Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation 12.01.2015

Zentrale Expositionsdatenbank (ZED) unterstützt Betriebe und Beschäftigte

Arbeitgeber müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und dokumentieren, in welchem Ausmaß Beschäftigte krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sind. Die zentrale Expositionsdatenbank (ZED) ist ein Angebot der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) an Unternehmen, damit diese ihre Verpflichtungen erfüllen können.

Arbeitgeber müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und dokumentieren, in welchem Ausmaß Beschäftigte krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sind.

Krebserkrankungen sind eine Hauptursache von tödlich verlaufenden Berufserkrankungen. So betrug im Jahr 2010 der Anteil der Krebserkrankungen an den Berufskrankheiten mit Todesfolge 55,7 %.

Verursacht wurden diese tödlich verlaufenden Berufskrankheiten zum überwiegenden Teil durch krebserzeugende Gefahrstoffe, wie insbesondere Formaldehyd, Hartholzstaub, Arsen, Nickel, Benzol, Cadmium, Asbest, Chrom, Benzo(a)pyren, Beryllium, Trichchlorethylen oder auch Cobalt. Beschäftigte sind im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit täglich gewissen Risiken ausgesetzt, darunter auch Expositionen durch eben solche krebserzeugende Gefahrstoffe.

Arbeitgeber müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln,

  • in welchem Maße ihre Beschäftigten Expositionen durch krebserzeugende Gefahrstoffe ausgesetzt sind,
  • inwieweit alle Anstrengungen unternommen werden, um auf krebserzeugende Gefahrstoffe am Arbeitsplatz zu verzichten,
  • ob ihre Beschäftigten, die an ihrem Arbeitsplatz mit krebserzeugenden Gefahrstoffen tätig werden, ausreichend geschützt sind,
  • und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Beschäftigten den größtmöglichen Schutz vor krebserzeugenden Gefahrstoffen zu ermöglichen.

Diese Erkenntnisse sind erforderlich, um die Beschäftigten vor krebserzeugenden Gefahrstoffen am Arbeitsplatz umfassend zu schützen.

Tipp: Um die Umsetzung der TRGS 410 zu erleichtern, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) eine Zentrale Expositionsdatenbank (ZED) erstellt. Die Datenbank kann von allen Unternehmen kostenfrei genutzt werden.

Eine Einführung in die Nutzung der ZED geben Prof. Dr. Herbert F. Bender (GCC – Gefahrstoff Consulting Compliance) und Dr. Susanne Zöllner (Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) in unserem Online-Seminar TRGS 410: So kommen Sie Ihrer Pflicht zur Führung des Expositionsverzeichnisses nach.

Das Seminar ist exklusiv für Abonnenten des Arbeitsschutz-Profi AKTUELL. Sie können aber hier kostenlos und unverbindlich ein Probeheft bestellen und volle 14 Tage alle Online-Seminare, Downloads und Ausgaben testen.

Gesetzliche Grundlagen

Die Gefahrstoffverordnung enthält im § 14 die Verpflichtung, dass der Arbeitgeber ein Verzeichnis über die gegenüber krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Stoffen exponierten Beschäftigten zu führen hat. Es muss Angaben zur Höhe und Dauer der Exposition enthalten und 40 Jahre aufbewahrt werden.

Beschäftigten sind beim Ausscheiden aus dem Betrieb die sie betreffenden Auszüge aus dem Verzeichnis auszuhändigen. Diese Bestimmung hat ihren Ursprung in der EU-Krebs-Richtlinie 2004/37/EG.

Der Gesetzgeber hat in der Gefahrstoffverordnung weiterhin bestimmt, dass der Arbeitgeber diese Datenspeicherung mit Ihrer Zustimmung auf den zuständigen Unfallversicherungsträger übertragen kann. Die Voraussetzungen der Übermittlungsbefugnis der Arbeitgeber an die ZED sind in § 14 Abs. 4 der Gefahrstoffverordnung bzw. § 5 Abs. 3 der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge geregelt.

Daher hat der Spitzenverband der Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) eine Datenbank zur zentralen Erfassung gegenüber krebserzeugenden Stoffen exponierter Beschäftigter (ZED) eingerichtet.

Die Datenbank zur zentralen Erfassung gegenüber Krebsstoffen exponierter Beschäftigter – Zentrale Expositionsdatenbank (ZED) ist seit März 2015 ein Angebot der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) an Unternehmen, damit diese ihre Verpflichtungen nach der Gefahrstoffverordnung erfüllen können.

Sie ist seit dem 23.3.15 online nutzbar. In der ZED werden Daten über die Exposition von Beschäftigten bei Tätigkeiten mit kanzerogenen, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Stoffen der Kategorien 1A und 1 B gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung) erfasst.

Unternehmen können ihre Daten über ein Internetportal in die Zentrale Expositionsdatenbank übertragen und dort verwalten.

Die Daten werden in dieser Datenbank von der DGUV treuhänderisch verwahrt. Der Zugriff auf die Daten ist in folgendem Umfang möglich:

  • für Unternehmen auf die von ihnen übermittelten Daten,
  • für Träger der gesetzlichen Unfallversicherung im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben, insbesondere bei Vorliegen von Berufskrankheiten-Verdachtsanzeigen,
  • für Beschäftigte (auf Anfrage) über die sie persönlich betreffenden Daten.

Sie können die Daten auch schriftlich erhalten, womit die Pflicht des Unternehmens, die Daten dem Beschäftigten beim Ausscheiden auszuhändigen, erfüllt ist.

Damit stehen die Daten zur Verfügung – ganz unabhängig davon, ob ein Betrieb noch existiert oder die Beschäftigten die Unterlagen selbst noch verfügbar haben. Die Datenbank übernimmt die Archivierungsverpflichtung der Unternehmen von 40 Jahren nach Ausscheiden der Beschäftigten.

Die Daten stehen unter strenger Zweckbindung und unterliegen dem Sozialgeheimnis. Eine Übermittlung an Dritte ist daher nur aufgrund gesetzlicher Vorschriften möglich (z. B. gesetzliche Auskunftsansprüche nach dem Umweltinformationsgesetz).

Die Zentrale Expositionsdatenbank als Hilfsmittel zur Beweissicherung

Auf Wunsch des Unternehmens können die in der ZED gemeldeten Daten auch für das Angebot nachgehender Vorsorge durch den Organisationsdienst für nachgehende Untersuchungen bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (ODIN) genutzt werden.

Dieser Nutzung muss der Beschäftigte zustimmen. So muss das Unternehmen die ausdrückliche Einwilligung des Beschäftigten schriftlich einholen. Dann entfällt eine gesonderte Meldung an ODIN.

Die Meldung der Daten an die ZED ist für die Unternehmen freiwillig. Vor der erstmaligen Speicherung ihrer Daten in der ZED ist die Zustimmung der Beschäftigten erforderlich. Eine historische und retrospektive Aufarbeitung der Daten in den Unternehmen gemäß § 14 Gefahrstoffverordnung ist dann nicht mehr erforderlich.

Die Unternehmen können ihre Teilnahme an der ZED jederzeit beenden. Die zu diesem Zeitpunkt bereits erfassten Daten verbleiben in der ZED.

Unternehmen können sich zunächst mit der Testversion einen Eindruck über die Bedienung der Zentralen Expositionsdatenbank (ZED) und die Datenerfassung verschaffen. Dazu sollen in die Testversion nur fiktive Daten eingetragen werden.

Mit der Nutzung der ZED haben Unternehmen ihre Verpflichtung, ein Verzeichnis für diejenigen Beschäftigten zu führen, die durch krebserzeugende und mutagene Gefahrstoffe gefährdet sind, erfüllt und die langfristige Beweissicherung für mögliche künftige Berufskrankheiten sichergestellt.
Weitere Informationen zur Zentralen Expositionsdatenbank (ZED)…

Autor: Stefan Johannsen