News | Geschäftsführung Betriebsrat
28.07.2016

Arbeitsmarktprognose untermauert Nahles-Initiative Arbeiten 4.0

Wie sieht Arbeit in der Zukunft aus? Zur Klärung dieser und damit zusammenhängender Fragen hat Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) den Dialogprozess Arbeiten 4.0 angestoßen. Jetzt legt ihr Haus Daten zur Entwicklung der Arbeit bis 2030 vor. Kritik kommt von Betriebsratsseite.

Arbeitsmarktprognose untermauert Nahles-Initiative Arbeiten 4.0fotohansel /​ fotolia.com

Grünbuch Arbeiten 4.0 seit April 2015

Geschäftsführung Betriebsrat. Angestoßen hatte Nahles den Dialog zur Arbeit 4.0 bereits im April vergangenen Jahres. Damals legte sie das „Grünbuch Arbeiten 4.0“ vor. Es skizziert bestimmende Trends, gewandelte Werte und wichtige Handlungsfelder der künftigen Arbeitsgesellschaft.

Arbeitsmarktprognose 2030 von Economix

Nun liefert die im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) erstellte „Arbeitsmarktprognose 2030“ eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung der Entwicklung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage bis zum Jahr 2030 in Deutschland. Die Analyse wurde von einem internationalen Konsortium um den Auftragnehmer Economix erstellt. Sie beleuchtet zwei Szenarien, wie sich Zuwanderung und Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2030 auswirken werden:

  • Basisszenario mit Zuwanderung und stetiger Digitalisierung: Es unterstellt erhebliche Investitionen in Bildung und Weiterbildung.
  • Szenario beschleunigte Digitalisierung, ebenfalls mit Zuwanderung, im Vergleich zum Basisszenario.

Bevölkerung nimmt ab, Zahl der Erwerbspersonen zu

Für das Basisszenario kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen:

  • Zwar nimmt die Bevölkerung um 690.000 Personen zu.
  • Aber: Die Zahl der Erwerbspersonen sinkt um 720.000.
  • Zwar sinkt die der Erwerbstätigen auch, aber lediglich um 20.000.
  • Dafür sinkt aber die der Erwerbslosen um 700.000.
  • Die Fachkräfteengpässe fallen im Vergleich zur letzten Prognose etwas größer aus, die Ungleichgewichte verringern sich aber.
  • Es wird ein deutlicher Anstieg der hochqualifizierten Arbeitskräfte erwartet, ein starker Rückgang bei den gering Qualifizierten und ein leichter Rückgang im mittleren Qualifikationsbereich.

Beschleunigte Digitalisierung, positive Produktivitätseffekte

Im Vergleich dazu konstatiert das andere Szenario bei beschleunigter Digitalisierung deutlich positive Produktivitätseffekte. Die würden sich jedoch erst nach etwa zehn Jahren auswirken. Bruttoinlandsprodukt und Pro-Kopf-Einkommen wachsen um rund vier Prozent in 2030 an. Die Zahl der Erwerbstätigen steige etwas mehr an, die der Erwerbslosen gehe etwas mehr zurück, jeweils um rund 250.000.

Kein Ausgleich für Bevölkerungsschwund

Die Studie sieht in Digitalisierung und Zuwanderung zwar Mittel, den „demografischen Wandel“, will heißen: Bevölkerungsschwund abzuschwächen. Langfristig ausgleichen könnten sie ihn aber nicht. Fachkräfteengpässe würden tendenziell durch beide Trends vergrößert, vor allem in den Gesundheitsberufen.

Diskussion über „Arbeiten 4.0“

Das BMAS möchte mit der Initiative eine breite Diskussion über „Arbeiten 4.0“ erreichen. Dazu will man bestehende Formate wie die Partnerschaft für Fachkräfte und die Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ nutzen. Die Sozialpartner sind darüber hinaus eingeladen, Ideen und Positionen auf die im Grünbuch gestellten Fragen einzubringen.

Geffken: Boykott des Dialogs

Kritik an der Initiative kommt unterdessen von Seiten der Betriebsräte. Der Hamburger Betriebsräteanwalt Dr. Rolf Geffken ruft gar zu einem Boykott des Dialogs auf. Unter dem Vorwand einer angeblich vierten industriellen Revolution werden seiner Ansicht nach an digitalisierten Arbeitsplätzen bisheriges Arbeitsrechtssystem und Arbeitszeitregime in Frage gestellt. Zugleich werde die totale Verfügbarkeit des Arbeitnehmers auch außerhalb seines bisherigen Arbeitsplatzes angestrebt.

Betriebsräte und Gewerkschaften erlässlich?

Betriebsräte seien in diesem System ebenso wenig vorausgesetzt wie Gewerkschaften. Die Botschaft laute: Betriebsräte und Gewerkschaften sind nicht notwendig, der einzelne Arbeitnehmer quasi der souveräne Verhandlungspartner des Arbeitgebers – „freilich ohne ihm irgendwelche einklagbaren Rechte an die Hand zu geben“, so Geffken.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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