26.09.2019

Welche Geräte stören Funktionen von Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren?

Können elektromagnetische Felder, die durch Geräte in unserem privaten und beruflichen Alltag entstehen, Herzrhythmusimplantate wie Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren stören? Diese Fragen können Mitarbeiter ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit stellen, wenn sie nach einer Operation an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollen. Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) fasst die aktuelle Studienlage zu dem Thema zusammen.

Herzschrittmacher

Die gute Nachricht gleich vorweg: Die modernen Aggregate von Schrittmachern und Defibrillatoren werden von elektromagnetischen Feldern im Alltag in der Regel nicht beeinträchtigt, sofern sie nach Herstellerempfehlung programmiert sind. Dennoch sollten Patienten, denen diese Geräte implantiert wurden in Deutschland rund 103.000 Personen pro Jahr vorsichtig mit elektrischen Alltagsgeräten umgehen. Bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz muss jeweils im Einzelfall entschieden werden, ob der Betroffene auch weiterhin am  bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann oder ob Einschränkungen erforderlich sind.

Elektromagnetische Felder nehmen ständig zu

Denn die Zahl der elektromagnetischen Felder in unserem beruflichen und privaten Umfeld nimmt immer weiter zu. Interferenzen dieser Felder mit aktiven kardialen Implantaten können unterschiedliche Auswirkungen haben von harmlos bis schmerzhaft.

Möglich ist beispielsweise, dass Herzschrittmacher auf einmal ihren Modus wechseln. Möglich aber auch, dass implantierte Defibrillatoren inadäquate Schocks abgeben.

Bei heutigen Implantaten kommen diese Interferenzen im Vergleich zu früher nur noch sehr selten vor. Je nach Studie und Implantat konnten lediglich 0,3 bis 0,7 Fälle pro 100 Patientenjahre nachgewiesen werden.

Dennoch verunsichern die Gefahren möglicher Wechselwirkungen viele Patienten häufig, einige schränken sich aus Angst in ihrem Alltagsleben unnötig ein. Die folgenden Empfehlungen der DGK und der DGAUM sollen deshalb klar darüber informieren, was nötig ist – und was nicht. Sie basieren auf der aktuellen Datenlage der verfügbaren Studien.

Mobiltelefone

Moderne Mobiltelefone und Smartphones mit Internetfunktion stellen ein nur sehr geringes Interferenzrisiko dar. Ein Sicherheitsabstand von 15 cm zum Implantat, wie er noch vor zehn Jahren empfohlen wurde, ist aufgrund der Telefonie- und Internetfunktion nicht mehr erforderlich. In Studien mit Smartphones trat nur ein einziger Fall auf, in dem Störsignale nachgewiesen wurden, nachdem das Handy direkt auf die Hautstelle gelegt wurde, unter der sich das Implantat befindet. Zu induktiven Ladestationen hingegen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger einen Mindestabstand von 10 cm einhalten.

Unterhaltungselektronik und Kopfhörer

Interferenzen mit MP3-Playern konnten in Studien nicht nachgewiesen werden. Da sie allerdings während der Nachsorgeuntersuchung die Telemetrie zwischen Programmiergerät und Implantat stören können, sollten sie während dieses Zeitraums nicht in Betrieb sein. Die in Kopfhörern oder Lautsprechern verarbeiteten Dauermagnete können Störungen an Herzschrittmachern und Defibrillatoren erzeugen. Daher sollten sie niemals direkt auf der Stelle platziert sein, an der das Gerät implantiert ist.

Diebstahlsicherungen in Geschäften

Die elektronischen Warensicherungssysteme in den Ein- und Ausgangsbereichen von Kaufhäusern sollte jeder, der einen Herzschrittmacher oder Defibrillator in sich hat, zügig passieren. Die größte Interferenzgefahr geht dabei von akkustomagnetischen Diebstahlsicherungen aus. Zu RFID-Scannern sollten Herzschrittmacherträger 60 cm und Defibrillator-Träger 40 cm Abstand einhalten.

Metalldetektoren

Sowohl Torbogenmetalldetektoren als auch handbetriebene Detektoren, wie sie an Flughäfen verwendet werden, stellen der Datenlage zufolge kein Risiko für Implantat-Träger dar.

Reisen/Mobilität

Besonders häufig sorgen Patienten sich, ob sie gefahrlos Hybrid- und Elektrofahrzeuge nutzen können. Hier geben die Experten Entwarnung: Es konnten bei den Autos keine Wechselwirkungen festgestellt werden. Auch für die Reise mit dem Flugzeug oder der Bahn gelten keine ärztlichen Einschränkungen.

Stromleitungen

Korrekt installierte Stromleitungen im Haus gefähren Schrittmacher- und ICD-Träger nicht. Zur Vermeidung von Interferenzen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger in besonderem Maße auf eine korrekte Erdung von elektrischen Geräten achten und defekte Haushaltsgeräte nicht in Betrieb halten. Auch können sie Hochspannungsleitungen oder   Erdkabeln sicher passieren.

Induktionsherde

Zwischen Implantat und Induktionsherd sollte ein Sicherheitsabstand von mindestens 25 cm bestehen. Einem normalen Gebrauch des Herdes steht somit nichts im Wege.

Körperfettwaagen

Grundsätzlich erscheint das Risiko einer Interferenz gering und rechtfertigt eine Einschränkung hinsichtlich Körperfettwaagen nur bedingt. Schrittmacherpatienten ohne einen ausreichenden eigenen Herzrhythmus sowie ICD-Träger sollten aber vorerst von der Verwendung absehen, da die geringe Fallzahl der bisher untersuchten Patienten keine eindeutige Risikoeinschätzung erlaubt.

Gefährdungen am Arbeitsplatz

Bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz muss jeweils im Einzelfall entschieden werden, ob der Beschäftigte auch weiterhin am  bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann oder ob Einschränkungen erforderlich sind. Dies gilt beispielsweise für die Arbeit mit technischem Gerät oder falls der Patient starken Permanentmagneten ausgesetzt ist.

Die Beurteilung des Arbeitsplatzes sollte immer in enger Abstimmung zwischen Arbeitgeber, Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgen.

Was ist mit „modernen“ Implantaten wie rein subkutanen Defibrillatoren?

Keine Empfehlungen können bisher zu neuen Implantaten wie elektrodenfreien Herzschrittmachern oder rein subkutanen Defibrillatoren gegeben werden, da noch keine ausreichenden Daten vorliegen. Grundsätzlich gilt für Patienten, dass ihnen bei allen Fragen und Unsicherheiten die jeweiligen Kardiologen oder Betriebsärzte mit fundierten Ratschlägen gerne und kompetent zur Seite stehen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

Autor: WEKA Redaktion