11.10.2017

ASV-Betriebsrat rechnet mit massivem Arbeitsplatzabbau

Das Tafelsilber ist bereits größtenteils weg. Flaggschiffe wie die „HörZu“ gingen bereits 2014 über den Ladentisch. Jetzt kommt das Eingemachte an die Reihe. Der Medienkonzern Axel Springer steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Ganz oben auf der Streichliste offenbar: Arbeitsplätze.

Axel Springer Arbeitsplatzabbau

Döpfner baut Springer um

Geschäftsführung Betriebsrat. Vorstandschef Mathias Döpfner baut den Berliner Medienkonzern Axel Springer massiv um. Das berichtet der Branchendienst „Meedia“. In der Belegschaft sorge die neue Struktur für Unruhe. Der Konzernbetriebsrat befürchte einen massiven Stellenabbau. Langfristig könnten in großer Zahl Arbeitsplätze wegfallen.

Langfristig dreistelliger Stellenabbau?

„Wir Betriebsräte befürchten einen langfristigen Stellenabbau im dreistelligem Bereich“, zitiert der Mediendienst aus einer aktuellen Info der Betriebsräte, die am Montagvormittag an die Mitarbeiter ging. Die Belegschaft sei seither beunruhigt. Hintergrund für die Betriebsrats-Info ist der Umbau des Berliner Medienhauses. Danach will der Verlag die nationalen Bezahlangebote in zwei Säulen ausrichten. Dazu gehören eigene Verlagsbereiche für Print und Digital. Hiervon ausgenommen seien die Redaktionen, heißt es. Zu Springer gehören publizistische Flaggschiffe wie die „Bild“-Zeitung und die Tageszeitung „Die Welt“.

2.000 Mitarbeiter aus den Verlagsbereichen betroffen

Von dem geplanten Mega-Umbau wären nach Schätzungen der Betriebsräte mittelbar und unmittelbar rund 2.000 Mitarbeiter aus den Verlagsbereichen betroffen. Ziel des Umbaus seien effektive Strukturen und höhere Umsätze sowohl für Print als auch Digital. Die Arbeitnehmer-Vertreter haben daher unter anderem an den zuständigen Vorstand Jan Bayer einen Katalog von 32 Fragen gerichtet. Darunter auch, ob die neue Struktur zu Ausgründungen oder Abspaltungen von Firmen führen könnte. Sollte es zu den befürchteten Einschnitten bei den Arbeitsplätzen kommen, dürfte auf den neuen Personalchef Florian Klages eine schwere Aufgabe zukommen. Der 36-jährige Manager übernimmt künftig von Alexander Schmid-Lossberg die Leitung des Geschäftsführungsbereich Personal der Axel Springer SE, berichtet der Mediendienst unter Berufung auf eine Mitteilung des Konzerns vom Montag. Schmid-Lossberg verlasse das Unternehmen zum 15. November 2017 auf eigenen Wunsch, um sich künftig anwaltlichen und beratenden Aufgaben zuzuwenden, heißt es.

Rückstellungen in der Bilanz für 2017

In Konzernkreisen geht man, so der Meedia-Bericht weiter, davon aus, dass die konkrete Höhe des geplanten Stellenabbaus bereits in diesem Jahr feststehen könnte. Sollte sich Springer von Mitarbeitern trennen, wird Vorstandschef Döpfner hierfür voraussichtlich Rückstellungen in der Bilanz für 2017 bilden wollen. Der Börsenkurs von Axel Springer legte leicht um 0,82 Prozent auf 56,83 Euro zu.

ASV: Personalabbau nein, Stellenwegfall auf Leitungsebene möglich

Springer hält sich auf Anfrage von „Meedia“ zu konkreten Zahlen über einen Personalabbau bedeckt. Die Zahl kommentiere man nicht. Einen Personalabbau dementierte das Unternehmen. Man verringere lediglich Komplexität, vor allem auf den Leitungsebenen. Deshalb würden auch Stellen wegfallen. Wie die endgültige Aufstellung der Einzelteams aussehen soll, werde derzeit erarbeitet, hierzu gebe es noch keine Entscheidungen, erklärte eine Firmensprecherin.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)