Fachbeitrag | Baupreise
16.12.2014

Eine Herausforderung: Baukosten und EnEV 2014 gleichzeitig im Griff haben!

Die Anforderungen an moderne Häuser sind mit den Jahren enorm gestiegen. Neben der Nutzbarkeit, dem Komfort, der Ausstattung und der Gestaltung spielt vor allem der Energieverbrauch eine entscheidende Rolle. Zu welchen Kosten kann man so ein Gebäude realisieren?

Baukosten EnEV© GuidoVrola /​ iStock /​ Thinkstock

Aufgabe des Architekten und Planers ist es, das ideale Gebäude nach diesen Vorgaben zu planen und den finanziellen Rahmen des Bauherrn einzuhalten.

Sichere Kostenschätzung mit energetischer Vorplanung

Eine rasche und sichere Kostenschätzung z. B. nach Elementmethode oder idealerweise auf Basis eines Gebäudekatalogs mit ausgewählten Typgebäuden in unterschiedlichen Bauweisen und Ausführungen, und dazu noch individuell anpassbar und variierbar, wäre ideal.

Neben dem Ausstattungsstandard ist auch die energetische Qualität des Gebäudes ein entscheidender Kostenfaktor. Die Kostenschätzung wird sicherer, wenn alle energiebedarfsrelevanten Parameter bereits im frühen Planungsstadium festgelegt und ihre Kosten vollständig erfasst werden. Damit wäre durch die Kostenschätzung auch zusätzlich das energetische Konzept für das Gebäude festgelegt.

Energetische Qualität der thermischen Gebäudehülle

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch die thermische Gebäudehülle eines Hauses, welche die beheizten von den nicht beheizten Bereichen und gegen das Außenklima abgrenzt. Sie besteht aus den Bauteilen Bodenplatte, Außenwände, Türen, Fenster, Dächer, Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen und Innenwände gegen unbeheizte Räume.

Um die energetische Qualität zu beschreiben, ist es erforderlich den Transmissionswärmeverlust H’T zu ermitteln. Dieser errechnet sich aus der Summe der U-Werte aller Bauteile der thermischen Gebäudehülle entsprechend ihren Flächenanteilen.

Entsprechend wird festgelegt, welche energetische Qualität durch die Gebäudehülle erreichen wird.

Gruppierung nach drei verschiedenen Qualitäten:

  • EnEV 2014, Stand 01.05.2014
  • EnEV 2014, erhöhte Anforderungen um ca. 25 %, vorgeschrieben ab 01.01.2016
  • EnEV 2014, ab 01.01.2016, H‘T nochmals um ca. 20 % unterschritten (heutige EnEV – 45 %)

Je nach Gebäudetyp und Bauweise kann es vorkommen, dass sich ohne Mehrkosten eine höherwertige Gebäudehülle ergibt. Aufgrund ihres Außenwandaufbaus sind z.B. Häuser in Holzrahmenbauweise bereits so energiesparend, dass ein geringerer Primärenergiebedarf nur durch effizientere Anlagenkomponenten erreicht wird. Das bedeutet, dass man für die Steigerung vom heutigen Niveau der EnEV 2014 auf das höhere Niveau ab 01.01.2016 nicht zwingend Mehrkosten in die thermische Gebäudehülle investieren muss. Erst für den Sprung auf das Niveau der heutigen EnEV – 45 % fallen höhere Dämmstoffqualitäten mit Mehrkosten an.

Auswahl der Anlagentechnik

In einem weiteren Planungsschritt müssen die Komponenten der Anlagentechnik für Bedarfsdeckung und -senkung festgelegt werden. Je nach zur Verfügung stehendem Energieträger bzw. den Präferenzen des Eigentümers wird entschieden.

Aus EnEV, EEWärmeG und EEG folgen wichtige Vorgaben, die berücksichtigt werden müssen sind. Fällt die Wahl z.B. für einen Gas- oder Öl-Brennwertkessel, besteht z. B. die Option einer Solarthermie-Anlage zur Bedarfssenkung. Solarthermie ist eine Möglichkeit, um einen Teil der Energie aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, wie es das EEWärmeG fordert.

Auch Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung stehen zur Auswahl. In der EnEV sind solche Anlagen nicht vorgeschrieben. Sie gewinnen jedoch immer mehr an Bedeutung, da die notwendigen Luftwechselraten für moderne, gedämmte, dichte Gebäude vom Nutzer in der Praxis oft nicht realisiert werden können. Fehlt die Entlüftung der im Durchschnitt anfallenden 10–25 Liter Wasser in einer Wohnung, können Schimmelschäden die Folge sein. Auch um diesem negativen Effekt vorzubeugen, empfiehlt es sich, eine raumlufttechnische Anlage einzuplanen. So wird die Qualität der Raumluft nutzerunabhängig sichergestellt. Raumlufttechnische Anlagen mit Wärmerückgewinnung werden eingesetzt, um Lüftungswärmeverluste zu senken. Bei unsachgemäßer Entlüftung können diese 50–65 % vom Gesamtwärmeverlust betragen.

Als weitere bedarfssenkende Maßnahme kann eine Photovoltaikanlage wählen. So kann z. B. der daraus erzeugte Strom als gemittelter Prozentsatz vom Endenergiebedarf abgezogen werden. Dabei gilt die Vorgabe des § 5 EnEV. Diese sieht die unmittelbare Eigennutzung nach Erzeugung oder nach vorübergehender Speicherung des Stroms vor, und nur die überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist. Einspeisevergütungen sind im EEG geregelt.

 

Bild: © GuidoVrola/iStock/Thinkstock

Autor: Falk Buhse

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen