29.05.2018

Temperatur am Arbeitsplatz: Gesetzliche Regelung und Schutzmaßnahmen

Immer wieder kann es vorkommen, dass die zulässige Temperatur am Arbeitsplatz überschritten wird. Doch der Gesetzgeber regelt diese besondere Situation. Insbesondere in der ArbStättV sind technische und organisatorische Maßnahmen festgelegt, um Menschen das Arbeiten auch bei extrem heißen Temperaturen zu ermöglichen. Dabei ist aber auch vernünftiges und richtiges Verhalten von Mitarbeitern und Vorgesetzten gefragt.

Hitze Büro

Die Arbeitsstättenverordnung legt mit ihren Arbeitsstättenregeln, allen voran der ASR A3.5 Raumtemperatur, Vorgaben für die Temperatur am Arbeitsplatz fest. In den Sommermonaten wird die zulässige Temperatur am Arbeitsplatz aber häufig überschritten. Überhöhte Raumtemperatur in Büros und Werkhallen führt unter anderem zu

  • sinkender Arbeitsleistung
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwächen
  • vermehrter Schweißabgabe
  • gesundheitlichen Problemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Raumtemperatur richtig messen

Die Lufttemperatur wird mit einem strahlungsgeschützten Thermometer in Grad Celsius gemessen, und zwar an einer Stelle, die nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Der maximal zulässige Wert für Messabweichungen beträgt dabei +/–0,5 °C. Diese Messungen sind regelmäßig (stündlich) während der Arbeitszeit vorzunehmen, da sich die Lufttemperaturen im Laufe des Tages ändern.

Auch die Höhe ist bei der Messung entscheidend (warme Luft steigt nach oben), sie beträgt

  • an Arbeitsplätzen für sitzende Tätigkeit 0,6 m,
  • bei stehender Tätigkeit 1,1 m über dem Fußboden.

Die Außenlufttemperatur sollte in einer Höhe von 2 m gemessen werden, mit einem Abstand von 4 m zur Gebäudeaußenwand.

Gesetzliche Regelungen für die Raumtemperatur

Welche Werte aber sollte die Lufttemperatur in Arbeitsräumen aufweisen? Hier enthält die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 klare Vorgaben für die Mindestwerte. In einem Stufenmodell, das Arbeitsschwere und Körperhaltung berücksichtigt, definiert die ASR A3.5 die Lufttemperatur, die während der gesamten Arbeitszeit zu gewährleisten ist (siehe Tabelle 1).

Tab. 1: Mindestwerte der Lufttemperatur in Arbeitsräumen

Überwiegende Körperhaltung

Arbeitsschwere

leicht mittel schwer
Sitzen +20 °C +19 °C
Stehen und Gehen +19 °C +17 °C +12 °C

26 Grad sind die Grenze

Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 trifft die Aussage, dass in Arbeitsräumen die Lufttemperatur +26 °C nicht überschreiten soll, was Sommer wie Winter gilt. Damit wird bei der Regelsetzung der Fall angesprochen, dass insbesondere eine Überhitzung der Arbeitsräume durch Maschinen oder Heizungs- und Beleuchtungsanlagen vermieden werden soll.

Ab einer Raumtemperatur von 26 Grad ist bereits mit negativen Folgen wie Konzentrationsmangel und Leistungsabfall zu rechnen. Während diese Temperatur etwa bei Entspannung im Sommerurlaub als angenehm empfunden wird – für viele Menschen ist es dann sogar der optimale Wohlfühlwert –, sieht es am Arbeitsplatz ganz anders aus.

Ab 35 °C spricht man von Hitzearbeit

Als Obergrenze können ca. 35 °C Lufttemperatur angesehen werden, ab hier wird es für den Körper schwierig, seine Kerntemperatur auf die nötigen 37 °C konstant zu halten. Die Unfallgefahr steigt dann ebenso wie die Zahl der Hitzeopfer. Deswegen sind Räume, die diesen Wert überschreiten, als Arbeitsräume ungeeignet, außer es werden ganz spezielle Schutzmaßnahmen wie bei Hitzearbeit ergriffen.

Arbeitsschwere berücksichtigen

Der Grad der Arbeitsschwere lässt sich anhand dieser Einteilung mit einigen Beispielen ermitteln:

  • leicht: leichte Hand-/Armarbeit bei ruhigem Sitzen oder Stehen, verbunden mit gelegentlichem Gehen (z.B. Bürotätigkeiten)
  • mittel: mittelschwere Hand-/Arm- oder Beinarbeit im Sitzen, Gehen oder Stehen
  • schwer: schwere Hand-/Arm-, Bein- und Rumpfarbeit im Gehen oder Stehen

Temperaturen in anderen Räumen

Die ASR 3.5 enthält auch Vorgaben für

Hier muss die Lufttemperatur während der Nutzungsdauer mindestens +21 °C betragen. In Toilettenräumen darf sie nach dem Lüften kurzzeitig unterschritten werden. Ausnahmen gelten beispielsweise für stationäre Toilettenanlagen bei Arbeiten im Freien oder Waschräume, in denen Duschen installiert sind.

TOP-Maßnahmen bei abweichenden Werten

Gemäß der Prioritäten des TOP-Prinzips im Arbeitsschutz haben technische Schutzmaßnahmen auch beim Raumklima Vorrang. Arbeitgeber müssen also zunächst alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen (lassen), um die in Tabelle 1 aufgelisteten Mindestwerte bei der Temperatur zu erreichen. Zu den technischen Maßnahmen zählt z.B. auch das Aufstellen von Wärmestrahlern, wenn es zu kühl oder kalt ist.

Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, sind – in dieser Reihenfolge – organisatorische Maßnahmen (z.B. Aufwärmzeiten bei Kälte oder häufigere Pausen bei Hitze) sowie personenbezogene Maßnahmen (z.B. geeignete Kleidung, PSA) zu ergreifen.

Weitere Technische Regeln

Zu beachten sind in diesem Zusammenhang auch

  • die ASR A3.6 „Lüftung” für die Klimafaktoren Luftgeschwindigkeit (Zugluft) und Luftfeuchtigkeit sowie
  • die ASR A1.5/1,2 „Fußböden” für die Fußbodentemperaturen.

Technische Schutzmaßnahmen

Zu den möglichen technischen Schutzmaßnahmen zählen – je nach Arbeitssituation – z.B.:

  • Luftführung: natürliche Lüftung oder lüftungstechnische Anlagen (Ventilatoren, Luftduschen)
  • Luftkühlung: In räumlich eng umgrenzten Bereichen wie Steuerständen oder Krankabinen sollte die zugeführte Luft gekühlt werden. Dabei sollte die Temperaturdifferenz zwischen dem gekühlten Raum und der Umgebung 4 bis 6 °C nicht übersteigen
  • Klimatisierung: Die Klimatisierung von Arbeitsplätzen und -bereichen ist anzustreben.
  • Schutz vor Wärmestrahlung: z.B. durch Anlagenkapselung, Schutzgläser, Drahtgewebe, Hitzeschutzschirme, Kettenvorhänge
  • Gebäudegestaltung: erhebliche Abschirmung der Sonnenstrahlung durch Dachüberstände, Auskragungen, Jalousien, absorbierendes oder reflektierendes Fensterglas

Wirkung starker Sonneneinstrahlung

Bei Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände kann die Raumtemperatur rasch den am Arbeitsplatz maximal zulässigen Wert von +26 °C übersteigen. Daher sind diese Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen auszurüsten. Diese tragen auch dazu bei, störende direkte Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz zu vermeiden.

Welche gestalterischen Maßnahmen hierbei ergriffen werden können, ist ebenfalls in der ASR 3.5 aufgeführt (dort in Tabelle 3). Dabei sind die Ausrichtung der Arbeitsräume und die jeweiligen Anteile an Fensterflächen zu berücksichtigen.

Gestaltungsbeispiele für Sonnenschutzsysteme sind demnach:

  • Sonnenschutzvorrichtungen, die das Fenster von außen beschatten (z.B. Jalousien oder hinterlüftete Markisen)
  • im Zwischenraum der Verglasung angeordnete reflektierende Vorrichtungen
  • innenliegende hochreflektierende oder helle Sonnenschutzvorrichtungen
  • Sonnenschutzverglasungen (innerhalb eines Sonnenschutzsystems, Blendschutz und Lichtfarbe sind zu beachten)
  • Vordächer, Balkone, feststehende Lamellen oder Bepflanzungen

Zusätzliche Maßnahmen bei mehr als 26 °C

Liegt die Lufttemperatur trotz geeigneter Sonnenschutzmaßnahmen bei über +26 °C, sind zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Beispiele hierfür sind (laut Tabelle 4 der ASR A3.5.):

  • effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z.B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten)
  • effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z.B. Nachtauskühlung)
  • Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z.B. elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben)
  • Lüftung in den frühen Morgenstunden
  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung
  • Lockerung der Bekleidungsregelungen
  • Bereitstellung geeigneter Getränke (z.B. Trinkwasser, ungesüßter Kräutertee)

Maßnahmen bei extremer Hitze ab 35 °C

Wenn in Arbeitsräumen gesundheitlich vorbelastete und besonders schutzbedürftige Beschäftigte (z.B. Jugendliche, Ältere, Schwangere, stillende Mütter) tätig sind und die Raumtemperatur +26 °C übersteigt, ist im Rahmen einer angepassten Gefährdungsbeurteilung über die Möglichkeiten zu entscheiden. Dies gilt auch, wenn schwere körperliche Arbeit zu verrichten oder besondere Arbeits- oder Schutzbekleidung zu tragen ist.

Ein weiterer Grenzwert liegt bei 35 °C. Räume, die diesen Wert überschreiten, sind als Arbeitsräume ungeeignet. Tätigkeiten sind dort nur zulässig, wenn dabei Schutzmaßnahmen wie bei Hitzearbeit getroffen werden.

Die Beschäftigten einbeziehen

Per Unterweisung erfahren die Beschäftigten, inwieweit sie selbst zu Lösungen beitragen können. Zu den möglichen Inhalten zählen je nach Situation

  • die effektive Steuerung von Lichtschutzeinrichtungen
  • richtiges Lüften,
  • der Einfluss von EDV-Geräten durch etwa Wärmebelastung und trockene Luft und
  • persönliche Schutzmaßnahmen bei Sommerhitze (z.B. geeignete Getränke und Kleidung, Nutzung von Gleitzeitregelungen).

Dehydration vorbeugen

In der Hektik des Arbeitstags wird es gern mal vergessen, dabei ist es gerade bei Hitze unerlässlich, ausreichend – und mehr als bei gemäßigten Temperaturen – zu trinken. Arbeitgeber bzw. Vorgesetzte oder Sicherheitsverantwortliche sollten ihre Beschäftigten darauf hinweisen und im Idealfall geeignete Getränke bereitstellen. Solche Getränke sind wichtig, um den Wasser- und Salzverlust auszugleichen, der bei Hitze durch Schwitzen eintritt. Auf diese Weise lässt sich z.B. einer Hitzeerschöpfung vorbeugen.

Normalerweise benötigt ein Erwachsener mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, bei Hitzebelastung deutlich mehr. Geeignete Getränke sind Trink- und Mineralwasser (möglichst ohne Kohlensäure) sowie ungesüßter Kräutertee. Sehr kalte Getränke sollten vermieden oder nur in geringen Mengen konsumiert werden. Vergleichbares gilt für Koffein und Alkohol. Diese Substanzen entziehen dem Körper Flüssigkeit und verstärken damit den unerwünschten Effekt der Dehydration noch.

Isolationswirkung der Bekleidung

Bei hohen Lufttemperaturen ist es förderlich, luftdurchlässige („atmungsaktive”) Kleidung zu tragen. Der Wärmeaustausch zwischen Haut und Umgebung ist abhängig von der Isolationswirkung der Bekleidung. Luftundurchlässige Stoffe hemmen diesen Austausch. So sollte auch in Betrieben, in denen der Dresscode etwa das Tragen von Blazern oder Krawatten vorschreibt, bei Hitze über Alternativen nachgedacht werden. Schon die Wahl der Stoffe oder das Tragen von offeneren Schuhen kann Erleichterung verschaffen.

Wärmebelastung durch Geräte

In vielen Arbeitsräumen steigt die Wärmebelastung durch EDV-Geräte. Auch weitere Klimafaktoren wie Luftfeuchtigkeit und Luftqualität können sich dadurch verschlechtern. Abhilfe schaffen Maßnahmen wie eine Reduzierung der Betriebszeiten (unnötigen Betrieb vermeiden) oder die Verlagerung von Geräten wie z.B. Druckern in abgetrennte Räume. Auch hier gilt es, die Mitarbeiter per Unterweisung zu informieren, damit alle dazu beitragen können. Hierzu sind auch die Vorgaben und Richtlinien der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) zu beachten.

Akklimatisation

Auch eine langsame Gewöhnung an Arbeit bei Hitze (Akklimatisation) kann die Belastung herabsetzen

Publikationen zum Thema

  • DGUV Information 215-510 – Beurteilung des Raumklimas – Tipps für Wirtschaft, Verwaltung und Dienstleistung
  • DGUV Information 215-444 – Sonnenschutz im Büro – Hilfen für die Auswahl von geeigneten Blend- und Wärmeschutzvorrichtungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen
  • DGUV Information 213-002 – Hitzearbeit erkennen – beurteilen – schützen
  • DGUV Information 213-022 – Beurteilung von Hitzearbeit – Tipps für Wirtschaft, Verwaltung, Dienstleistung

 

Autor: WEKA MEDIA Redaktion