News | Arbeitsrecht
01.07.2015

Amazon Brieselang verlängert befristete Arbeitsverträge nicht

Amazon – und kein Ende. Der Versandhändler macht seit langem Schlagzeilen mit seinen Arbeitsbedingungen. Jetzt ist die Niederlassung in Brieselang ins Visier der Gewerkschaft ver.di geraten. Sie kritisiert einen „hohen Anteil“ befristeter Arbeitsverhältnisse bei dem Online-Händler. Der widerspricht. Und bekam jetzt gerichtliche Rückendeckung.

Befristete Arbeitsverträge© JiSign /​ fotolia.com

Verträge von Betriebsräten nicht verlängert

Arbeitsrecht. Geklagt hatten vier ehemalige Betriebsräte bei Amazon in Brieselang. Ihre befristeten Verträge hatte Amazon nicht verlängert. Vor Gericht mussten die vier Kläger jetzt eine Niederlage einstecken, berichtet „RBB-Online“.

Gericht: keine Benachteiligung

Man habe keine Benachteiligung erkennen können, zitiert der Sender einen Gerichtssprecher. Bei dem Urteil habe sich das Gericht auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) gestützt.

Prekäre Beschäftigung bei Amazon

Bei Amazon sei prekäre Beschäftigung gang und gäbe, hatte RBB zufolge einer der Kläger erklärt: „Die Leute wissen nicht, ob sie morgen noch dort sind. Wir sind gegen diese Hire-and-Fire-Philosophie.“ Die Kläger hätten auch auf die prekäre Beschäftigungssituation bei Amazon in Brieselang generell aufmerksam machen wollen.

ver.di: Befristete Arbeitsverträge bei jedem zweiten Mitarbeiter

Im Logistikzentrum Brieselang ist laut ver.di jeder zweite Arbeitsvertrag befristet. Laut einer Sprecherin von Amazon hingegen sei der „weitaus größte Teil“ der insgesamt rund 500 Mitarbeiter in Brieselang unbefristet beschäftigt. Unterschieden werden davon müssten allerdings die bis zu 1.000 Saisonkräfte, die um die Weihnachtszeit dort tätig seien.

Amazon: Niemand prekär beschäftigt

Amazon verwahre sich gegen den Vorwurf, ein Großteil der Mitarbeiter in Brieselang sei prekär beschäftigt, betonte die Sprecherin. Das zeigten auch die Stundenlöhne, die anfangs bei 9,75 Euro, nach zwei Jahren bei bis zu 11,32 Euro lägen.

Keine Verlängerung nach Weihnachtsgeschäft

Im aktuellen Fall seien die Kläger bis Ende Dezember 2014 beziehungsweise Januar 2015 befristet bis zu eineinhalb Jahren bei Amazon in Brieselang beschäftigt gewesen. Ihre Verträge wie die mehrerer hundert anderer Mitarbeiter auch seien nach dem Weihnachtsgeschäft nicht verlängert worden, obwohl laut ver.di neues Personal eingestellt worden sei.

Ursache Engagement im Betriebsrat?

Die Kläger vermuteten dahinter ihr Engagement im Betriebsrat, der vor einem Jahr neu gegründet worden war. Dafür hätten dem Gericht jedoch die Beweise gefehlt. Befristet Beschäftigte hätten nach rund einem Jahr auch als Betriebsräte keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung, zitiert „RBB“ das Gericht. Kein Grund für ver.di, ihre Kritik einzuschränken. Sie beharrt, dass so auch Betriebsräte, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, nicht weiterbeschäftigt werden.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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