12.01.2015

Windenergieanlagen – Gefährdungen bei Errichtung, Betrieb und Instandhaltung

Rund 25.000 Windenergieanlagen stehen inzwischen in Deutschland. Neben einer angemessenen Gefährdungsbeurteilung für Windenergieanlagen wird besonderer Wert auf Wartung und Inspektion gelegt.

In Deutschland stehen insgesamt 24.867 Windenergieanlagen (Stand Ende 2014) on- oder offshore, Tendenz steigend. Die übliche Betriebszeit einer Windenergieanlage beträgt 20 Jahre, sie kann aber auch zwischenzeitlich aufgerüstet oder abgebaut werden (Repowering).

Wesentliche Funktionseinheiten einer Windenergieanlage sind der Rotor (Nabe und Rotorblätter) sowie die Gondel (Maschinenhaus ggf. mit Wartungsplattform), in der sich der Generator zur Stromerzeugung befindet, und der Turm. Neben einer angemessenen Gefährdungsbeurteilung für Windenergieanlagen (§§ 5, 6 ArbschG i.V.m. § 3 Betriebssicherheitsverordnung, § 6 GefStoffV, § 3 ArbStättV) wird besonderer Wert auf Wartung und Inspektion gelegt, Zeitintervalle entsprechend Betriebssicherheitsverordnung in der Regel zweimal pro Jahr, bei störanfälligeren elektronischen Baugruppen, Sensoren und Hydraulikanlage eher häufiger. Betriebsfertige Windenergieanlagen sind maschinentechnische Anlagen nach der Maschinenrichtlinie 2000/42/EG.

Von besonderer Wichtigkeit mit Blick auf die Ausführung der Tätigkeiten sind

  • eindeutige Organisationsstrukturen
  • geeignete Schutzmaßnahmen, u.a. arbeitsmedizinische Vorsorge (G41, G20)
  • Absturzsicherungen entsprechend ASR A 2.1
  • regelmäßige Unterweisungen mit praktischen Übungsanteilen

Grundlegende Gefährdungen bei Windenergieanlagen

Mechanische Gefährdungen bei Windenergieanlagen durch ungeschützte Maschinenteile, scharfe Kanten, Fahrkörbe, Rutschen und Stolpergefahren. Diese können Quetschungen und Verstauchungen zur Folge haben. Eine Minderung der Gefährdungen wird durch mechanische Sicherungen und konsequente Unterweisung erreicht.

Elektrische Gefährdungen bei Windenergieanlagen sind an sämtlichen elektrischen Bauteilen wie Generator, Kontaktstellen oder Leitungen zu erwarten. Arbeiten sind immer unter Aufsicht einer Elektrofachkraft oder einer befähigten Person durchzuführen. Für alle Schaltanlagen vollständigen, mindestens teilweisen Berührungsschutz sicherstellen.

Gefahrstoffe bei Windenergieanlagen

Durch die Verwendung von Epoxidharzen, Aushärter, Reinigungsmittel oder Fiberglas-Stäube, Farben, Fette, Kleber, Korrosionsschutzmittel, Lösungsmittel, Hydrauliköl, Batteriesäure entstehen Gefährdungen. Dabei sind reachkonforme Sicherheitsdatenblätter sowie individuell geeignete und dafür vorgesehene Persönliche Schutzausrüstungen vorzuhalten und arbeitsmedizinische Vorsorge aktiv regelmäßig anzubieten.

Spezielle Gefährdungen bei Windenergieanlagen

Beim Aufbau, Betrieb, Instandhaltung und Demontage stehen baustellenbezogene Gefährdungen für die Beschäftigten im Vordergrund. Nach DIN 31051 beinhaltet die Instandhaltung die Bereiche Wartung, Inspektion, Instandsetzung, Verbesserung. Dabei treten u.a. folgende Gefährdungen auf:

  • Arbeiten in Höhen bis zu 160 m
  • Arbeiten an elektrischen Anlagen
  • Arbeiten in engen Räumen
  • Arbeiten mit Gefahrstoffen
  • Physische und psychische Belastungen

Grundlegende Arbeitsschutzmaßnahmen bei Errichtung, Betrieb, Instandhaltung von Windenergieanlagen:

  • Baustelle, sofern erforderlich, vorher ankündigen (§ 2 BaustellV)
  • Eignungsuntersuchungen vorsehen (G41, G25)
  • Unterweisungen anhand arbeitsplatzbezogener Betriebsanweisungen umsetzen und dokumentieren
  • Aufgaben und Weisungsbefugnisse aller Beteiligten schriftlich festlegen
  • bei mehreren tätigen Gewerken ist bauherrnseitig einen weisungsbefugten SigeKo zu bestellen, der einen Sicherheits- und Gesundheitsplan erstellt.
  • erforderliche PSA  (Helm, S3 Sicherheitsschuhe, geprüfte und mängelfreie PSAgA, Gurte, Hebemittel, Rettungsgeräte) und sofern erforderlich Schutzkleidung gegen Wind, Nässe, Kälte Sonne bereitstellen und bestimmungsgemäß benutzen
  • Vorkehrungen zum Schutz gegen herabfallende Gegenstände treffen
  • individuell geeignete und dafür vorgesehene PSA beim Umgang mit Gefahrstoffen einsetzen
  • witterungsbedingtes Störungsmanagement festlegen
  • Alleinarbeit bei erhöhter Gefährdung sowie Instandhaltungsarbeiten vermeiden!
  • Ersthelfer-Ausbildung für alle Monteure
  • mobile Sanitäranlage bereitstellen (vom 15.10 – 30.4 beheizbar, s. ASR A 4.1)

Baustellenbezogene Hinweise für den Unternehmer bei Errichtung oder Demontage

  • Baustelle, sofern erforderlich, vorher ankündigen (§ 2 BaustellV)
  • angemessene Baustellenorganisation sicherstellen: Toiletten, Pausenräume,
  • Alarm- und Rettungsplan der Anlage muss vorhanden sein, Anfahrtswege mit örtlich zuständigen Rettungskräften abgestimmt sein,
  • Erste Hilfe Organisation, Rettungskette, Verbandbuch sicherstellen
  • Für Rettungswege Sicherheitsbeleuchtung vorsehen (andernfalls netzunabhängige Beleuchtung mitführen)
  • nur ausgebildete Kranführer bzw. Anschläger einsetzen
  • Gute Kommunikation zwischen Einweiser/Anschläger und Kranführer herstellen
  • geprüfte Feuerlöscher bereithalten (insbesondere im Maschinenhaus und Mittelspannungsräumen) und geprüfte ergonomisch geeignete Arbeitsmittel einsetzen,
  • Bekanntmachen der Baustellenordnung bei allen Gewerken sowie dokumentierte Unterweisungen
  • Steigschutzsysteme dürfen erst nach Freigabe benutzt werden
  • Zur Instandhaltung ist die Gondel über eine Leiter (geprüft) oder einen Fahrkorb im Turm (geprüft) zu erreichen
  • Die Einhaltung der PSA Pflicht sicherstellen (Helm, S3-Schutzschuhe, PSAgA)
  • Verordnung über die Arbeitszeit bei Offshore-Tätigkeiten einhalten
  • Bei Steigleitern sind in bestimmten Abständen (10 m) Ruhe-/Rettungsbühnen vorzusehen
  • Ungeschützte Maschinenteile abdecken
  • Zutrittsregelungen zu abgeschlossenen elektrischen Betriebsräumen beachten (schaltberechtigte Personen)
  • Brennbare Materialien nur außerhalb des Arbeitsbereiches aufbewahren
  • Nur gekennzeichnete und geprüfte Anschlagpunkte benutzen
  • Nur nach BetrSichV  (§§ 14, 15) geprüfte und mängelfreie Befahr-, Personentransportmittel, Liftanlagen (DIN EN 50308) ergänzend zu Steighilfen einsetzen
  • Mindestabstand zu Mobilfunkantennen von 1 m einhalten
Autor: Stefan Johannsen