06.02.2017

Adient-Betriebsrat kämpft um Arbeitsplätze

Eine stolze Ahnengalerie der Firmenchefs schmückt das Foyer bei Autozulieferer Adient in Remscheid. Früher hieß die Firma Keiper, dann Johnson Controls und Adient. Jetzt stehen wieder Veränderungen an. Die Geschäftsführung will den Standort auflösen – und damit 125 Jobs.

Moderne Autositze

Geschäftsführung Betriebsrat. 125 Mitarbeiter arbeiten in dem mehrstöckigen Firmengebäude. Hochqualifizierte Techniker in der Entwicklungsabteilung sowie Fachkräfte in der Dreherei. In diesem Jahr könnte die Geschichte der Familie Keiper endgültig besiegelt sein. Im Dezember läuft der Mietvertrag für das Lager im benachbarten Hasten aus. Die Geschäftsführung will den Standort Remscheid aufgeben, berichtet „RP-online“.

Bittner: Entscheidung nicht nachvollziehbar

Teile der Entwicklungsabteilung will die Unternehmensleitung nach Kaiserslautern verlegen. Für Monika Bittner, Vorsitzende des Betriebsrates und seit 25 Jahren als Konstrukteurin in dem Werk tätig, nicht nachvollziehbar. Der mittelständische Betrieb Keiper war seit Jahrzehnten auf Komponenten für Autositze spezialisiert. In den Entwicklungsabteilungen in Hasten tüftelten die Konstrukteure an den Verbesserungen für die Sitze. Innerhalb des Konzerns hätten sich die Ideen und Konstruktionen aus Remscheid meist durchgesetzt.

Produktionsverlagerung zunehmend nach Osteuropa

Die Schließung des Standortes müsse vor dem Hintergrund des deutschen und internationalen Automobilmarktes gesehen werden, zitiert die Online-Plattform die Unternehmensleitung. Automobilhersteller verlagerten ihre Produktionsstandorte zunehmend nach Osteuropa. Sie erwarteten Anpassungen bei den Entwicklungs- und Fertigungsstrukturen der Zulieferer  mit entsprechenden Effekten in der Preisgestaltung. Insgesamt steige der Kostendruck in der Branche stetig an, das Auftragsvolumen am Standort Remscheid sei rückläufig. „Die geringere Auslastung führt zu einer weiteren Verschärfung der nicht wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen“, kommt Dr. Detlef Juerss, Chief Technical Officer und Geschäftsführer Adient Components Ltd. & Co. KG Remscheid, in dem Bericht zu Wort.

Unterstützung für den Betriebsrat

Inzwischen hat es erste Informationsgespräche zwischen Geschäftsführung und dem Betriebsrat gegeben. Die Geschäftsführung will dazu keine Stellung beziehen. Der Betriebsrat hat sich Unterstützung geholt durch eine Anwaltskanzlei, einen Wirtschaftsberater und die IG Metall. „Wir wollen eine konstruktive Lösung finden“, so Bittner. Dafür müssten die Fachleute des Betriebsrates zunächst in die Bücher schauen dürfen. Sonst könne man die Argumentationslinie der Geschäftsführung nicht nachvollziehen.

Umzug nach Kaiserslautern verhindern

Der Betriebsrat will zunächst einen Umzug nach Kaiserslautern verhindern. Das liegt 300 Kilometer entfernt. Für viele Mitarbeiter, die in Remscheid und Umgebung Haus und Familie haben, kaum zumutbar. Für alle müsse eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden. Zudem befürchtet die Betriebsrätin den Verlust von Fachkompetenz, Das würde dem Unternehmen schaden.

Zeitalter der Digitalisierung

Die Lage wäre für einen Großteil der Belegschaft deutlich entspannter, wenn einzelne Abteilungen nach Burscheid oder auch Solingen verlegt würden. „Im Zeitalter der Digitalisierung braucht man nicht unbedingt die Nähe zu Produktionsstandorten“, sagt Bittner. Noch gibt es keine Kündigungen. Eine Prognose, wie es Ende des Jahres für die Mitarbeiter weitergeht, will sie nicht wagen, sondern an einem alternativen Konzept arbeiten.

Politik will vermitteln

Unterdessen hat sich die regionale Politik eingeschaltet. Zur Ankündigung Adients, den Standort Remscheid zu verlassen und einen Tag zuvor das Lager in Hasten leerzuräumen, hat sich vor Weihnachten der Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) mit einem Brief an die Geschäftsleitung und die Vorsitzende des Betriebsrates gewandt und Gespräche angeboten. Wolf schreibt auf seiner Internet-Seite: „Ich habe die Vorsitzende des Betriebsrates Monika Bittner angerufen und ihr meine Solidarität bekundet. Die Geschäftsleitung habe ich gebeten, ihre Entscheidung vor dem Hintergrund der sozialen Verantwortung von Unternehmen nochmals zu überdenken.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)