26.07.2017

Alno-Betriebsrat sieht Fortbestand trotz Insolvenz

Verluste und Schulden – jahrelang kämpfte Küchenhersteller Alno gegen die finanzielle Misere an. Jetzt zwingt sie die Alno AG in die Knie. Trotz neuem Großaktionär und Sparprogramm blieb nur die Insolvenz. Der Betriebsrat glaubt indes weiter an den Fortbestand des Unternehmens.

Fortbestand Alno

Fortbestand des Unternehmens

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Mitarbeitervertreter des strauchelnden Küchenbauers sind weiter zuversichtlich für ihr Unternehmen. „Das Insolvenzverfahren bietet auch eine Chance, insbesondere wenn man den eingeschlagenen Spar- und Restrukturierungskurs rigoros weiter verfolgt“, zitiert der „Südkurier“ die Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratschefin Waltraud Klaiber. Man dürfe kein Geld mehr verschleudern, sondern müsse alles auf den Prüfstand stellen, egal ob Fixkosten, betriebliche Aufwendungen oder das Auslandsengagement.

Schockstarre nach Horrornachricht Insolvenz

Die Mitarbeiter seien in einer „Schockstarre“, sagte Klaiber der Zeitung. Sie seien „verärgert, wütend, ohnmächtig und enttäuscht“, auch weil mit der „Horrornachricht Insolvenz“ viele Kollegen das endgültige Aus des Unternehmens verbinden würden. Seit dem Börsengang 1995 hat Alno dem Bericht zufolge bis auf wenige Ausnahmen jedes Jahr Verluste gemacht. 28,5 Millionen Euro vor Steuern waren es im ersten Halbjahr 2016. Eine Bilanz für das Gesamtjahr hat das Unternehmen bisher nicht vorgelegt, dreimal wurde der Termin zur Veröffentlichung verschoben. Der Umsatz in den ersten fünf Monaten 2017 fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent.

Sanierung in Eigenregie beantragt

Das börsennotierte Unternehmen aus Pfullendorf wollte einen entsprechenden Antrag einreichen, um sich in Eigenregie sanieren zu können. Der Vorstand habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil in Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Gläubigern „zuletzt keine Einigung erzielt werden konnte“, hieß es in einer Mitteilung. Erst seit Jahresbeginn hat Großaktionär Tahoe das Sagen bei der Alno AG. Er stützt den Kurs und sieht den Sanierungsplan als Chance.

Tahoe übernimmt die Macht bei Alno

Hinter Tahoe steht die bosnische Unternehmerfamilie Hastor. Sie hat mit der gescheiterten Machtübernahme beim bayerischen Autozulieferer Grammer für Schlagzeilen gesorgt und per Lieferstopp ihrer Firmengruppe Prevent im vergangenen August die Bänder von VW in Wolfsburg und Emden stillgelegt. Mit Christian Brenner hatte Tahoe nach der Machtübernahme bei Alno zunächst einen Vertreter als Finanzchef installiert. Später löste Brenner dann überraschend Vorstandschef Max Müller ab. Seit Jahresbeginn fuhr das Unternehmen einen Sparkurs und hatte angekündigt, Stellen zu streichen. Im Inland wollte man früheren Angaben zufolge 140 Arbeitsplätze abbauen.

IG Metall: schwere Fehler des Managements

Die IG Metall wirft dem Management schwere Fehler vor. Aus Gewerkschaftssicht kommt die Entwicklung nicht überraschend. Die finanzielle Situation bei Alno sei seit Jahren schon angespannt gewesen, so laut „Südkurier“ der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Albstadt, Michael Föst. Die Standorte müssten erhalten bleiben. Außerdem dürfe es keinen weiteren Stellenabbau geben, fordert Föst. Das Management habe über Jahre hinweg Stellen gestrichen. Dies habe aber keine großen Änderungen gebracht.

Sanierungsstau und Altlasten

Bei Tahoe betont man, dass die Restrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Monate weitgehend umgesetzt und das operative Ergebnis signifikant verbessert worden seien. Das habe aber nicht gereicht, den Sanierungsstau und die finanzielle Belastung aus Altlasten der vergangenen zehn Jahre zu kompensieren. Ziel der geplanten Sanierung in Eigenverwaltung müsse vor allem sein, die Alno AG finanziell, bilanziell und operativ nachhaltig zu stabilisieren. Die Tochtergesellschaften Gustav Wellmann GmbH & Co. KG und Alno Logistik & Service GmbH sollen in den Insolvenzantrag einbezogen werden. Alle übrigen in- und ausländischen Tochtergesellschaften einschließlich der Pino Küchen GmbH seien nicht betroffen. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)