News | Geschäftsführung Betriebsrat
05.11.2015

Arbeitsbelastung: IG Metall kritisiert Arbeitgeberlobby

Ist Arbeit an sich grundsätzlich positiv oder negativ? Die Arbeitgeber behaupten, Erwerbstätige seien zufriedener als Arbeitslose, die Gewerkschaften halten dagegen. Die IG Metall kritisiert ein umstrittenes Papier des BDA und beruft sich auf Zahlen der BAuA.

© Kaspars Grinvalds /​ fotolia.com

Erwerbstätige zufriedener als Arbeitslose?

Geschäftsführung Betriebsrat. Erwerbstätige sind signifikant zufriedener als arbeitslos gemeldete Personen. Das steht in einem jüngst erschienenen Papier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit dem Titel „Fakten statt Zerrbilder – Arbeitsqualität in Deutschland“.

Daten des Sozio-oekonomischen Panels

Die Autoren berufen sich auf jährlich erhobene Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Arbeit, das bedeute „einen außerordentlich positiven Einfluss auf die Gesundheit“, die „persönliche Entwicklung des Einzelnen“, „Stabilisierung der Psyche des Menschen“, „Sicherung des Lebensunterhalts“ und „Quelle von Lebenssinn, Selbstvertrauen oder Zufriedenheit“.

IG Metall: Arbeitsbelastungen abbauen, nicht leugnen

Die IG Metall sieht hingegen in Arbeit zunächst einmal vorhandene Arbeitsbelastungen. Sie müssten „abgebaut und nicht geleugnet werden“. Das müsse „oberste Priorität“ haben. Tatsache sei: die Arbeitsunfähigkeitstage infolge psychischer Störungen innerhalb eines Jahres seien um rund ein Drittel auf 79 Millionen angestiegen. Das sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, vergangene Woche anlässlich des Arbeitsschutzkongresses A+A in Düsseldorf, einem international besetzten Treffen von Fachleuten für das Thema sichere und gesunde Arbeit.

Bericht der BAuA

Urban bezog sich dabei auf Daten aus dem aktuellen Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum „Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“. Die BDA habe mit ihrer jüngsten Publikation zur Arbeitsqualität endgültig den Konsens über „Gute Arbeit“ verlassen.

Moderner Arbeitsschutz

Sie attackiere darin den Überbringer der schlechten Nachricht, statt gemeinsam die Probleme anzupacken und die Präventionsanstrengungen in den Betrieben zu erhöhen. Die moderne Arbeitswelt erfordere einen modernen Arbeitsschutz. Leider setzten die Arbeitgeberverbände auf die Rezepte von gestern, kritisierte Urban.

Politik gefordert

Zudem forderte Urban das Kanzleramt auf, sich nicht länger zum Handlanger der Arbeitgeberlobby zu machen. Die Regierung müsse endlich den Weg für eine moderne Arbeitsstättenverordnung frei machen. Seit nunmehr fast einem Jahr gebe es an allen demokratischen Institutionen vorbei nicht-öffentliche Verhandlungen zwischen dem Kanzleramtsminister und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. „Mit diesen Geheimverhandlungen über die Arbeitsstättenverordnung muss endlich Schluss sein“, forderte Urban.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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