16.11.2018

Arbeitsschutz: Mehr Wert auf Präventionskultur legen

Arbeitsschutz im Betrieb und in der Dienststelle rechtssicher zu organisieren, ist eine gesetzliche Pflicht. Wer aber darüber hinaus die Kür beherrscht, macht Sicherheit und Gesundheit zur gemeinsamen Sache der Belegschaft. Die Kampagne „kommmitmensch“ der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen soll dazu anregen. Das Pflegen von Präventionskultur kann auch ein Thema für den Personalrat sein.

Arbeitsschutz

Kampagne „kommmitmensch“

Die Kampagne „kommmitmensch“ möchte Menschen dafür begeistern, Sicherheit und Gesundheit als zentrale Werte bei ihren Entscheidungen und Aktivitäten zu berücksichtigen. Das „mit“ steht dabei im Vordergrund. Die Kampagne setzt auf Aktionen, die Menschen verbinden und zum Mitmachen anregen. Davon sind Personalräte nicht ausgeschlossen, im Gegenteil. In unserem Newsletter 5/2018 hatten wir auf eine Umfrage unter der Überschrift „Mehr Beteiligung bei der Gesundheitsförderung erwünscht“ hingewiesen.

Arbeitsteilung im Arbeitsschutz

Die Leitung kann sich natürlich nicht um alles selbst kümmern. Regelmäßig lässt sie ihren Betrieb oder die Dienststelle sicherheitstechnisch und arbeitsmedizinisch beraten. Im Alltag haben zudem zuverlässige Kolleginnen und Kollegen als Sicherheitsbeauftragte vor Ort ein Auge auf die Arbeitssicherheit. Regelmäßig kommen die internen und externen Fachleute als Arbeitsschutzausschuss zusammen, um sich über Fragen der Sicherheit und Gesundheit auszutauschen. Der Personalrat ist in diesem Gremium vertreten. Und falls sich doch ein Unfall ereignet, wissen die Kolleginnen und Kollegen, was in Sachen Erster Hilfe zu tun ist. Mit alledem ist man rechtlich auf der sicheren Seite.

Arbeitsschutz kann mehr als Rechtssicherheit

So weit die Pflicht. Wie die Kür aussehen kann, beschreiben beispielsweise die Tischler eines Betriebs als Botschafter der Kampagne kommmitmensch: Das soziale Miteinander sei ein Schlüssel für den Erfolg, nennt ein „kommmitmensch“ namens Breiding die hauseigene Präventionskultur. „Zufriedene Beschäftigte schaffen zufriedene Kunden.“ Sie tun viel für das Betriebsklima und engagieren sich gemeinsam für ehrenamtliche Projekte – das schweißt zusammen.

Wertschätzung durch Arbeitsschutz

Sowohl in gewerblichen als auch öffentlichen Bereichen geht es immer mehr darum, Beschäftigte zu gewinnen und zu halten. So setzt Sandro Zehner, Bürgermeister der Stadt Taunusstein, alle Hebel in Bewegung, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Ansonsten könnte er schon bald den Pflichten der Stadt nicht mehr nachkommen – zu viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen altersbedingt in den Ruhestand. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind für ihn wirksame Hebel, um sein Team zukunftsfähig aufzustellen und Wertschätzung zu zeigen. Die Frage, worauf es dabei ankommt, beantworten die Beschäftigten immer häufiger selbst. Denn Sandro Zehner sorgt in seinem Amt auf vielfältige Art für Beteiligung – und engagiert sich in der Kampagne als kommmitmensch.

Präventionskultur macht den Unterschied

Eine Gemeinsamkeit zeichnet diese Beispiele aus: Das Denken und Handeln der vorgestellten Betriebe ist durch eine Kultur der Prävention geprägt. Dabei geht es nicht darum, alles neu zu erfinden. Die langfristig angelegte Kampagne der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zielt darauf ab, eine gute betriebliche Praxis zu stärken und die Chancen aufzuzeigen, die in einer proaktiven Präventionskultur stecken. Denn wer die Kür beherrscht, meistert auch zukünftige Herausforderungen.

Die entscheidenden Handlungsfelder einer Präventionskultur:

  • Führung
  • Kommunikation
  • Beteiligung
  • Fehlerkultur
  • Betriebsklima
  • Sicherheit und Gesundheit.

Mehr Informationen auf www.kommmitmensch.de

Hintergrund „kommmitmensch“

kommmitmensch ist die bundesweite Präventionskampagne von Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und ihrem Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Hintergrund ist, dass die Zahl der Arbeitsunfälle in den vergangenen Jahren nicht mehr deutlich gesunken ist. Um dem Ziel der Vision Zero, einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen, weiter näherzukommen, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz: kommmitmensch unterstützt Unternehmen und Bildungseinrichtungen dabei, eine Präventionskultur zu entwickeln, in der Sicherheit und Gesundheit Grundlage allen Handelns sind.

Wichtige Gesetze und Verordnungen im Arbeitsschutz:

  • Das Arbeitsschutzgesetz regelt: Wer ein Unternehmen oder eine Verwaltung führt, ist zur Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Er regelt auch Unterweisungen und arbeitsmedizinische Vorsorge.
  • Das Arbeitssicherheitsgesetz verpflichtet zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung, die in der DGUV Vorschrift 2 konkretisiert wird.
  • Die DGUV Vorschrift 1 regelt unter anderem die Bestellung von Sicherheitsbeauftragten sowie die Pflicht, Beschäftigte als Ersthelferinnen und Ersthelfer ausbilden zu lassen.
  • Die Arbeitsstättenverordnung macht Vorgaben zur Gestaltung von Arbeitsplätzen und deren Umgebung.
  • Die Betriebssicherheitsverordnung trifft Regeln zur sicheren und gesunden Verwendung von Arbeitsmitteln.
  • Über branchen- und tätigkeitsspezifische Regelungen bieten die zuständigen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen wertvolle Informationen.
Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)