News | Mitbestimmung
06.06.2016

Atmel-Mitarbeiter kämpfen um Sozialplan

Ist der Schaden schon entstanden, nützt der Abschluss einer Versicherung wenig. So auch bei der Schließung des Atmel-Werks in Dresden. Dort gibt es keinen Betriebsrat. Nur in der Zentrale in Heilbronn. Den aber haben die Mitarbeiter in Dresden nicht mitgewählt. Sie stehen auf verlorenem Posten.

Large group of people forming a chain with a few forming the missing link.© Storm /​ fotolia.de

Mitbestimmung. Hätte, hätte, Fahrradkette. Hätten die 39 Beschäftigten des Dresdner Werks der Halbleiterfirma Atmel einen Betriebsrat, hätten sie jetzt bessere Chancen. Dann könnte die Dresdner Fach-Anwältin Sabine Stölzel wenigstens mit etwas Aussicht auf Erfolg klagen. Das fiel ihr so bei einem ersten Termin vor dem Arbeitsgericht in Dresden schwer.

Atmel: Marktführer bei Halbleitern

Gegründet 1984, beschäftigt Atmel eigenen Angaben zufolge weltweit rund 5.000 Mitarbeiter.  Das Unternehmen sieht sich als Marktführer bei Halbleitern, Sicherheit und Netzwerken. Am 4. April kaufte einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ zufolge Mitbewerber Microchip Technology in den USA den Konzern. Am 8. April traf Microchip „die unternehmerische Entscheidung“, so eine Anwältin des Konzerns, den Standort Dresden zu schließen.

Überschneidungen mit Portfolio

Es gebe Überschneidungen mit seinem vorhandenen Portfolio. Konzernchef Steve Sanghi sprach vor Analysten von der „Hochkostenregion“ Deutschland. Dort habe man eine Niederlassung geschlossen. Inzwischen ist in deren Büros an der Königsbrücker Straße in Dresden bereits das Licht ausgegangen, berichtet die Zeitung.

Kündigung per Boten

Geschäftsführer Matthias Kästner aus der Deutschland-Zentrale in Heilbronn informierte die Dresdner bei einer Versammlung am 18. April. Am selben Tag hatten Boten ihnen die Kündigungen ins Haus gebracht. Zwei erfuhren auf Dienstreise in den USA davon.

Personalentscheidungen unwichtig

Das Problem: Der Betriebsrat sitzt in Heilbronn. Stölzel hält dagegen, dort seien Personalentscheidungen gefallen. Das bestreitet das Unternehmen. Wie auch immer: den Dresdner Arbeitsrichter interessierte diese Frage zunächst weniger. Er wollte nur wissen: haben die Dresdner Beschäftigten den Betriebsrat in Heilbronn mitgewählt oder nicht? Die Antwort: Nein. Und einen eigenen Betriebsrat haben die Dresdner auch nicht gewählt. Folge: Der Richter konnte noch nicht einmal einen Sozialplan für die Dresdner Beschäftigten aushandeln.

Fortsetzung im November

Die Aussichten könnten also kaum schlechter sein. Am 8. November soll der Streit vor dem Gericht in Dresden weitergehen. Es hat den Parteien bis dahin Gelegenheit gegeben, sich noch gütlich zu einigen. Abfindungen wären eine Möglichkeit. Allerdings sind die Chancen auch dafür nicht gerade die besten. Microchip hat bislang kein Angebot dafür unterbreitet.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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