23.03.2022

AU-Bescheinigung erfolgt Mitte 2022 elektronisch

Mit umständlichen Krankmeldungen beim Arbeitgeber per Post ist ab Mitte des Jahres Schluss. Denn ab 1. Juli 2022 wird die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingeführt. Beschlossen hat dies der Bundestag bereits am 18. September 2019 im Bürokratieentlastungsgesetz III. Arbeitnehmer sind ab Sommer davon entbunden, im Fall einer Erkrankung ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorzulegen. Krankenkassen werden dann die jeweiligen Arbeitsunfähigkeitsdaten elektronisch an die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen übermitteln.

AU-Bescheinigung

Umfrage zeigt Informationslücken

Diese Umstellung auf die elektronische AU-Bescheinigung bringt gewisse Herausforderungen mit sich. Denn vielen Unternehmen und Behörden ist noch nicht klar, wie die Umsetzung konkret erfolgen soll. Nach den Ergebnissen einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sehen sich 75 Prozent der Arbeitgebenden erst am Anfang der Umsetzung, knapp 50 Prozent sind momentan noch nicht in der Lage, die Anforderungen einzuschätzen. 63 Prozent der Befragten plant, das eigene Payrollsystem an den GKV-Kommunikationsserver anzubinden. Generell besteht eine große Informationslücke. Viele Fragen gibt es insbesondere zu den beteiligten Systemen, Organisationen und Schnittstellen, Prozessabläufen oder Best-Practice-Beispielen.

Ärzte informieren Krankenkassen

Der bisher übliche gelbe Schein wird abgelöst durch die elektronische Übermittlung der Krankheitsdaten, was die Arbeitnehmenden entlasten soll. Behandelnde Ärzte und Ärztinnen sind bereits seit Oktober 2021 dazu verpflichtet, die Krankschreibungen auf elektronischem Wege an die Krankenkassen zu übermitteln. Ab 1. Juli 2022 werden dann die Arbeitgeber ebenso elektronisch über Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit sowie mögliche Entgeltfortzahlungen ihrer gesetzlich versicherten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen informiert. Diese Daten sind dann bei den Krankenkassen für die Unternehmen abrufbar, sobald eine Arbeitsunfähigkeit durch einen Arzt festgestellt wurde.

Prozesse im Unternehmen ändern sich

Mit der Umstellung auf die digitale AU-Bescheinigung ändern sich Prozesse in den arbeitgebenden Unternehmen, Institutionen und Behörden. Während bisher auf Basis der AU-Bescheinigung Fehlzeiten in der Zeiterfassung erfasst wurden, müssen diese Informationen nun proaktiv abgerufen und für die Abrechnung entsprechend weitergeleitet werden. Bisher war der Arbeitnehmer verpflichtet, ab dem dritten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Diese Pflicht entfällt künftig. Allerdings erhalten Patienten vom Arzt künftig eine Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit in Papierform als gesetzlich vorgesehenes Beweismittel und sie müssen ihren Arbeitgeber im Fall einer Arbeitsunfähigkeit informieren. Dieser Papierschein ist dann wichtig, wenn Störfälle bei der elektronischen Übermittlung auftreten, wie eine ungültige Chipkarte beim Kassenwechsel eines Patienten.

Privat Versicherte sind ausgeschlossen

Bemerkenswert ist, dass das neue Verfahren nicht für privat Krankenversicherte greift, und Fragen bestehen zudem noch hinsichtlich der Berücksichtigung von stationärer Behandlung. Bei geringfügig Beschäftigten sind Meldungen und Beitragsnachweise nicht an eine Krankenkasse, sondern an die Minijob-Zentrale zu senden. Auch im Fall von Aushilfen liegen die AU-Daten bei der Krankenkasse und der Arbeitgeber muss sie über die Minijob-Zentrale abrufen. Daher muss künftig bei Einstellung einer Aushilfe die Krankenkasse abgefragt werden.

Autor*in: Andrea (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)