Rechtsprechung | Bauleitung
24.08.2016

Schadensgeneigte Bauwerksabdichtung: Architekt haftet für Überwachungsfehler!

Die Berufung des Beklagten wurde vom BGH zurückgewiesen. Somit ist das Urteil des LG Stuttgart vom 19. November 2015 rechtskräftig, in dem um die Klärung der Haftungsfrage gestritten wurde.

@ Piotr Adamowicz /​ iStock /​ thinkstock

Leitsatz:

  1. Kann das geplante Werk (hier: Aufbringung einer KMB-Beschichtung) ordnungsgemäß, das heißt handwerklich mangelfrei ausgeführt werden, liegt kein gravierender Planungsfehler vor.
  2. Ist der Baumangel auf einen Ausführungsfehler des Bauunternehmers zurückzuführen, den der Architekt im Rahmen seiner Bauüberwachung (lediglich) nicht erkannt hat, trifft den Bauunternehmer die zumindest überwiegende, regelmäßig sogar die alleinige Haftung. Denn der Bauunternehmer kann nicht einwenden, er sei nicht ausreichend überwacht worden. Allerdings ist eine Mithaftung des Architekten im Innenverhältnis nicht gänzlich ausgeschlossen.
  3. Die Berücksichtigung eines Überwachungsfehlers im Gesamtschuldnerausgleich zwischen dem Architekten und dem bauausführenden Unternehmer ist auf besondere Ausnahmefälle beschränkt. Ausnahmsweise kommt eine Mithaftung aus einer verletzten Aufsichtspflicht in Betracht, wenn eine Überwachung – namentlich wegen einer besonderen Schadensgeneigtheit der Arbeiten – in besonderem Maße geboten war.
Autor: WEKA-BAU Redaktion

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