31.01.2017

Achtung: HBCD in Polystyrol – Sondermüll!

Neu: Fristverlängerung bis 31.12.2017! Polystyrol wird insbesondere bei der Verwendung innerhalb von Wärmedämmverbundsystemen regelmäßig ein sog. Flammschutz beigefügt, welcher eine Brandausbreitung deutlich verlangsamen soll.

HBCD in Polystyrol - Sondermüll

Die Chemikalie Hexabromcyclododecan (HBCD) wurde als Flammschutz in sehr vielen Produkten eingesetzt. Wegen seiner in großem Maße umweltschädigenden Eigenschaften wurde das Mittel in der EU bereits 2008 als besorgniserregend eingestuft (EU-Chemikalienverordnung REACH), seit 2013 gilt es als langlebiger organischer Schadstoff (POP). Ein weltweites Herstellungs- und Verwendungsverbot ist 2014 erlassen worden.

Entsorgungsproblematik

Bisher können alle polystyrolartigen Baustoffe nach dem Ausbau als „gemischter Bauschutt“ entsorgt werden. Eigentlich sollten gemäß der Verschärfung der Abfallverzeichnis-Verordnung bereits ab Oktober 2016 alle HBCD-haltigen Baustoffe als Sondermüll betrachtet und entsprechend entsorgt werden. Nachdem jedoch bisher nur wenige Anlagen über die Genehmigung zur fachgerechten Entsorgung verfügen, wurde die Frist verlängert.

Neu: Fristverlängerung bis 31.12.2017

Bis zu diesem Datum werden HBCD-haltige Materialien wie Styropor nicht als Sondermüll betrachtet. Sie können bis Ende 2017 als normale Bauabfälle eingestuft und entsorgt werden. Nach den Vorstellungen des Gesetzgebers können in der Zeit bis zum Fristablauf bundesweit einheitliche Anforderungen für eine geeignete Art der Entsorgung geschaffen und umgesetzt werden.

Vor-Ort-Bestimmung

In der Regel wird HBCD-haltiges Material nur selten durch eine Kennzeichnung eindeutig nachzuweisen sein. Man wird im Zweifelsfall altes Polystyrolmaterial insgesamt als Sondermüll behandeln und „sauberes“ PST nicht dem Recycling zuführen können. Daher wird an einer Möglichkeit gearbeitet, HBCD vor Ort zerstörungsfrei nachweisen zu können.

Recycling

Bei der bisher üblichen Verbrennung in Sondermüllanlagen wird HBCD zusammen mit dem Polystyrol vollständig vernichtet, lediglich enthaltenes Brom wird als Salz aufgefangen. Ein Recycling der belasteten Polystyrole, ähnlich den unbelasteten, wäre möglich. Das basiert auf dem sog. „CreaSolv®-Prozess“. Das in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut erarbeitete System löst fremde Bestandteile aus dem zu recycelnden Material. Dadurch kann dann auch belastetes Polystyrol wiederverwertet werden. Bisher allerdings sind die Mengen anfallender HBCD-haltiger Stoffe jedoch noch zu gering, um das zu einer verpflichtenden Maßnahme zu machen. Es ist anzunehmen, dass die steigenden Anteile HBCD-haltiger Materialien in Zukunft ein entsprechendes Umdenken nach sich ziehen werden.

Autor: Wilfriede Renate Schamoni (Dipl.-Ing. Architektin)