Fachbeitrag | EnEV
28.07.2015

Von der EnEV 2013 zur verschärften EnEV 2016 – eine Übersicht

Seit dem 01. Mai 2014 ist die novellierte Fassung der EnEV 2013 in Kraft. Neben einigen Übergangsfristen, die im Laufe des Jahres 2015 enden, sind ab 01. Januar 2016 elementare Änderungen und Verschärfungen zu betrachten.

EnEV 2016© HS3RUS /​ iStock /​ thinkstock

Übergangsfristen

Immobilienanzeigen in gewerblichen Medien

In kommerziellen Medien, gemeint sind Print- und Onlineanzeigen, müssen Immobilienanzeigen seit 01.05.2014 der Kennwert für den Endenergiebedarf oder der Endenergieverbrauch des beworbenen Objektes angeben werden.

Ordnungswidrigkeit

Ab dem 01.05.2015 kann das Nichtangeben dieser Werte als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Höhe dieser Bußgelder beträgt bis zu 15.000 €. Allerdings gilt das nach wie vor nur, wenn zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Anzeige ein Energieausweis vorliegt. Das könnte z.b. bei einer Neubauplanung der Fall sein, wenn vor der Fertigstellung die Objekte bereits verkauft oder vermietet werden sollen. Es empfiehlt sich, die Werte aus der Wärmebedarfsberechnung zu übernehmen, und den Kunden auf die Situation hinzuweisen. Zu beachten ist, jedoch, dass spätestens mit Fertigstellung des Gebäudes der Ausweis dem Käufer oder Mieter zu übergeben ist!

Dämmung oberster Geschossdecken

Decken in beheizten Wohngebäuden, die nicht den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2013-02 erfüllen, müssen bis zum 31. Dezember 2015 so gedämmt werden, dass der Wärmedurchgangswiderstand kleiner als 0,24 W/(M2K) ist. Wenn aus technischen Gründen dieser Wert nicht erreicht werden kann, muss die höchstmögliche Dämmstärke mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(mK) eingebaut werden. Sofern nachwachsende Rohstoffe verwendet werden, ändert sich die zulässige Wärmeleitfähigkeit auf 0,045 W/(mK).

Ausnahme

Wurde ein Gebäude mit max. zwei Wohneinheiten am 01.02.2002 vom Eigentümer selbst bewohnt, so gilt nach einem Eigentümerwechsel eine zweijährige Frist. In dieser Zeit muss der neue Eigentümer die oberste Geschossdecke nachrüsten lassen.

Praxistipp

Wenn jemand zwischen 2002 und 2007 ein solches Gebäude erworben hat, muss er die Geschossdecke bzw. das darüber liegende Dach gemäß den Vorgaben ertüchtigen. Die Ausnahme greift nicht, weil der aktuelle Besitzer zum Stichtag noch nicht Eigentümer war. In solchen Fällen besteht dringend Handlungsbedarf, zumal Bußgelder bis 50.000 € drohen!

Aushang von Energieausweisen

Öffentliche Gebäude mit behördlicher Nutzung

Ab dem 08.07.2015 beginnt die Verpflichtung zum Aushang des Energieausweises in öffentlichen Gebäuden mit behördlicher Nutzung und Kundenverkehr bereits ab einer Nutzfläche > 250 m². Sollte noch kein Ausweis vorliegen, muss dieser dafür erstellt werden! Dabei ist unerheblich, ob der behördliche Nutzer zugleich Eigentümer des Gebäudes ist oder nur Mieter! Die Verpflichtung verlagert sich in dem Fall vom Eigentümer zum Nutzer.

Veränderungen ab 2016

Neu errichtete Wohngebäude

Jahres-Primärenergiebedarf

Nach wie vor müssen sich neue Wohngebäude am rechnerisch ermittelten Jahresprimärenergiebedarf des Referenzgebäudes orientieren und diesen nicht überschreiten. Ab Januar 2016 jedoch muss der ermittelte Wert für das referenzgebäude mit 0,75 multipliziert werden. Dieser neue, um 25 % kleinere Wert stellt nun die zulässige Maximalgrenze für Neubauten dar.

Transmissionswärmeverluste

Bisher durfte der spezifische, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust die dem Gebäudetyp entsprechenden Höchstwerte nicht überschreiten. Die genannten Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten der Umfassungsflächen waren lediglich Orientierungshilfen. Künftig jedoch müssen für alle Hüllflächen diese Werte eingehalten werden.

Praxistipp

Möglichst frühzeitig und während der gesamten Planung sollten diese Werte überprüft werden!

Der Gesetzgeber erwartet durch diese Verordnung eine ca. 20%ige Minderung der Transmissionswärmeverluste.

Neu errichtete Nichtwohngebäude

Jahres-Primärenergiebedarf

Grundsätzlich gelten die genannten Verschärfungen auch bei der Errichtung neuer Nichtwohngebäude. Allerdings sind mit Gebäudezonen mit mehr als 4 m Raumhöhe, die durch dezentrale Gebläse- oder Strahlungsheizungen beheizt werden, davon nicht betroffen. Das gilt ebenso für niedrig beheizte Zonen oder Gesamtgebäude.

Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten

Für über 19° beheizte Zonen in Nichtwohngebäuden werden die zulässigen Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten ihrer wärmeübertragenden Umfassungsflächen ab Januar 2016 reduziert. Diese sind künftig als Grenzwerte einzuhalten. Niedrig beheizte Gebäudezonen oder Gebäude sind von diesen Änderungen nicht betroffen.

Bestandsgebäude

Für Bestandsgebäude gelten diese Änderungen nicht. Auch bei Erweiterungen Bei Erweiterungen von Gebäuden sind zwar die jeweiligen Anforderungen der EnEV zu beachten, die für den Neubaubereich geltenden Verschärfungen greifen für diese Gebäude nicht!

Änderungen des Primärenergiefaktors

Der Primärenergiefaktor von Strom wird ab 01. Januar 2016 auf 1,8 gesenkt.

Grund ist der gestiegene Anteil an aus erneuerbaren Energien erzeugtem Strom innerhalb des Strom-Mixes.

Autor: Wilfriede Renate Schamoni (Dipl.-Ing. Architektin)

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen