04.12.2018

Arbeitsplatzabbau trotz vieler Überlastungsanzeigen

200 Arbeitsplätze sollen angeblich im Universitätsklinikum Münster (UKM) bis 2020 abgebaut werden. Und das vor dem Hintergrund, dass aus der Belegschaft heraus beim Personalrat des UKM insgesamt 1610 Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen in Kopie eingegangen sind. Sie kämen aus den verschiedensten Bereichen des Klinikums, sagen Personalratsmitglieder. Die Zahl sei auf Rekordniveau.

Überlastungsanzeigen

1610 Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen

Wie in den Westfälischen Nachrichten vom 09.11.2018 zu lesen war, werden 200 Arbeitsplätze beim UK Münster bis zum Jahr 2020 abgebaut. Der Personalrat warnt in einem internen Schreiben vor den Langzeitfolgen einer weiteren Arbeitsverdichtung. Er hat dafür gute Gründe. Aus der Belegschaft heraus seien ihm von Arbeitnehmern des UKM insgesamt 1610 Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen zugeleitet worden. 10 .600 Mitarbeiter sind Klinikum beschäftigt. Sie haben die Möglichkeit und gesetzliche Pflicht, per Formblatt auf eine Arbeitsüberlastung hinzuweisen. Der Personalrat warnt auch vor diesem Hintergrund des durch den UKM-Vorstand geplanten Personalabbaus vor den damit verbundenen Langzeitfolgen. Ein Personalratsmitglied sagte:

„Die Auswirkungen des Pflegenotstandes sind bereits da. Wir sehen die drohende Arbeitsverdichtung sehr kritisch.“

Hohes finanzielles Defizit verursacht Arbeitsplatzabbau

Aufgrund des historisch hohen Defizits im Geschäftsbericht 2017 mit 30 Millionen Euro plant der UKM-Vorstand einen personellen Abbau um 200 Stellen bis zum Jahr 2020. Zu betriebsbedingten Kündigungen soll es dabei nicht kommen. Die Stellen sollen weitestgehend im Rahmen der natürlichen Fluktuation nicht wieder besetzt werden, heißt es.

Forderung nach Konsolidierungsplan

Hintergrund ist laut Personalrat die Forderung eines Konsolidierungsplans der beiden zuständigen NRW-Ministerien (Wissenschaft und Finanzen) an den Vorstand. Von dieser Maßnahme hänge auch die Finanzierung der geplanten Bauprojekte am UKM ab, so der Personalrat.

Der Vorstand des UKM habe bereits im Sommer 2018 deutlich gemacht, dass deutlich mehr Geld aus Düsseldorf als die zur Verfügung gestellten 370 Millionen Euro benötigt würden, um die notwendige Erneuerung des in die Jahre gekommenen Klinikums zu finanzieren. Von einer doppelt so hohen Summe war die Rede.

Keine offizielle Reaktion

Vom Abbau der Arbeitsplätze sind hauptsächlich Beschäftigte aus dem medizinisch-technischen Bereich und der Verwaltung betroffen. Stellen von Technischen Assistenten, medizinischen Fachangestellten und in den Sekretariaten sollen nicht neu besetzt werden. Dabei sei die Arbeit schon zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr zu bewältigen, schreibt der Personalrat. Und kritisiert die „sehr zurückhaltende Informationspolitik des Vorstands“. Viele UKM-Mitarbeiter seien verunsichert.

Nach Mitteilung der Zeitung soll es von der Geschäftsleitung keine offizielle Reaktion auf das hausinterne Schreiben geben. Sie soll im Sommer eine Einsparung von 80 vollen Stellen im 7000 Mitarbeiter umfassenden medizinisch-technischen Bereich und in der Verwaltung bestätigt haben. Das UKM plant, im Jahr 2021 wieder eine schwarze Null zu schreiben.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)