News | Mitbestimmung
08.08.2016

AHG-Betriebsräte wehren sich gegen Investmentfirma

Vorsicht! Finanzhai! Die Warnung kommt von der Gewerkschaft ver.di und gilt der Investment-Gesellschaft Waterland. Die ist bei dem Reha-Konzern Median eingestiegen. Und der hat die Allgemeine Hospitalgesellschaft übernommen. Seither stehen deren Betriebsräte unter Druck.

Finanzhai© antimartina /​ fotolia.com

Volles Programm Aushebelung Mitarbeiterrechte

Mitbestimmung. Nahezu alle Tarifverträge gekündigt, neue werden nicht mehr abgeschlossen, massiver Druck auf einzelne Betriebsräte, keine Einkommensregelungen mehr über Tarifverträge, sondern nur noch über örtliche Betriebsvereinbarungen – das volle Programm.

Beschneidung demokratischer Rechten

Angesichts der Übernahme der Allgemeinen Hospitalgesellschaft (AHG AG) durch Median befürchtet die Vereinte Dienstleitungsgewerkschaft (ver.di) eine nachhaltige Beschneidung der Beschäftigten in ihren demokratischen Rechten.

Mehr Lohn für weniger Mitarbeiter

Nur ein Teil der Berufsgruppen erhält ver.di zufolge nach diesen Vereinbarungen mehr Lohn. Damit sollen die Beschäftigten anscheinend gegeneinander ausgespielt werden.

Sanktionen bei Kritik an Geschäftsführung

Zudem werde Beschäftigten mit Sanktionen gedroht, wenn sie den Abschluss von Vereinbarungen mit der Geschäftsführung kritisierten. „Hier soll die freie Meinungsäußerung unterbunden werden“, so ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Auch vor der Androhung von Kündigungen schrecke Median nicht zurück.

Niederländische Investmentgesellschaft Waterland

Seit die Investment-Gesellschaft Waterland bei Median eingestiegen ist, sei ein zunehmend rabiater Umgang des Konzerns mit Beschäftigten, Betriebsräten und der Gewerkschaft festzustellen. Waterland wird eigenen Angaben zufolge als Fondsmanager im von der niederländischen Regulierungsbehörde AFM (Autoriteit Financiële Markten) geführten Verzeichnis geführt.

Finanzhai mit Blick auf Investoren

„Waterland ist ein Finanzhai, der vorrangig die Investoren im Blick hat und nicht das Patientenwohl oder die Beschäftigten“, kritisiert Bühler. Waterland scheine heftigen Druck auf das Management auszuüben. Die Führung gebe diesen dann an die Betriebsräte und die Belegschaften weiter.

Einschüchterung, Klima der Angst

Gewerkschaftliche Aktivität werde mit allen Mitteln verhindert, „Beschäftigte werden eingeschüchtert, in vielen Kliniken herrscht ein Klima der Angst“, so Bühler. Ein gut funktionierendes Gesundheitswesen benötige engagierte Beschäftigte, in einem angstfreien Arbeitsklima.

Nachwuchsgewinnung bedroht

Voraussetzung dafür seien

  • gute Bezahlung,
  • anständige Arbeitsbedingungen und
  • fairer Umgang miteinander.

Ohne werde es schwer, ausreichend Nachwuchs in den gesellschaftlich relevanten Gesundheitsberufen zu gewinnen.

Schwarze Schafe wie Median

„Schwarze Schafe wie Median gefährden den Ruf einer ganzen Branche“, so Bühler. Median mache mit öffentlichen Geldern Gewinne und verstoße dabei eklatant gegen gesellschaftliche Werte.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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