Rechtsprechung | Betriebliches Gesundheitsmanagement
10.11.2015

Arbeitsunfall: Sturz in Kantine nicht versichert

Solange sich ein Arbeitnehmer in der Kantine seines Arbeitgebers zum Zwecke der Erholung aufhält, genießt er keinen Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung. Das hat das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg entschieden. LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 16.06.2015, Az.: L 9 U 1534/14

Arbeitsunfall© Neyro /​ fotolia.com

Durchschreiten der Außentür begründet Versicherungsschutz

Betriebliches Gesundheitsmanagement. Eine Arbeitnehmerin war als Verkäuferin für ein Modehaus tätig. Nach einer Kaffeepause im Pausenraum fiel ihr auf dem Weg zum Ausgang ein, dass die vergessen hatte, einen Trinkbecher und eine Serviette zu entsorgen Als sie deshalb auf der Treppe im Pausenraum umkehrte, verfehlte sie eine Stufe und stürzte. Dabei verletzte sie sich am linken Sprunggelenk. Die Berufsgenossenschaft (BG) lehnt die Anerkennung des Sturzes als Arbeitsunfall ab. Bei der Nahrungsaufnahme handele es sich grundsätzlich um eine nicht versicherte eigenwirtschaftliche Tätigkeit. Die Beschäftigte zog vor Gericht. Sie argumentierte, dass der Aufenthalt im Pausenraum grundsätzlich versichert sein müsse, weil sich der Raum innerhalb des Betriebes befinde und bei Unfällen auf Wegen in der Firma der gesetzliche Unfallschutz greife.

Das sagt das Gericht

Das Gericht war anderer Meinung. Wege innerhalb eines Pausenraumes oder einer Kantine gehören bis zum Durchschreiten der Außentür nicht zu den versicherten Wegen. Das gilt jedenfalls solange ein Beschäftigter innerhalb dieser Räume keiner versicherten Tätigkeit nachgeht.

LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 16.06.2015, Az.: L 9 U 1534/14

Das bedeutet für Sie

Informieren Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen darüber, dass in den Pausen die Wege zur Nahrungsaufnahme in der Kantine und zurück zum Arbeitsplatz versichert sind. Die Nahrungsaufnahme selbst und der Aufenthalt in der Kantine unterliegen hingegen nicht dem Unfallschutz.

 

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Autor: Redaktion Mitbestimmung 

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