27.08.2019

Arbeitszeitflexibilisierung in vielen Betrieben und Dienststellen

Arbeitszeitflexibilisierung wird in Deutschland zwar stark angestrebt. In welchem Maße sie bisher umgesetzt worden ist, verdeutlichen Antworten der Bundesregierung (Drucksache 19/11469) auf eine Kleine Anfrage einer Bundestagsfraktion. Danach bestehen Regelungen zu Arbeitszeitkonten in 55 % aller Betriebe/Dienststellen in Deutschland; bei 29 % der Betriebe/Dienststellen bestehen Bestimmungen zur Vertrauensarbeitszeit.

Arbeitszeitflexibilisierung

Regelungen zu Arbeitszeitkonten

Auf der Basis des repräsentativen Betriebspanels des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben 55 % aller deutschen Betriebe/Dienststellen in Deutschland Regelungen zu Arbeitszeitkonten eingeführt. In Süddeutschland und in Sachsen sind sie öfter anzutreffen als in anderen Regionen (Bayern 3.856 Betriebe/Dienststellen = 59 %, Baden-Württemberg 3.322 Betriebe/Dienststellen = 62 %, Sachsen 1.148 Betriebe/Dienststellen = 63 %, NRW 4.127 Betriebe/Dienststellen = 50 %, Schleswig-Holstein 556 Betriebe/Dienststellen = 45 %).

Unterschiede bei der Betriebsgröße und dem Wirtschaftszweig

Je größer der Betrieb/die Dienststelle, desto öfter besteht eine solche Regelung (Betriebe/Dienststellen mit mehr als 500 Beschäftigten hatten sich zu 74 % für diese Konten entschieden, während es bei denen mit 51 bis 500 Beschäftigten zu 64 % und bei denen mit 11 bis 50 Beschäftigten 47 % waren). Zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen bestehen große Unterschiede in der Nutzung solcher Arbeitszeitkonten. Die öffentliche Verwaltung hat mit 75 % gemeinsam mit Betrieben der Sparte „Bergbau/Energie/Wasser/Abfall“ mit 80 % den weitaus höchsten Anteil. Im Gastgewerbe oder in der Land-/Fortwirtschaft bestehen nur zu 37 % bzw. 36 % solche Regelungen.

Vertrauensarbeitszeit wird angenommen

Eine andere Variante bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit sind Regelungen zur Vertrauensarbeitszeit. Insgesamt haben 29 % der Betriebe/Dienststellen Bestimmungen zu Vertrauensarbeitszeiten eingeführt. Auch hier gilt, dass mit Zunahme der Größe des Betriebs/der Dienststelle auch das Regelungsangebot zunimmt. Regional bestehen Abweichungen gegenüber der Entwicklung der Arbeitszeitkonten. Bremen, Hamburg und das Saarland liegen prozentual auf den vorderen Plätzen, gefolgt von Berlin, Rheinland-Pfalz und Bayern. Allerdings spielt diese Arbeitszeitform in der öffentlichen Verwaltung mit 8 % eine stark untergeordnete Rolle.

Insgesamt 15 % aller beschäftigten Mitarbeiter würden die Möglichkeit einer Vertrauensarbeitszeit tatsächlich nutzen. In den kleineren Betrieben/Dienststellen ist sie häufiger anzutreffen als in den größeren.

Gleitzeit wird häufig genutzt

Hinsichtlich der Gleitzeitinanspruchnahme teilte die Bundesregierung mit, dass eine Sonderauswertung der Daten der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2017 Folgendes zeigt: Etwas weniger als die Hälfte der Beschäftigten (44 %) gibt an, in Gleitzeit zu arbeiten, während 56 % nicht in Gleitzeit arbeiten.

Arbeitsbelange im Privatleben

Im Rahmen der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2015 wurde erhoben, ob Beschäftigte bei der Arbeit Informations- und Kommunikationsmittel wie z.B. das Internet, E-Mail oder Smartphone verwenden. Zudem wurde erfasst, wie häufig Beschäftigte wegen Arbeitsbelangen im Privatleben kontaktiert werden. Eine Sonderauswertung der Daten der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2015 zeigt, dass 13 % der Beschäftigten, die bei der Arbeit Informations- und Kommunikationsmittel nutzen, und 12 % der Beschäftigten, die diese nicht nutzen, häufig im Privatleben wegen Arbeitsbelangen kontaktiert werden.

Zeitautonomie gut für die Gesundheit

Zeitautonomie – also die Verfügbarkeit über die eigene Zeiteinteilung – stelle eine positive Ressource dar, betont die Bundesregierung. Flexibilitätsmöglichkeiten der Beschäftigten gingen häufig mit weniger gesundheitlichen Beschwerden, einem reduzierten Stresserleben und verminderter Burnout-Symptomatik einher.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)