News | Geschäftsführung Betriebsrat
02.05.2016

Auto-Betriebsräte: E-Pakt erhält Arbeitsplätze

Wer sein E-Auto liebt, der schiebt. Von selbst fährt das nämlich noch nicht so recht am Markt. Der Steuerzahler soll jetzt schieben helfen, sprich: zahlen. Die Regierung Merkel will es so. Sie weiß wenigstens die Autobauer und deren Betriebsräte auf ihrer Seite – aber sonst kaum jemanden.

Elektroauto© ullrich /​ fotolia.com

Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze

Geschäftsführung Betriebsrat. Immerhin: Die IG Metall ist schon mal dafür. Die Bundesregierung hat ein Förderprogramm für Elektroautos beschlossen. Und prompte Zustimmung von der Metallergewerkschaft geerntet. Das Paket sei die „richtige Entscheidung zur Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze“, heißt es in ihrer Pressemitteilung vor dem Wochenende.

Kaufzuschüsse von 4000 Euro

Das Konzept umfasst „AutoBild“ zufolge direkte Kaufzuschüsse von 4000 Euro für reine Elektro- und 3000 Euro für Plug-in-Hybridautos – getragen zur Hälfte von Bund – also dem Steuerzahler – und Industrie. Zum Förderprogramm gehört zudem der Aufbau von 15.000 neuen Ladestellen im ganzen Land.

Rechtliche Voraussetzungen für Umsetzung

„Dieser Schritt war dringend notwendig“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Mittwoch in Frankfurt. Er erwarte jetzt schnell die rechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung. Am Zug sieht Hofmann aber auch die Unternehmen. Es brauche konkrete Investitionen in Fertigung und Wertschöpfung in Deutschland.

Zustimmung von Betriebsratsvorsitzenden der Automobilhersteller

Zustimmung auch von den Betriebsratsvorsitzenden der Automobilhersteller BMW, Daimler und VW. Sie äußerten sich ebenfalls zustimmend zum Förderpaket für Elektroautos:

  • Manfred Schoch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der BMW AG: „Die Automobilindustrie in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden technologischen Wandel.“ Die Elektromobilität werde die Zukunft der Arbeitsplätze bestimmen. Die Bundesregierung habe endlich die industriepolitische Bedeutung dieses technologischen Wandels erkannt. Er müsse von Unternehmen, Gewerkschaften und Regierung aktiv gestaltet werden. Auch Schoch sieht in der Entscheidung ein „erstes positives Signal zum Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland“.
  • Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Daimler AG: „Wir setzen uns schon lange dafür ein, dass der Kauf von Elektrofahrzeugen in Deutschland gefördert wird.“ Der Markt für Elektrofahrzeuge müsse „erst einmal angeschoben werden“, wenn er sich gut entwickeln soll. Autofahrer entschieden sich dann leichter für ein immer noch teureres Elektroauto. Allerdings müsse es auch eine gute Infrastruktur dafür geben. Brecht: „Das verstehen wir unter sinnvoller Industriepolitik.“
  • Bernd Osterloh, VW-Konzernbetriebsratsvorsitzender: „Angela Merkel und Sigmar Gabriel haben hiermit einen richtigen Schritt getan.“ Damit könne die Elektromobilität auch am Standort Deutschland nachhaltig Fuß fassen. Deutschland müsse Leitmarkt der Elektromobilität werden. Er erwartet von Volkswagen einen ebensolchen Einsatz für Forschung und Entwicklung sowie Herstellung von E-Autos am Standort Deutschland.

Schlüsselrolle bei Batteriefertigung

Dazu gehört für Osterloh ebenso wie für Hofmann die Batteriefertigung. Doch gerade hier ist die Zustimmung zu dem Pakt nicht so eindeutig. Der Autozulieferer Bosch sieht eine entscheidende Wende bei der Batterietechnologie für Elektroautos. „Die Festkörperzelle könnte eine entscheidende Durchbruchstechnologie sein“, sagte Vorstandschef Volkmar Denner letztes Jahr auf der IAA in Frankfurt.

Bosch-Betriebsrat noch unentschlossen?

Bosch selbst investiert etwa 400 Millionen Euro jährlich in die Elektromobilität. Und sieht sich jetzt wohl allein gelassen. Denn er erwartet entsprechend eine anhaltend höhere Nachfrage erst, wenn Stromautos durch deutlich niedrigere Batteriekosten billiger würden. Die jetzt beschlossene Kaufprämie auf das fertige Auto kurbele den Absatz nur kurzfristig an, aber nicht nachhaltig. Nützlicher sei es, die Ladeinfrastruktur zu fördern und über die Anschaffung von Elektroautos im öffentlichen Dienst einen Markt für Gebrauchtwagen anzuschieben. Wie der Betriebsrat von Bosch das sieht, ist zur Stunde nicht bekannt.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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