14.05.2018

Radonsicheres Bauen ist ab sofort gesetzliche Vorschrift!

Bei Radon handelt es sich um ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran, welches in regional unterschiedlicher Konzentration in der Erdkruste vorkommt, entsteht. Erhöhte Konzentrationen von Uran findet man in Gesteinen wie Gneisen oder Graniten.

EURATOM-Richtlinie

Radonbelastung in Gebäuden

Im Gegensatz zu den in der Zerfallsreihe vorgelagerten Elementen, die ausschließlich Schwermetalle sind, ist Radon gasförmig und zudem wasserlöslich. Radon kann durch Risse und Klüfte im Erdreich bzw. über Grundwassertransport aus dem Erdreich entweichen.

In unbebautem Gelände ist dies unkritisch, da sich Radon schnell in der Umgebungsluft verflüchtigt und vom menschlichen Körper nicht absorbiert wird. Dringt Radon jedoch über Undichtigkeiten im Fundament in Gebäude ein, kann es sich in Innenräumen anreichern. Dabei lagert es sich an verschiedenste immer in der Raumluft vorhandene Aerosole (z.B. auch Zigarettenrauch) an. Beim Aufenthalt in den Räumen kann es eingeatmet werden und sich in der Lunge temporär festsetzen. Dort zerfällt das Radon weiter und es entstehen wiederum radioaktive Schwermetalle, die der Körper absorbiert, und die das Lungengewebe schädigen. Aus diesem Grund ist Radon in Deutschland mit geschätzt 2.000 Todesfällen pro Jahr die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

EURATOM-Richtlinie: Jetzt ist das Strahlenschutzgesetz in Kraft.

Seit Februar 2018 ist die EURATOM-Richtlinie 2013/59 vom 05.12.2013 in Form des neuen Strahlenschutzgesetzes in Kraft. Mit dieser Richtlinie wird in Deutschland erstmals ein Richtwert für Radon 222 in Gebäuden festgelegt und gleichzeitig radonsicheres Bauen gesetzlich vorgeschrieben. Zukünftig gilt für Innenräume ein Referenzwert von 300 Bq/m³.

Innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung werden zudem Gebiete festgelegt, in denen zu erwarten ist, dass die durchschnittliche Radon-222-Konzentration in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen den Richtwert überschreitet. In diesen Gebieten sind daraufhin Radonmessungen an Arbeitsplätzen durchzuführen. Bei Überschreitung des Richtwerts sind Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration zu treffen.

Bei Neubauten ist dafür zu sorgen, dass der Eintritt von Radon durch geeignete Maßnahmen verhindert wird. Dies wird i.d.R. erfüllt, wenn die allgemein anerkannten Regeln zum Feuchteschutz eingehalten werden. In den Vorsorgegebieten können aber zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden, die der Gesetzgeber noch festlegen kann.

Ebenso sollen nach dem Gesetz bei Maßnahmen an Gebäuden, die den Luftwechsel im Gebäude erheblich reduzieren, Maßnahmen zum Schutz vor Radon in Betracht gezogen werden. Dies wird bei energetischen Modernisierungen des Öfteren der Fall sein.

Bezüglich Details dazu wird auf das Strahlenschutzgesetz vom 27.07.2017 verwiesen.

Zwar sind in der aktuellen Fassung des Strahlenschutzgesetzes keine Grenzwerte, sondern lediglich Richtwerte festgelegt, und einige Punkte (z.B. die Vorsorgegebiete) noch nicht definiert bzw. relativ vage gehalten, dennoch muss davon ausgegangen werden, dass eine Überschreitung der Richtwerte zukünftig als Mangel ausgelegt wird. Insofern sollte radonsicheres Bauen zukünftig immer mitberücksichtigt werden.

 

Auszug aus Praxishandbuch „Energieeffizientes Planen und Bauen nach EnEV 2016“

Autor: David Gärtner (Sachverständiger für Energieeffizienz. Vor-Ort-Berater für Wohngebäude. Energieberater für Nichtwohngebäude.)