechs bei Arbeitslosen und unter vier bei Erwerbslosen.

Zuversichtliche Arbeitnehmer

Einsetzende Herbstbelebung

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Zahl der arbeitslosen Menschen sank von August auf September um 96.000 auf 2.449.000. Das teilt die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Einen Grund dafür sieht sie in der einsetzenden Herbstbelebung. Allerdings sei der Rückgang stärker als üblich ausgefallen. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter sehr positiv“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, die Zahlen letzte Woche auf der monatlichen Pressekonferenz seiner Organisation in Nürnberg. Im Zuge der einsetzenden Herbstbelebung habe die Arbeitslosigkeit im September stärker als üblich abgenommen. Sie sank um -0,2 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent. Die Beschäftigung wachse weiter, die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steige in diesem Monat kräftig.

Bereinigt um saisonale Einflüsse

Bereinigt um die saisonalen Einflüsse habe die Arbeitslosigkeit um 23.000 im Vergleich zum Vormonat abgenommen. Gegenüber dem Vorjahr waren 159.000 weniger Menschen arbeitslos gemeldet. Die Unterbeschäftigung sank den Angaben zufolge saisonbereinigt um 20.000. Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit sind dabei mitgezählt. Insgesamt belief sie sich im September 2017 auf 3.406.000 Personen. Das waren 118.000 weniger als vor einem Jahr. Damit ist sie im Vorjahresvergleich weniger stark zurückgegangen als die Arbeitslosigkeit. Den Grund hierfür sieht man bei der BA in der Arbeitsmarktpolitik. Insbesondere für geflüchtete Menschen wurde sie gegenüber dem Vorjahr ausgeweitet. Die nach dem ILO-Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosigkeit belief sich im August auf 1,60 Millionen, deren Quote auf 3,7 Prozent.

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben im Vergleich zum Vorjahr weiter kräftig zugenommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen nach dem Inlandskonzept im August saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 64.000 gestiegen. Mit 44,50 Millionen Personen fiel sie im Vergleich zum Vorjahr um 692.000 höher aus. Der Anstieg gehe allein auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück. Diese hat nach der Hochrechnung der BA von Juni auf Juli saisonbereinigt um 57.000 zugenommen. Insgesamt waren im Juli nach hochgerechneten Angaben 32,15 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 888.000 mehr als ein Jahr zuvor. Dieser Anstieg ist allerdings überzeichnet. Der Vorjahreswert war um schätzungsweise 120.000 zu gering angenommen. Datenverarbeitungsfehler werden dafür verantwortlich gemacht.

Arbeitskräftenachfrage steigt auf hohem Niveau

Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt auf anhaltend hohem Niveau weiter an. Im September waren 773.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 86.000 mehr als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich die Nachfrage gegenüber dem Vormonat um 11.000 erhöht. Der Stellenindex der BA (BA-X), ein Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland, stieg im September 2017 um vier Punkte auf 244 Punkte. Der Vorjahresabstand fällt mit einem Plus von 24 Punkten weiterhin sehr deutlich aus.

Weniger Geldleistungen

Insgesamt 684.000 Personen erhielten im September 2017 Arbeitslosengeld, 42.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im September bei 4.337.000. Gegenüber September 2016 war dies ein Anstieg von 31.000 Personen. Acht Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)