Fachbeitrag | Betriebliches Gesundheitsmanagement 26.08.2015

Arbeitsschutz: Azubis brauchen besondere Aufmerksamkeit

Im September beginnt wie immer das neue Ausbildungsjahr. Das bedeutet, dass viele junge Menschen ins Berufsleben starten – und dementsprechend unerfahren sind. Deshalb ist es gerade für die Neueinsteiger wichtig, ihnen gleich von Anfang an die Bedeutung des Arbeitsschutzes klarzumachen – damit Unfälle gar nicht erst passieren.

Betriebliches Gesundheitsmanagement. Junge Menschen sind am Arbeitsplatz besonders gefährdet: Europäischen Statistiken zufolge liegt die Quote der Arbeitsunfälle bei den 18- bis 24-Jährigen um rund 50 Prozent höher als bei allen anderen Erwachsenen. Darauf weisen die Spitzenverbände der gesetzlichen Unfallversicherung hin. Begründet wird dies vor allem mit zwei Faktoren: Jugendlicher Leichtsinn und mangelnde Erfahrung.

Stress in der Ausbildung

Experten weisen immer wieder darauf hin, dass Auszubildende auch oft einer höheren psychischen Belastung ausgesetzt sind als routinierte Mitarbeiter: Alle Abläufe verstehen müssen, nicht negativ auffallen, bloß keinen Fehler machen … Viele junge Beschäftigte fühlen sich unter Druck gesetzt oder glauben, hohen Erwartungen genügen zu müssen. Ein weiterer Risikofaktor, kann doch Stress die Gesundheit beeinträchtigen und zu unkonzentriertem Handeln führen.

Arbeitgeber sind in der Pflicht

Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArb-SchG) gibt klare Vorgaben für die Schulung von Mitarbeitern und Auszubildenden, die noch keine 18 Jahre alt sind. In § 29 JArbSchG heißt es sinngemäß:

  1. Arbeitgeber müssen minderjährige Azubis über Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie deren Abwendung
  • zu Beginn der Ausbildung,
  • bei wesentlicher Änderung der Arbeitsbedingungen,
  • vor der erstmaligen Beschäftigung an Maschinen oder gefährlichen Arbeitsstellen und
  • vor dem möglichen Kontakt mit gesundheitsgefährdenden Stoffen unterrichten.
  1. Die Unterweisungen sind mindestens halbjährlich durchzuführen.
  2. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind an Planungs-, Durchführungs- und Überwachungsmaßnahmen zu beteiligen.

 

Meine Empfehlung

Der Arbeitgeber sollte diese Pflichten nicht nur auf minderjährige Azubis beschränken. Gerade wenn im Betrieb tatsächlich Gefahren lauern, die ein hohes Gesundheits- oder Unfallrisiko bergen, sollten Sie darauf hinwirken, dass alle Azubis regelmäßig geschult werden.

 

Erstunterweisung sollte aufgeteilt werden

Von besonderer Wichtigkeit ist die Erstunterweisung. Es bietet sich an, diese in zwei Teilen durchzuführen. Im ersten Teil, der allgemeinen Sicherheitsunterweisung, sollte die Geschäftsleitung die Azubis generell über Gefahren im Betrieb sowie über das Verhalten bei Arbeitsunfällen informieren – im Idealfall durch den Beauftragten für Arbeitssicherheit. Der zweite Teil, die arbeitsplatzbezogene Sicherheitsunterweisung, bezieht sich auf Tätigkeiten am Arbeitsplatz des Auszubildenden. Sie ist daher gegebenenfalls mit jedem Ausbildungsabschnitt zu erneuern. Diese Unterweisung kann von einem Vorgesetzten in der Abteilung oder auch vom Fachausbilder vor Ort durchgeführt werden.

Weitere Schulungen können sinnvoll sein

Darüber hinaus können auch innerhalb eines Ausbildungsabschnitts zusätzliche Schulungen notwendig werden. Das gilt insbesondere dann, wenn gefährliche Arbeiten erstmals ausgeführt werden sollen bzw. erstmalig vom Auszubildenden eine bestimmte Maschine, die nicht ganz ungefährlich ist, bedient wird.

 

Wichtiger Hinweis

Besonders zu beachten ist die Pflicht zur Wiederholung der Unterweisungen: Während Erwachsene laut § 12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) „erforderlichenfalls regelmäßig“ unterwiesen werden müssen, sind bei Jugendlichen wiederholte Unterweisungen „in angemessenen Abständen, mindestens aber halbjährlich“ vorgeschrieben.

 

Kreativität ist gefragt

Selbst bei älteren Arbeitnehmern sind Unterweisungen oft unbeliebt. Manch einer erwartet endlose Vorträge mit staubtrockenen Erklärungen. Deshalb denken Arbeitsschutzbeauftragte zunehmend um, indem sie Unterweisungen für Azubis lebendig und praxisnah gestalten. Überlegen Sie gemeinsam mit den bei Ihnen im Betrieb zuständigen Personen, was junge Beschäftigte besonders anspornen könnte.

Meine Empfehlung

Manche Fachkräfte für Arbeitssicherheit gestalten ihre Unterweisung zum Beispiel als Azubi-Wettbewerb, nach dem Motto „Wer entdeckt die Gefahrenquellen im Betrieb?“. So schulen sie zugleich Wachsamkeit und Gefahrenbewusstsein, und das auf spielerische Weise.

 

 

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Autor: Silke Rohde (Silke Rohde ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin von "Betriebsrat kompakt".)