News | Betriebliches Gesundheitsmanagement
19.05.2015

Arbeits- und Gesundheitsschutz greift nicht

Lange nichts über atypisch Beschäftigte gehört? Alles in Ordnung also? Weit gefehlt. Werkvertragsbeschäftigte, Minijobber und Leiharbeiter gucken in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz nach wie vor meistens in die Röhre. Viele Instrumente greifen oft einfach nicht, wie eine neue Analyse ergibt.

Gesundheitsschutz Bauarbeiter© Gregor Bister /​ iStock /​ Thinkstock

Arbeitssicherheit hierzulande

Betriebliches Gesundheitsmanagement. Die klassische Arbeitssicherheit gilt hierzulande als gut aufgestellt. Bei der Unfallprävention hat es Verbesserungen gegeben. In die betriebliche Gesundheitsförderung kommt Bewegung. Doch profitierten alle Arbeitnehmer von diesen Fortschritten?

Schwächen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

Nein, schreiben Dr. Karina Becker und Thomas Engel, in der jüngsten Ausgabe der WSI-Mitteilungen (3/2015) der Hans-Böckler-Stiftung mit dem Schwerpunkt „Schwächen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in veränderten Arbeitswelten“.  Bei atypisch Beschäftigten gebe es gravierende Defizite, schließen die beiden Soziologen von den Universitäten Trier und Jena aus Befragungsdaten und Fallstudien, in die auch Ergebnisse eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekts  eingeflossen sind.

Normalarbeitnehmern weitgehend gleichgestellt

Rechtlich seien Leiharbeiter, Minijobber oder Werkvertragsbeschäftigte beim Arbeitsschutz zwar den Normalarbeitnehmern weitgehend gleichgestellt. In der Praxis ergäben sich aber erhebliche Schwierigkeiten. So seien atypisch Beschäftigte aufgrund kurzer Einsatzzeiten oft von Arbeitsschutzroutinen wie regelmäßigen Unterweisungen ausgeschlossen.

Mängel bei der Betreuung

Zudem gebe es Mängel bei der Betreuung durch Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte. Bei der Leiharbeit erweise sich als problematisch, dass Ver- und Entleiher gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit tragen. Das führe dazu, dass sich in vielen Fällen niemand zuständig fühlt.

Sinkende Standards

Dass Beschäftigungsform und Gesundheitsschutz eng zusammenhängen, können die Forscher anhand von Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin belegen. Nach ihren Berechnungen sinken die Standards mit wachsendem Abstand zum Normalarbeitsverhältnis. Von den befragten Erwerbstätigen mit unbefristetem Vollzeitjob hätten 57 Prozent angegeben, dass ihr Betrieb Gefährdungsbeurteilungen durchführt. 58 Prozent berichten von Gesundheitsförderung.

Geringverdiener mit Teilzeit und Befristung

Bei Teilzeit- oder befristet Beschäftigten seien es jeweils 43 Prozent. Von den Leihabeitern profitierten lediglich 47 Prozent von Gefährdungsbeurteilungen, nur 29 Prozent von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Beschäftigte, die in mindestens drei Kriterien vom Normalarbeitsverhältnis abweichen – zum Beispiel Geringverdiener mit Teilzeit und Befristung – kämen zu 32 Prozent in den Genuss von Gefährdungsbeurteilungen. Nur 21 Prozent hätten Zugang zu Gesundheitsförderung. Noch schlechter sähen die Werte bei Soloselbstständigen mit Niedriglohn aus.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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