04.09.2017

Air Berlin-Betriebsräte machen Druck bei Politik

Die Betriebsräte von Air Berlin sind nicht allein. In solidarischer Einmütigkeit machten letzte Woche Betriebsräte der Airline und solche der gesamten Branche Druck auf regionale und bundesweite Politik. Am heutigen Montag soll es weitergehen. Noch ist Air Berlin nicht abgestürzt.

Air Berlin-Betriebsrat Gespräch Politiker

Druck auf Politik

Geschäftsführung Betriebsrat. Den Anfang machten letzten Dienstag Betriebsräte der Air Berlin und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). In einem Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), forderten sie soziale Verantwortung der Politik ein. Nachhaltige Lösungen für die Beschäftigten und ihre Familien müssten her – und zwar schnell. „Wir haben Menschen aus der ganzen Welt nach Berlin geflogen und damit den Standort Berlin wichtig gemacht“, betonten Betriebsräte aus Technik, Verwaltung und Kabine gegenüber dem Bürgermeister. Jetzt müsste es für die Beschäftigten auch in Zukunft Arbeitsplätze geben, bei denen sie faire Behandlung und faire Bezahlung erfahren. Dazu müssten die Interessenten und Unternehmen in die Verantwortung genommen werden. Die Betriebsräte forderten den Regierenden Bürgermeister auf, sich dafür stark zu machen. Wichtig sei, neben dem Flugbetrieb die Arbeitsplätze der Verwaltung und Technik im Blick zu behalten und Lösungen für die Beschäftigten zu finden.

Betriebsräte der Luftverkehrsbranche einig

Betriebsräte und Beschäftigte der gesamten deutschen Luftverkehrsbranche verstärkten den Druck daraufhin weiter. Zusammen mit Vertretern der Gewerkschaften Cockpit und Kabine sowie der Bodenverkehrsdienste forderten sie die Parteivorsitzenden von CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und FDP schriftlich auf, sich für faire und soziale Bedingungen im Wettbewerb der europäischen und deutschen Luftfahrtindustrie einzusetzen. Die Betriebsräte wollten damit den Parteien vor der Wahl klar machen, dass die politisch Verantwortlichen aufgefordert sind, qualitative Vergabekriterien zu erarbeiten. Diese Kriterien müssten faire Arbeits- und Entlohnungsbedingungen enthalten, Steuerschlupflöscher schließen, Scheinselbstständigkeit von Piloten verhindern und der Politik der EU-Kommission einen Riegel vorschieben.

Betriebsräte: Schluss mit Liberalisierung und Deregulierung!

Zudem müsse die EU von ihrer Politik der rücksichtslosen Liberalisierung und Deregulierung abrücken und stattdessen die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen. Christine Behle, Bundesvorstandsmitglied von ver.di, fordert: „Die EU-Kommission muss endlich dafür sorgen, dass Geschäftsmodelle von Airlines gestoppt werden, die in der Kabine und im Cockpit zum großen Teil auf Scheinselbstständigkeit beruhen und keine oder schlechte tarifvertragliche Arbeitsbedingungen bieten.“ Es sei nicht länger hinnehmbar, dass Airlines, die Start- und Landerechte an europäischen Flughäfen innehaben, mit Leasingfirmen zusammenarbeiten, die auf Lohndumping-Basis fliegen. Low-Coster dürften nicht weiter von der EU-Kommission dabei unterstützt werden, nationales Arbeitsrecht und Tarifverträge zu umgehen. Beispielsweise wird in Deutschland stationiertes Flugpersonal nach den niedrigeren irischen Rechts- und Sozialstandards behandelt. Fairer Wettbewerb müsse über Qualität und Leistung, nicht über Löhne stattfinden, so Behle.

Treffen mit Müller, Laschet heute

Die Betriebsräte von Air Berlin hatten in Schreiben neben Müller auch an den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet (CDU) appelliert, sich für ihre Arbeitsplätze stark zu machen. Nun wollen sich Laschet und Müller am heutigen Montag (4. September 2017) mit Betriebsräten und Vertretern von ver.di in Berlin treffen. Müller hat bereits zugesichert, sich in weiteren Gesprächen mit den Betriebsräten besprechen zu wollen.

Situation von mehr als 8.000 Beschäftigten

„Wir begrüßen es, dass sich Michael Müller und Armin Laschet über die Situation der mehr als 8.000 Beschäftigten informieren wollen und das Gespräch mit den Betriebsräten und mit ver.di suchen“, betont Behle. Es sei wichtig, dass sich die Politik dafür einsetzt, dass die Interessenten und Unternehmen in die Verantwortung genommen werden. Es müsse für die Air-Berliner auch in Zukunft Arbeitsplätze geben, bei denen sie faire Behandlung und faire Bezahlung erhalten. Behle: „Wir brauchen gute nachhaltige Lösungen für die Beschäftigten und ihre Familien.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)