17.09.2018

Neue DGUV-Information zu Schutzmaßnahmen beim WIG-Schweißen

Die neue DGUV-Information 209-049 „Umgang mit thoriumoxidhaltigen Wolframelektroden beim Wolfram-Inertgasschweißen (WIG)“ gibt Unternehmen und Schweißern wichtige Hinweise, um die Sicherheit beim WIG-Schweißen zu gewährleisten. Das ist bitter notwendig, denn: Wer das radioaktive Thorium einatmet, schädigt Körper und Gene stärker als durch andere strahlende Stoffe.

WIG-Schweißen

Die DGUV-Information 209-049 (bisher BGI 746) beschreibt notwendige Schutzmaßnahmen, um die Gefährdungen zu minimieren, die beim Umgang mit thoriumoxidhaltigen Wolframelektroden entstehen. Wenn Unternehmen die in der DGUV-Information enthaltenen Empfehlungen beachten, können sie davon ausgehen, die Schutzziele zu erreichen, die in der DGUV Regel 100-500 „Betreiben von Arbeitsmitteln“ (Kap. 2.26 „Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren“) genannt sind.

Warum sind thoriumoxidhaltige Wolframelektroden so gefährlich?

Thorium emittiert im Wesentlichen Alpha-Strahlung, bei seinen Zerfallsprodukten treten zusätzlich noch Beta- und Gamma-Strahlung auf. Bei Einatmen oder Verschlucken weisen alphastrahlende Stoffe eine bedeutend höhere biologische Wirksamkeit auf als beta- und gammastrahlende Stoffe. Die Verwendung von thoriumoxidhaltigen Wolframelektroden kann deshalb beim Schweißen und beim Anschleifen durch die Inhalation von Schweißrauchen oder Schleifstäuben zu einer inneren Strahlenexposition führen. Andererseits bewirkt z. B. das Lagern dieser Elektroden eine äußere Strahlenexposition.

Die innere Strahlenexposition durch das Einatmen von thoriumoxidhaltigen Rauchen und Stäuben ist besonders schädlich, da das so in den Körper gelangte Thorium sich bevorzugt in den Knochen ablagert. Dort kann die Alpha-Strahlung Knochenhaut und Knochenmark schädigen. Die Lunge und die Leber können nach Inhalation von Thoriumoxid ebenfalls eine nennenswerte Strahlenexposition erhalten.

Welches Vorgehen empfiehlt die DGUV-Information beim WIG-Schweißen?

Nach einem Überblick über wichtige Strahlenschutzbegriffe und mögliche Gefährdungen beim WIG-Schweißen kommt die DGUV-Information auf die Expositionsabschätzung zu sprechen. Eine wesentliche Einflussgröße für die Strahlenexposition ist der zeitliche Anteil der Arbeiten, d. h.:

  • Wie oft werden die Elektroden angeschliffen?
  • Wie viele Stunden pro Jahr wird mit den thorierten Elektroden geschweißt?

Auch die Anteile des radioaktiven Thoriumoxids in der Elektrode beeinflussen die Höhe der Exposition bei deren Verwendung. Die Exposition beim Schweißen ist dabei ein Schichtmittelwert, in dem Rüstzeiten enthalten sind.

Mit diesen Angaben kann die geforderte Abschätzung der jährlichen Exposition erfolgen. Maßgebend ist dabei, ob eine Jahresdosis von 6 mSv überschritten wird. Ergibt die Abschätzung eine effektive Jahresdosis oberhalb von 6 mSv, ist die Exposition durch personenbezogene Messungen zu ermitteln.

Einfachste Schutzmaßnahme: Die Substitution der Elektroden. Ist dies aus technischen Gründen nicht möglich, müssen sowohl beim Anschleifen der Elektroden als auch beim Schweißen die Emissionen an der Entstehungsstelle erfasst und mit geeigneten (geprüften) Einrichtungen abgeschieden werden. Gemäß der Gefahrstoffverordnung sind Anwender verpflichtet, die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Erläuterungen hierzu liefert die Technische Regel „Schweißtechnische Arbeiten“ (TRGS 528).

Auch das Verhalten des Schweißers selbst trägt dazu bei, ihn vor einer ernstzunehmenden Gesundheitsgefahr zu schützen. Seine Körperhaltung sollte sowohl beim Schweißen als auch beim Schleifen so sein, dass die freigesetzten Schadstoffe aus dem Atembereich weitgehend ferngehalten werden. Den abgelagerten Staub thoriumoxidhaltiger Wolframelektroden muss er auf sichere Art, z. B. ohne Hautkontakt entsorgen, essen und trinken am Arbeitsplatz sind tabu.

Autor: Sebastian Felz