23.08.2017

Air-Berlin-Technik-Betriebsrat fordert Eingreifen Merkels

Bei den Verhandlungen um die Zukunft von Air Berlin darf die Technik nicht vernachlässigt werden. Das fordert der Betriebsrat der Technik-Tochter der Billigfluglinie. In einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel fordert er sie auf, den Beschäftigten „nicht die Motivation zu nehmen“.

Air Berlin Verhandlungen

Medien- und Politikschelte vom abt-Betriebsrat

Geschäftsführung Betriebsrat. „Wenn überhaupt, dann negativ“ – nur so sei in den vergangenen Tagen über die Technik-Tochter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin, Air Berlin Technik (abt), in den Medien und „auch durch die Politik berichtet worden“. Mit dieser Feststellung sind vor dem Wochenende Betriebsrat am Standort Düsseldorf und der Gesamtbetriebsrat in einem unserer Redaktion vorliegenden Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel herangetreten.

Etihad verweigert Finanzspritze

Vorausgegangen war die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorletztes Wochenende. Der bisherige Hauptanteilseigner, die Staatsairline Etihad aus Abu Dhabi, hatte kurz zuvor überraschend weitere Finanzspritzen für die marode Fluggesellschaft abgelehnt. Seit 2012 ist Großaktionär Etihad mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Es folgte jetzt eine Bieterschlacht um das Erbe der Airline. Lufthansa treibt laut „Handelsblatt“ die Verhandlungen um eine Übernahme schon seit Monaten voran. Schon im Januar hatte der umsatzstärkste europäische Luftverkehrskonzern die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen und damit rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte genehmigt worden.

Was wird aus abt und Niki?

Unklar ist nun das Schicksal vor allem der beiden Konzerntöchter abt in Düsseldorf und Niki in Österreich. Die abt-Mitarbeiter fürchten, dass ihr Unternehmen mit all seinen Mitarbeitern in den Verhandlungen mit Lufthansa untergehe. Dabei sei, so schreiben die Betriebsräte an die Kanzlerin, die „Technik einer der wesentlichen Bausteine in der Abwicklung von Flügen“. Die Betriebsräte wörtlich: „Dafür müssen die Kolleginnen und Kollegen Lizenzen und Qualifikationen besitzen und kontinuierlich nachweisen.“

Qualifizierte und gute Arbeit

Sie leisteten „nicht nur qualifizierte und gute Arbeit“, sondern seien „für die Flugdurchführung unter Berücksichtigung der technischen Sicherheit unabdingbar“. Umso entsetzter sei man über entsprechende Äußerungen von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr. Die Unterzeichner des Briefes: „Wir appellieren an Sie, dass in den Verhandlungen, die jetzt begonnen haben, dieser Aspekt nicht nur am Rande bemerkt wird, sondern, auch von Ihnen, aktiv mitgetragen wird.“

Frau Kanzlerin, schalten Sie sich ein!

Man werde die Mitarbeiter nicht hinhalten und abwarten bis andere ihr Schicksal beschließen. Das hätten Kollegen, die seit langem unter dem Kurs der Air Berlin und der abt leiden, nicht verdient. Selbst in der aktuellen Situation seien alle Kollegen aktiv und machten ihre Arbeit auf dem gleichen, hohen Niveau, um zu gewährleisten, dass alle Passagiere pünktlich, zuverlässig und sicher zu Ihrem Ziel oder nach Hause kommen. „Sorgen Sie dafür, dass die Technik Bestandteil der Verhandlungen wird und bleibt und nehmen Sie den Beschäftigten nicht die gezeigte Motivation“, so die Jörg Herling, abt-Vorsitzender Betriebsrat Düsseldorf, und sein Stellvertreter Sven Klottka sowie Winfried Schmitz vom Gesamtbetriebsrat des Unternehmens.

Finanzzusagen für das Insolvenzverfahren

Auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sieht die Bundesregierung in der Verantwortung. Sie stütze mit Finanzzusagen das Insolvenzverfahren. Sie müsse Druck auf die Verhandlungspartner ausüben, damit die Air Berlin-Beschäftigten eine Zukunftsperspektive erhalten. „Die 150-Millionen-Bürgschaft aus öffentlichen Finanztöpfen muss auch an soziale Bedingungen geknüpft werden“, so ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle in einer Pressemitteilung ihrer Organisation letzten Donnerstag.

8.200 Beschäftigten bangen um den Job

Es gehe um rund 8.200 Beschäftigten von Air Berlin. Die Gewerkschaft mahnte alle Beteiligten, allen voran die an Übernahme interessierten Unternehmen, sich zu ihrer sozialen Verantwortung zu bekennen und Beschäftigte von Air Berlin zu fairen Konditionen zu übernehmen. In den Gesprächen will ver.di darauf drängen, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Auch für die besonders gefährdeten Bereiche in der Verwaltung und Technik müsse es Perspektiven geben. ver.di wird sich zudem dafür einsetzen, dass die großen Standorte, zu denen vor allem Berlin und Düsseldorf gehören, erhalten bleiben.

Gerangel um Filetstück Niki

Mit der Insolvenz von Air Berlin ist auch die Zukunft der österreichischen Tochter Niki in der Schwebe. Der Ferienflieger ist profitabel und für Käufer hochattraktiv, schreibt das „Handelsblatt“. Nicht nur die Lufthansa will sich daher das Filetstück schnappen. Interesse an der österreichischen Airline haben u.a. die britische Billigfluglinie Easyjet und der Touristikkonzern Tui angemeldet. Gerüchte über Übernahmen wollte Niki-Betriebsratsvorsitzender Stefan Tankovits laut „Handelsblatt“ nicht kommentieren. Jede Übernahme sei recht, die Arbeitsplätze und den Standort sichert.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)