Rechtsprechung | Arbeitsrecht
14.06.2016

Arbeitgeber darf Stellen für „junges Team“ ausschreiben

Nicht wenige Unternehmen versuchen, auf potenzielle Bewerberinnen und Bewerber attraktiv zu wirken, indem sie in Stellenanzeigen die Mitarbeit in einem „jungen Team“ in Aussicht stellen. Eine Frau mittleren Alters fühlte sich durch die Formulierung diskriminiert und klagte – vergeblich – auf eine Entschädigung. LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 15.01.2016, Az.: 19 Sa 27/15

junges Team© .shock /​ fotolia.com

Worum geht es?

Arbeitsrecht. Ein IT-Unternehmen suchte in einer Stellenannonce „Softwareentwickler (m/w)“ für ein „junges, hochmotiviertes Team“. Eine 52-jährige Informatikerin russischer Herkunft bewarb sich auf die Stelle. Da sie nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, verklagte sie das Unternehmen auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 10.000 €. Sie berief sich auf § 15 Abs. 2 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz). Sie fühlte sich durch die Stellenanzeige aufgrund ihres Alters und ihres Geschlechts diskriminiert.

Das sagt das Gericht

Die Entschädigungsklage hatte keinen Erfolg. Für eine Diskriminierung gebe es keinerlei Anzeichen, entschied das Gericht. Die Formulierung „Softwareentwickler (m/w)“ habe zwar nur die männliche Form verwendet, mit dem Zusatz werde aber deutlich, dass sich die Ausschreibung gleichermaßen an Männer und Frauen richte. Auch eine Altersdiskriminierung komme nicht in Betracht. Ein „junges Team“ könne zwar auf das Alter der Teammitglieder verweisen, ebenso aber auch auf das Alter des Teams. Da beide Bedeutungen gleich wahrscheinlich seien, sei bei dieser Formulierung nicht automatisch von einer Altersdiskriminierung auszugehen. LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 15.01.2016, Az.: 19 Sa 27/15

Das bedeutet für Sie

Ein Entschädigungsanspruch eines abgelehnten Bewerbers nach dem AGG setzt einen Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot (§§ 7 Abs. 1, 1 AGG), eine ernst gemeinte Bewerbung (kein „AGG-Hopping“) sowie eine vergleichbare Auswahlsituation (objektive Eignung des Bewerbers für die Stelle) voraus.

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Autor: Silke Rohde 

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