19.07.2017

Audi-Betriebsrat kritisiert Management scharf

Es wird zu wenig produziert, der Chef kommuniziert zu wenig, ist führungsschwach – die Vorwürfe des Betriebsrates von VW-Premiumtochter Audi an deren Management sind massiv. Am Mittwoch voriger Woche redete man auf einer Betriebsversammlung Tacheles.

Neuer Audi mit Eletkroantrieb

Führungsschwäche in der Produktion

Der Betriebsrat von Audi hat dem Management Führungsschwäche in der Produktion der VW-Premiumtochter vorgeworfen. Das berichtet das „Handelsblatt“. Eine Produktionsstrategie sei aktuell nicht erkennbar, zitiert die Zeitung den Vorsitzenden des Audi-Betriebsrates Peter Mosch aus seiner Rede auf der Betriebsversammlung vor rund 8000 Arbeitnehmern in Ingolstadt. „Das muss sich ändern“, so Mosch. Gerade jetzt müssten Entscheidungen getroffen werden. Man müsse die Standorte Ingolstadt und Neckarsulm auf die Elektromobilität vorbereiten. Mosch fordert Zusagen für neue Produkte. Die Werke müssten ausgelastet sein.

Bald Modelle mit Stromantrieb in allen Baureihen

Im Namen des Vorstands erklärte dem Bericht zufolge Beschaffungschef Bernd Martens, in allen Baureihen werde es Modelle mit Stromantrieb zur Produktion in allen Werken geben. So harsch die Kritik der Arbeitnehmervertreter an Audi-Produktionschef Hubert Waltl, so verhalten diesmal ihre Kritik an Audi-Chef Rupert Stadler. Dieser müsse seine Informationspolitik überdenken und die Kommunikation mit der Belegschaft verbessern, hieß es in der Mitteilung des Betriebsrates.

Wegen des Dieselskandals in der Kritik

Der Audi-Chef hat auch so schon genug auszuhalten. Er steht wegen des Dieselskandals in der Kritik. Immer wieder wird über seine Ablösung spekuliert. Erst kürzlich nahm die Staatsanwaltschaft München aus Reihen der Audi-Entwickler den ersten Beschuldigten fest, der für die Manipulation von Dieselmotoren verantwortlich sein soll.

Gegenüber Mercedes und BMW im Hintertreffen

Audi ist nach der Kernmarke VW im Volkswagen-Konzern am stärksten betroffen vom Skandal um die Manipulation von Diesel-Abgasen bei elf Millionen Fahrzeugen weltweit. Zwei Entwicklungschefs mussten deshalb bereits gehen. Die Marke mit den vier Ringen gerät laut „Handelsblatt“ auch gegenüber den Rivalen Mercedes-Benz und BMW immer stärker ins Hintertreffen. Diese steigerten demnach im ersten Halbjahr ihren Absatz jeweils auf mehr als eine Million Fahrzeuge, Audi verringerte ihn hingegen mit nur 909.000 Autos um knapp fünf Prozent.

Plan zur Krisenbewältigung

Martens habe dem Betriebsrat entgegnet, man habe einen Plan, Audi aus der Krise zu führen. „Auf eine einfache Formel gebracht, heißt das: Kosten runter Erlöse rauf.“ Nur mit vollen Kassen könne sich Audi die Investitionen in Elektromobilität oder Digitalisierung leisten. Geplant seien vier bis fünf zusätzliche Modelle, allesamt Varianten bestehender Baureihen. „Wir stehen vor der größten Modelloffensive in unserer Geschichte“, betonte Martens. „Gleichzeitig zünden wir ab dem nächsten Jahr unsere Elektro-Offensive.“ In jeder Kernbaureihe werde es reine Elektroautos oder Hybride geben. Damit werde auch jeder Produktionsstandort Fahrzeuge mit alternativem Antrieb bauen.

Mit neuem A8 Rückstand aufholen

So will Audi im Spätherbst gegen Mercedes S-Klasse und BMW 7er einen neuen A8 auf den Markt bringen. Die vierte Generation der Luxuslimousine soll beim Design und der Bedienung einen Neuanfang wagen sowie die Konkurrenz mit zahlreichen Assistenzsystemen überflügeln. Mit ihnen möchte Audi den nächsten Schritt zum autonomen Fahren machen. Technisch sei der A8 bereits dafür gerüstet, im dichten Kolonnenverkehr auf Straßen mit getrennten Fahrbahnen minutenlang alleine zu fahren. Diese Funktion werde allerdings frühestens 2018 freigeschaltet.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)