20.07.2015

Zulässige Temperatur am Arbeitsplatz – das sind die rechtlichen Vorgaben

Immer wieder kann es vorkommen, dass die zulässige Temperatur am Arbeitsplatz überschritten wird. Doch der Gesetzgeber regelt diese besondere Situation. Insbesondere in der ArbStättV sind technische und organisatorische Maßnahmen festgelegt, um Menschen das Arbeiten auch bei extrem heißen Temperaturen zu ermöglichen. Dabei ist aber auch vernünftiges und richtiges Verhalten von Mitarbeitern und Vorgesetzten gefragt.

Die ASR A3.5 trifft unter Punkt 4.2 Absatz 3 die Aussage, dass in Arbeitsräumen die Lufttemperatur +26 °C nicht überschreiten soll, was Sommer wie Winter gilt.

In den Sommermonaten wird die zulässige Temperatur am Arbeitsplatz häufig überschritten. Überhitzte Büros und Werkhallen führen zu sinkender Arbeitsleistung, Müdigkeit, Konzentrationsschwächen, vermehrter Schweißabgabe und auch gesundheitlichen Problemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Als Obergrenze können ca. 35 °C Lufttemperatur angesehen werden, ab hier wird es für den Körper schwierig, seine Kerntemperatur auf die nötigen 37 °C konstant zu halten. Die Unfallgefahr steigt dann ebenso wie die Zahl der Hitzeopfer. Doch allzu hohe Temperaturen am Arbeitsplatz können vermieden werden. Der Gesetzgeber sorgt mit der ArbStättV und entsprechenden Normen dafür, dass Unternehmen baulich-technische, aber auch organisatorische Maßnahmen rechtzeitig treffen bzw. umsetzen.

Allgemeine Grundlagen und Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsysteme

So beinhaltet etwa die DIN EN 13779 Festlegungen für Lüftungs- und Klimaanlagen, um bei akzeptablen Installations- und Betriebskosten ein zu allen Jahreszeiten behagliches und gesundheitlich unbedenkliches Innenraumklima zu erreichen.

Und die DIN EN 15251 enthält u.a. einen adaptiven Ansatz für frei belüftete Gebäude. Es werden Raumtemperaturen genannt, die von einem bestimmten Prozentsatz der Nutzer unter hochsommerlichen Bedingungen noch akzeptiert werden. Voraussetzung ist dabei, dass sie ihr Klima selbst beeinflussen können (z.B. durch Öffnen der Fenster).

Die DIN EN ISO 7730 beinhaltet ein ergonomisch begründetes Verfahren, mit dem das menschliche Wärmeempfinden und der Grad der Unbehaglichkeit vorherbestimmt werden kann, sowie die nötigen Umgebungsklimabedingungen, um thermische Behaglichkeit zu erreichen.

Arbeitsstättenregel ASR A3.5: Hitzefrei ist kein Grundrecht

Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 trifft die Aussage, dass in Arbeitsräumen die Lufttemperatur +26 °C nicht überschreiten soll, was Sommer wie Winter gilt (Punkt 4.2 Absatz 3). Damit wird bei der Regelsetzung der Fall angesprochen, dass insbesondere eine Überhitzung der Arbeitsräume durch Maschinen oder Heizungs- und Beleuchtungsanlagen vermieden werden soll.

Ein Rechtsanspruch auf eine ständige Einhaltung der +26 °C kann aber nicht aus den Regelungen der ASR A3.5 abgeleitet werden. Vom Arbeitgeber zu veranlassende Maßnahmen, wie z.B. Hitzefrei oder zusätzliche Getränke am Arbeitsplatz, sind zwar weiterhin nicht zwingend, jedoch muss er in Abhängigkeit bestimmter Randbedingungen adäquate Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vornehmen. Im Folgenden werden geeignete technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen erläutert.

 

Tipp: Weitere Infos zum Thema Raumtemperatur mit Mustern und Checklisten finden Sie hier und im Downloadbereich.

Sommertaugliche Gebäude helfen, die zulässige Temperatur am Arbeitsplatz einzuhalten

Bereits bei der Suche nach einem neuen Objekt für die Arbeitsstätte sollte auf bestimmte Kriterien geachtet werden. Ziel muss es dabei sein, ein Gebäude zu finden, das bei optimaler Tageslichtversorgung weitgehend vor Überwärmung und Blendung geschützt ist und auch in einem heißen Sommer akzeptable Raumtemperaturen gewährleistet, ohne dass dies mit einem hohen und betriebskostenintensiven Energieverbrauch für Klimaanlagen verbunden ist. Im Einzelfall empfiehlt es sich hierbei, einen Fachmann zurate zu ziehen. Auch gibt der so genannte Energiepass eines Gebäudes Auskunft. Die folgenden Faktoren haben den größten Einfluss:

Wahl des Standorts, Baudichte, Bebauungsplan, Gebäudeausrichtung: Bei allen Überlegungen ist der jahreszeitliche Gang zu beachten. In Innenstadträumen liegen im Sommer die Lufttemperaturen um bis zu 10 °C über denen des Umlands. Eine lockere Bebauung gewährleistet gute Durchlüftung und Tageslichtversorgung. Eine Beschattung durch Nachbargebäude hält den Wärmeeintrag ab, jedoch mindert es auch die Tageslichtversorgung. Ein Baumbewuchs mit möglichst vielen Laubbäumen bewirkt naturgemäß ein angenehmeres Klima.

Beschaffenheit und haustechnische Ausstattung des Gebäudes: Je größer der Verglasungsanteil, desto besser ist die Tageslichtversorgung, jedoch steigt damit auch der Wärmeeintrag. Dunkle Fassadenfarben führen zu einer stärkeren Erwärmung der Außenwände, vorbeistreichende Luft wird mehr erwärmt und kann über offene Fenster ins Gebäude gelangen. Besonders wichtig ist die Art des Sonnenschutzes an den Fenstern. Sehr wirkungsvoll sind z.B. Außenjalousien und hinterlüftete Markisen, wogegen bei innen liegenden Jalousien die Wärmestrahlung in den Raum gelangt. Auch können mobile Klimageräte eingesetzt werden, was aber nur bei kleinen Räumen sinnvoll ist. Geräuschbelästigungen und Zugluft an den Luftauslässen und in der Folge ein „steifer Hals“ oder eine Erkältung sind mögliche unangenehme Begleiterscheinungen.

Organisatorische Maßnahmen bei Sommerhitze

Um es vorwegzunehmen: Ein Patentrezept zum Umgang mit zu hohen Raumtemperaturen gibt es nicht. Die Schaffung von als behaglich empfundenen bzw. akzeptierten raumklimatischen Bedingungen bei hochsommerlichen Außentemperaturen ist nicht nur eine Frage der Raumtemperatur. Die Anpassung der Arbeits-, Arbeitszeit– und Pausenregime ist hierbei die wirkungsvollste Maßnahme.

Dies sollte im Rahmen der technologischen und betriebsbedingten Möglichkeiten erfolgen und an die jeweilige Situation angepasst werden. Schwere körperliche Arbeit sollte in den heißen Stunden vermieden werden. Es kann früher mit der Arbeit begonnen und es können zusätzliche kurze Pausen von ca. zehn Minuten eingelegt werden. Das kann mit einem Aufenthalt oder leichter Tätigkeit in kühleren Bereichen verbunden werden.

Oft werden Gleitzeitregelungen zur individuellen Arbeitszeitverlagerung genutzt. Bestimmte Personengruppen, wie z.B. werdende oder stillende Mütter, Frauen an Steharbeitsplätzen, Menschen mit bestimmten Behinderungen, ältere und gesundheitlich gefährdete Arbeitnehmer, können bei Sommerhitze besonders gefährdet sein. Rücksichtnahme und Unterstützung für diese Menschen sollten selbstverständlich sein.

Persönliche Maßnahmen bei Sommerhitze

Die Beschäftigten können bei Sommerhitze mit einem angepassten Verhalten ihre Leistungsfähigkeit erhalten und auch möglichen Gesundheitsgefahren entgegenwirken. Die Beschäftigten sollten regelmäßig und ausreichend trinken, um eine Dehydratation des Körpers und den Verlust an Salzen zu vermeiden. Ein erwachsener Mensch benötigt normalerweise ca. 2 bis 2,5 Liter Flüssigkeit (bzw. 0,3 l pro 10 kg Körpergewicht) pro Tag. An heißen Tagen sollte nicht eiskalt und nicht zu viel auf einmal getrunken werden, sondern regelmäßig über die Zeit verteilt.

Geeignete Getränke bei Sommerhitze sind nicht zu kaltes Trink- und Mineralwasser, nur leicht gesüßter Kräutertee und Fruchtsaftschorlen. Auf alkoholische Getränke besser ganz verzichten. Gegen Kaffee in geringen Mengen und über den Tag verteilt spricht jedoch nichts. Bei den Mahlzeiten sollten schwere und reichhaltige Portionen vermieden werden, geeignet sind z.B. frisches Obst, Gemüsesalate oder auch Kaltschale.

Eine wirkungsvolle Kühlung des Körpers erreicht man durch Kühlung mit fließendem kalten Wasser oder Auflegen von feuchten Tüchern an den Handgelenken bzw. Unterarmen, Schläfen oder Füßen. Nach Möglichkeit sollte eine „Siesta“ während der heißen Nachmittagsstunden eingelegt werden, d.h. ruhen in einer kühlen schattigen Umgebung.

Kommt es dennoch zu gesundheitlichen Störungen, sollte jeder die Warnzeichen seines Körpers beobachten und ernst nehmen. Erste Anzeichen gesundheitlicher Störungen durch Hitzeeinwirkung sind z.B. allgemeine Schwäche, Schwindel oder Kopfschmerz, erhöhter Puls, Übelkeit bzw. Brechreiz sowie Kribbeln und Verkrampfungen der Gliedmaßen. Betroffene sollten in dieser Situation in Abstimmung mit seinem Vorgesetzten die Arbeit einstellen, überflüssige Bekleidung ablegen, häufig kleine Mengen an Flüssigkeit trinken und möglichst in eine kühlere und schattige Umgebung gebracht werden und dort ruhen. Bei akuten Fällen (Sonnenstich) ist ein Notarzt zu alarmieren. Bis zu dessen Eintreffen ist der Beschäftigte in kühler Umgebung bequem bzw. bei anhaltender Bewusstlosigkeit in stabiler Seitenlage zu lagern und auf Puls und Atmung zu achten.

Vertiefende Informationen zu den gesundheitlichen Wirkungen und zu vorbeugenden Maßnahmen bei Sommerhitze erhält man vom Umweltbundesamt. Und der Deutsche Wetterdienst gibt rechtzeitig Warnungen vor einer drohenden Hitzeperiode.

Autor: WEKA MEDIA Redaktion