Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Wohlfühlen im Büro – so klappts

Rund ein Drittel des Tages verbringen wir am Arbeitsplatz. Nicht nur deshalb ist es wichtig, dass wir uns im Büro auch wohlfühlen. Zudem haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen, die sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, produktiver sind.

© Fuse /​ Thinkstock

Wohlfühlen am Arbeitsplatz: zwei unterschiedliche Ansätze

In Anbetracht des demografischen Wandels müssen Arbeitgeber heute mehr denn je darauf achten, ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten, um Fachkräfte anzuziehen und zu binden. Dazu gehört auch, dass sich die Mitarbeiter am Arbeitsplatz wohlfühlen.

Doch dazu, wie man dies am besten erreicht, gibt es zwei gegensätzliche Standpunkte: Die Clean-Desk-Policy ist für Einfachheit und Reduktion, offene Bürolandschaften lassen dagegen viel Platz für Individualität.

Clean-Desk-Policy: Wohlfühlen durch Einfachheit

Die Clean-Desk-Policy setzt ganz wörtlich auf einen „leeren Schreibtisch“. Hier stehen Reduktion, Transparenz und Einfachheit im Vordergrund. Private Dinge haben nach dieser Auffassung am Arbeitsplatz nichts verloren, damit die Mitarbeiter möglichst nicht von ihrer Aufgabe abgelenkt werden.

Der Ursprung der Clean-Desk-Policy liegt im Lean Management, das wiederum aus der Automobilindustrie stammt. Hier sind alle Arbeitsschritte optimal aufeinander abgestimmt, alles Überflüssige wird eliminiert. Für ein Büro bedeutet die Clean-Desk-Policy: Mitarbeiter besitzen oft nur einen Laptop und arbeiten an dem Arbeitsplatz, der gerade frei ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Unternehmen spart Platz, denn Arbeitsplätze von Mitarbeitern, die krank, auf Geschäftsreise oder im Urlaub sind, sind nicht verwaist – und das spart wiederum Geld.

Im Büro: Wohlfühlen durch Individualität am Arbeitsplatz

Andere Unternehmen halten ihre Arbeitsplätze bunt und individuell. Hier hat jeder Mitarbeiter seinen eigenen Arbeitsplatz, den er nach seinen Wünschen gestalten kann. Dies können entweder traditionelle Einzel- oder Zweierbüros sein, in denen Platz für Pflanzen, Familienfotos oder andere persönliche Gegenstände ist, oder auch offene Bürolandschaften.

Auch hier haben die Mitarbeiter meist ihren festen Arbeitsplatz, dem sie eine persönliche Note verleihen können, sitzen jedoch häufig in größeren Gruppen zusammen. Zudem gibt es Konferenzräume, Telefonzimmer oder andere Rückzugsmöglichkeiten, wenn der Einzelne einmal nicht gestört werden möchte. Hintergrund für diesen Ansatz ist die Theorie, dass Menschen in chaotischen Umgebungen klarer denken können. Da das Durcheinander um sie herum die Mitarbeiter zwingt zu fokussieren, gelangen sie häufig zu kreativeren Problemlösungen.

Mehr als Wohlfühlen: Offene Strukturen fördern Kommunikation

Offene Bürolandschaften fördern nicht nur Kreativität und Produktivität, sondern auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander. Damit ist nicht etwa Klatsch und Tratsch gemeint, sondern der Austausch über berufliche Dinge. So fand das Massachusetts Institute of Technology (MIT) heraus, dass 85 Prozent aller Ideen durch ungeplante Kommunikation der Mitarbeiter entstehen. Dieses Potenzial sollte sich doch wirklich niemand entgehen lassen!

Rückzugsmöglichkeiten im Büro fördern das Wohlbefinden

Ebenso wichtig wie der Austausch mit Kollegen sind jedoch auch Rückzugsmöglichkeiten. Diese können zum Beispiel nötig werden, wenn ein Mitarbeiter unter Zeitdruck eine Aufgabe erledigen oder sich besonders konzentrieren muss. Auch für vertrauliche Telefonate oder Vier-Augen-Gespräche wie zum Beispiel Mitarbeiter- oder Vorstellungsgespräche muss es abgetrennte Räume geben. Oder vielleicht möchte jemand auch einmal ganz einfach seine Ruhe haben…

Für mehr Wohlfühlen im Büro: Mitspracherecht bei der Arbeitsplatzgestaltung

Die beiden Ansätze zur Arbeitsplatzgestaltung berücksichtigen jedoch nicht, dass Menschen verschieden sind und unterschiedliche Voraussetzungen brauchen, um sich wohlzufühlen. Der eine blüht im kreativen Chaos auf, die andere braucht absolute Ruhe, um Höchstleistungen zu erbringen.

Wichtig ist daher immer, dass die Mitarbeiter bei der Gestaltung der Arbeitsplätze mitsprechen dürfen. So kann das Unternehmen zum Beispiel einheitliches Mobiliar zur Verfügung stellen, die einzelnen Mitarbeiter dann aber mitentscheiden lassen, wenn es um Pflanzen oder Bilder geht.

Am wichtigsten fürs Wohlfühlen im Büro: das Arbeitsklima

All diese Faktoren nützen jedoch gar nichts, wenn das Betriebsklima nicht stimmt. Ein Büro kann noch so komfortabel, noch so schön eingerichtet sein: Wenn zwischen den Kollegen Unstimmigkeiten herrschen und Mobbing oder Angst den Arbeitsalltag bestimmen, kann sich niemand im Büro wohlfühlen.

Am meisten tragen daher die Stimmung unter den Kollegen, die Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Schutz der Mitarbeiter vor Stress, Lärm, Hitze oder Kälte zum Wohlfühlen am Arbeitsplatz bei. Auch eine gerechte Bezahlung, Entwicklungschancen und das Gefühl, bei wichtigen Entscheidungen mitwirken zu können, tragen zu einem positiven Arbeitsklima bei.

Autor: Birgit Adam

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