Fachbeitrag | EnEV
21.01.2016

Gegenüberstellung der Richtlinie zur Vor-Ort-Beratung 2012/2014

Zum 01.03.2015 hat sich die „Richtlinie über die Förderung der Energieberatung in Wohngebäuden vor Ort (Vor-Ort-Beratung)“ der BAFA in wesentlichen Punkten geändert. Ziel ist es, im Hinblick auf die Energiewende die Zahl der Sanierungen weiter zu steigern. Mit der vorliegenden Änderung soll das Vor-Ort-Beratungsmodell noch attraktiver werden, sowohl für den Beratungsempfänger als auch für den Sachverständigen.

energieberatung@ AndreyPopov /​ iStock /​ thinkstock

TippHinweis für die Praxis

Vor dem 01.03.2015 beantragte und bewilligte Vor-Ort-Beratungen werden nach der bisherigen Richtlinie 2012 behandelt!

 

Gegenüberstellung der Änderungen der Vor-Ort-Beratungsrichtlinie

Richtlinie 2012

Richtlinie 2014

Gegenstand der Beratung – Voraussetzungen

  • Wohngebäude mit Antragstellung vor dem 31.12.1994
  • nur für das Gesamtgebäude möglich
  • Wohngebäude mit Antragstellung vor dem 31.01.2002
  • Nichtwohngebäude vor geplanter Umnutzung
  • reine Wohngebäude: Gesamtgebäude
  • gemischt genutzte Gebäude: Wohnanteil oder Gesamtgebäude

Förderungsausschluss

  • durchgeführte Beratung vor weniger als 8 Jahren ohne Besitzerwechsel
  • durchgeführte Beratung vor weniger als 4 Jahren ohne Besitzerwechsel

Gleichzeitige Inanspruchnahme anderer öffentlicher Beratungsprogramme

  • nicht zulässig
  • zulässig bei Nicht-Bundesprogrammen, max. Zuschusshöhe bis 90 % der Gesamtberatungskosten

Erläuterung des Beratungsberichts

  • Nur persönlich
  • auch telefonisch möglich, der Beratungsempfänger muss nachweislich einverstanden sein

Art und Umfang der Zuwendung

  • 50 % der Gesamthonorarsumme
  • EFH + ZFH =max. 400 €
  • MFH > 3 WE = max. 500 €
  • 60 % der Gesamthonorarsumme
  • EFH + ZFH = max. 800 €
  • MFH > 3 WE = max. 1.100 €
  • Thermografie: max. 100 €
  • Stromsparberatung: 50 €
  • keine Förderung mehr vorgesehen

Persönliche Erläuterung des Beratungsberichts in Eigentümerversammlungen

„[…] einmalige Zuwendung in Höhe von höchstens 500 € pro Beratung […]“

Maßnahmenbeginn

  • ist die Auswertung der aufgenommenen Daten
  • ist die Erstellung des Energieberatungsberichts

Bewilligungszeitraum

„[…] maximal sechs Monate ab Erstellung des Zuwendungsbescheides.“ „[…] maximal sechs Monate ab Erstellung des Zuwendungsbescheides.

[…]

für eine bewilligte zusätzliche Erläuterung des Berichts vor Wohnungseigentümergemeinschaften oder Beiräten beträgt der Bewilligungszeitraum maximal 2 Jahre.“

Einzureichende Unterlagen (als Voraussetzung zur Auszahlung)

  • Kopie des Beratungsberichts und der Honorarrechnung (mit Angabe von Bundes- und Eigenanteil)
  • Verwendungsnachweiserklärung im Original
  • Kopie des Beratungsberichts und der Honorarrechnung (mit Angabe von Bundes- und Eigenanteil)
  • Verwendungsnachweiserklärung im Original
  • ggf. Formular „Angaben zum KfW-Effizienzhaus“
  • ggf. Teilnahmebestätigung des Verwalters bei persönlicher Erläuterung in WEG-Versammlung

Der Beratungsbericht

  • streng strukturierte Vorgaben
  • muss für den Beratungsempfänger verständlich sein
  • muss für den Laien verständlich sein
  • kompakte Form der Darstellung erwünscht

Zusammenfassung der Ergebnisse

  • Aussagen zu den zu erwartenden Energieeinsparungen (auch Primärenergie)
  • auch in grafischer Darstellung
  • Aussagen zur erwarteten Einsparung von Endenergiebedarf und -kosten sowie CO2-Einsparung
  • keine zusätzlichen Grafiken gefordert

Ziel

  • energetisches Sanierungskonzept in einem Zug zum Effizienzhaus, auch möglich: schrittweise aufeinander aufbauende Maßnahmen, die dann zum Effizienzhaus führen
  • energetisches Gesamtkonzept: Sanierung zum Effizienzhaus

oder

  • Erstellen eines Sanierungsfahrplans für eine umfassende energetische Sanierung (nicht Effizienzhaus!) von bauphysikalisch aufeinander abgestimmten Einzelmaßnahmen oder Maßnahmenkombinationen

Fehlende Wirtschaftlichkeit einer Sanierung zum Effizienzhaus

  • muss nur dargelegt werden
  • muss begründet sein

 

(gilt auch bei fehlender Wirtschaftlichkeit zur Nutzung erneuerbarer Energien)

Wirtschaftliche Bewertung

  • Gesamtsanierung, alle notwendigen Kosten sind zu berücksichtigen
  • Berücksichtigt werden alle zur Erreichung des Gesamtziels notwendigen Maßnahmen, allerdings zählen nur die energetischen Mehrkosten, die Insgemeinkosten1 bleiben außer Betracht, der Begriff der Vollkosten ist dem Beratungsempfänger zu erläutern.
Alle Maßnahmen müssen bewertet werden. Nur die erste Sanierungsmaßnahme ist zu bewerten

(auch im Sanierungsfahrplan).

Berücksichtigung der Fördermittel in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

  • ja
  • Nein, es ist aber auf infrage kommende Bundesfördermittel hinzuweisen.

Lüftungskonzept

  • Sofern keine Lüftungsanlage eingebaut wird, ist auf die Notwendigkeit des Lüftungskonzepts bei Sanierung der Gebäudehülle hinzuweisen.

Energetische Baubegleitung

  • Hinweispflicht auf verpflichtende Baubegleitung im Fall einer geförderten Sanierung und entsprechende Zuschussmöglichkeiten dazu. Generell ist die Baubegleitung zu empfehlen.

Förderfähigkeit*²

  • Alle Maßnahmen müssen förderfähig sein (KfW-Programm)
  • Nur die erste Maßnahme muss förderfähig sein (allg. Bundesprogramme).
¹ Als Insgemeinkosten werden die Kosten bezeichnet, die auch anfallen würden, ohne dass eine energetische Ertüchtigung durchgeführt wird, also Instandhaltungs- bzw. Instandsetzungskosten. Wird z.B. eine Fassade renoviert, so sind die Gerüst- und Putzkosten als Insgemeinkosten zu bezeichnen, die Kosten für die Dämmung jedoch als energetische Mehrkosten. Alle im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme anfallenden Kosten sind dann die „Vollkosten“.

² Förderfähigkeit bedeutet, dass geplante Maßnahmen die Anforderungen einer Fördermaßnahme erfüllen.

Autor: Wilfriede Renate Schamoni 

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