News | Mitbestimmung
28.06.2016

40 Jahre Mitbestimmungsgesetz in Deutschland

Mitbestimmung ist kein Naturgesetz. Es gab Zeiten in Deutschland, da regierte der Patriarch im Unternehmen – basta. Das änderte sich erst nach dem Krieg. Die Väter der Mitbestimmung hatten lange zu kämpfen. Vor 40 Jahren der Durchbruch: das erste Mitbestimmungsgesetz in Deutschland.

40 Jahre Mitbestimmungsgesetz© Alex_Po /​ fotolia.com

Seit 40 Jahren Mitbestimmung

Mitbestimmung. Am 1. Juli 1976 war es so weit: das Mitbestimmungsgesetz trat in Kraft. Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaften in Unternehmen mit mindestens 2000 Beschäftigten haben seit 40 Jahren in Deutschland Anrecht auf die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat. Ende 2015 waren 635 Unternehmen nach dem Mitbestimmungsgesetz von 1976 mitbestimmt.

Jubiläumsveranstaltung am 30. Juni 2016

Die Hans-Böckler-Stiftung und Deutscher Gewerkschaftsbund haben auf der zentralen Jubiläumsveranstaltung am 30. Juni 2016 die Entstehungsgeschichte der Mitbestimmung, was sie heute leistet und wo die Herausforderungen der Zukunft liegen, zum Thema gemacht.

Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält die Mitbestimmung für ein wichtiges Gut. Das zeigt eine repräsentative Befragung. Der Anteil derjenigen, die finden, dass Arbeitnehmer in der Wirtschaft mindestens gleich viel Einfluss haben sollten wie Arbeitgeber, liegt bei 65 Prozent.

Mitbestimmung für wenige falsch

Noch deutlicher fällt die Gegenprobe aus: Der Aussage, dass Mitbestimmung falsch sei, stimmten nur 13 Prozent der Befragten – Beschäftigte, Selbständige und Unternehmer – zu. Auch viele junge Menschen finden Mitbestimmung gut und wichtig. Allerdings haben der Umfrage zufolge nur wenige praktisches Wissen darüber.

Mitbestimmung im Studium

Eklatante Lücken zeigt die Ausbildung der Manager von morgen. Im BWL-Studium spielt Mitbestimmung oft kaum eine Rolle. Mitbestimmung wird zwar „nicht völlig ausgeklammert“, ist aber kein „grundsätzlicher Bestandteil“ der Lehrpläne. Wenn die institutionalisierte Interessenvertretung von Arbeitnehmern thematisiert wird, dann geschieht dies meist im Zusammenhang mit

  • Arbeitsrecht,
  • Personalmanagement oder
  • Corporate Governance.

Die entsprechenden Veranstaltungen sind in der Regel nicht verpflichtend für alle Studierenden.

Vorteile von Betriebs- und Personalräten

Studien zeigen, dass der Einsatz von Betriebs- und Personalräten für die Interessen der Beschäftigten und bessere Arbeitsbedingungen auch dem Unternehmen insgesamt Vorteile bringt. Da Betriebsräte in großen Unternehmen auch in den Aufsichtsräten vertreten sind, sind die Effekte der Mitbestimmung in Betrieb und Unternehmen systematisch oft nur schwer zu trennen und sollten insgesamt betrachtet werden.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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