05.10.2020

Vor der Grippewelle: So erneuern Sie den COVID-19-Infektionsschutz

Jetzt im Herbst tritt zur COVID-19-Infektionsgefahr zusätzlich auch die Gefahr, dass Beschäftigte an einer Grippe erkranken. Zudem werden im Winter immer mehr Tätigkeiten in geschlossenen Räumen stattfinden, was die Infektionsrisiken über Aerosole erhöht. Nehmen Sie diese Situation zum Anlass, den Infektionsschutz einer Rundumprüfung zu unterziehen und zu optimieren.

Mann überwindet Coronavirus

Die meisten Betriebe haben zum Schutz der Beschäftigten längst funktionierende Maßnahmen zum COVID-19-Infektionsschutz etabliert. Nun stehen sie vor einer neuen Herausforderung: Die diesjährige Grippewelle kündigt sich an.

Symptome Grippe und COVID-19: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Das Problem dabei ist, dass sich vor allem die Frühsymptome von Grippe und COVID-19 sehr ähnlich sein können. So zählen sowohl bei Grippe als auch bei COVID-19 trockener Husten und Fieber zu den frühen Symptomen.

Ein eindeutiger Hinweis auf COVID-19 ist jedoch Atemnot – diese findet sich weder bei Grippe noch bei Erkältung. Der deutlichste Unterschied tritt eventuell bei Beginn der Erkrankung zutage: Während man sich bei der Grippe oft innerhalb weniger Stunden sehr krank fühlen kann, beginnen die Symptome von COVID-19 vergleichsweise milde und steigern sich langsam von Tag zu Tag.

Ein weiterer Unterschied ist die Geschwindigkeit der Symptome. So geht die WHO davon aus, dass es bei Influenza von einer Ansteckung zur nächsten ungefähr drei Tage dauert; bei COVID-19 geht man von fünf bis sechs Tagen aus.

Weitere Unterscheidungen zwischen Influenza, COVID-19, Erkältungen und Heuschnupfen finden Sie in unten stehender Tabelle.

Tabelle 1: Die Unterschiede zwischen COVID-19, Erkältung, Grippe und Heuschnupfen – so wahrscheinlich treten die Symptome auf (Quelle: Kassenärztliche Vereinigung)

COVID-19 Erkältung Grippe Heuschnupfen
Fieber häufig selten häufig selten
Müdigkeit manchmal manchmal häufig manchmal
Husten häufig wenig häufig manchmal
Niesen häufig häufig
Gliederschmerzen manchmal häufig häufig
Schnupfen selten häufig manchmal häufig
Halsschmerzen manchmal häufig manchmal selten
Durchfall selten manchmal
Kopfschmerzen manchmal selten häufig selten
Kurzatmigkeit manchmal manchmal

Gleiche Übertragung – (fast) gleiche Schutzmaßnahmen

Grippeviren (Influenzaviren) zirkulieren in Deutschland zwischen Oktober und Mai. Eine erhöhte Influenzaaktivität („Grippewelle“) beginnt meist im Januar und dauert etwa drei bis vier Monate.

Die Übertragung der Erreger erfolgt auf gleichem Weg wie bei COVID-19. Entsprechend sollten auch die gleichen Schutzmaßnahmen gelten. So hilft die Einhaltung der AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, auch erweiterbar durch Lüften) nicht nur gegen die Infektion mit dem Coronavirus, sondern auch gegen Influenza.

Einen wesentlichen Unterschied bei den Schutzmaßnahmen gibt es allerdings: die Impfung. Sie ist derzeit nur gegen die Grippe möglich und sollte, soweit verfügbar und von den Beschäftigten gewünscht, im Betrieb kostenlos angeboten werden.

Luftaustausch in Räumen organisieren

Unterweisen Sie die Beschäftigten darin, wie sie für einen ausreichenden Luftaustausch sorgen können. Dieser soll belastete Aerosole nach außen führen.

Beachten Sie dabei die folgenden Punkte:

  • Bei Fensterlüftung ist eine Querlüftung am wirksamsten, wenn die gegenüberliegenden Fenster auch geöffnet werden.
  • Auch das Öffnen von Fenster und gegenüberliegenden Türen ist möglich, wenn dadurch nicht möglicherweise infektiöse Aerosole in andere Räume verbreitet werden.
  • Wenn eine Querlüftung nicht möglich ist, sollen die Fenster einige Minuten pro Stunde weit geöffnet werden.
  • Wenn anwesende Personen husten und niesen, sollte sofort gelüftet werden.
  • Grundsätzlich genügt es nicht, Fenster zu kippen, selbst wenn dies dauerhaft erfolgt.
  • Wie oft Fenster geöffnet werden müssen, hängt von der Zahl der anwesenden Personen ab. Je mehr Personen, desto öfter muss gelüftet werden. Als Faustregel kann gelten, dass eine Lüftung alle 20 Minuten ausreichend ist.
  • Werden Lüftungsanlagen betrieben, sollte die Umluft auf 0 gefahren werden, es sei denn, die RLT-Anlage verfügt über virenabscheidende Filter. In Besprechungsräumen sollte die RLT-Anlage bereits 15 Minuten vor einem Meeting eingeschaltet werden. In Toilettenräumen sollen sie rund um die Uhr laufen.

Präventiv Infektionsketten unterbrechen

Wenn sich doch in Einzelfällen Beschäftigte anstecken, sollten Sie präventiv dafür sorgen, dass die Infektionsketten möglichst kurz sind. Prüfen Sie z.B., ob Sie Betriebsbereiche verstärkt gegenseitig isolieren können, damit zwischen den jeweils arbeitenden Beschäftigten kein Kontakt stattfindet. Andere Möglichkeiten sind rollierende feste Teams, deren Mitglieder sich niemals begegnen und deshalb auch nicht anstecken können.

Grundsätzlich sollte weiterhin wo immer möglich Homeoffice angeboten werden. Auch wer im Betrieb arbeitet, sollte so weit wie möglich die persönlichen Kontakte zu anderen Beschäftigten vermeiden und mit Telefon oder E-Mail kommunizieren.

Vorräte anlegen und Ressourcen bilden

Da niemand weiß, wie sich die Situation bei Influenza und COVID-19 entwickeln wird, gilt es, heute schon angemessene Vorräte anzulegen. Dazu gehören Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Papierhandtücher, Hygienemasken und Einweghandschuhe.

Grundsätzlich gilt es in jedem Betriebsbereich, Ressourcen zu bilden. Dazu gehören Technologie (z.B. Laptops, um weitere Beschäftigte ins Homeoffice zu schicken), Absperrbänder und Hinweistafeln, aber auch Lagervorräte, um beim Ausfall von Lieferanten weiterhin produzieren bzw. Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können.

Unterweisen und sensibilisieren

Wiederholen Sie die gleichen Unterweisungen, die Sie zu Beginn der ersten Schutzmaßnahmen durchgeführt haben. Nach wie vor geht es nicht nur darum, die Beschäftigten zu schützen. Auch die Existenz des Unternehmens, das durch COVID-19-Erkrankungen zum Schließen gezwungen sein könnte, gilt es zu sichern. Richten Sie auch in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat neue Kontrollen ein und bestimmen Sie Verantwortliche, die für die Einhaltung der Maßnahmen zuständig sind.

In Notfallwissen Infektionsschutz finden Sie Tipps, Vorlagen und Muster für die betriebliche Pandemieplanung

>>> mehr Infos zu „Notfallwissen Infektionsschutz“ finden Sie hier.

Autor: Martin Buttenmüller (Martin Buttenmüller ist Autor und Chefredakteur des Fachmagazins Arbeitsschutz-Profi AKTUELL)