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12.01.2015

Verletzungen richtig kühlen

Eine kleine Unaufmerksamkeit reicht und schon ist es passiert: Die Hand ist eingeklemmt, das Werkzeug auf den Fuß gefallen – oder schlimmeres. Kühlung ist das erste Mittel der Wahl. Doch wissen Sie, wie man Verletzungen richtig kühlt?

© Thinkstock /​ Spike Mafford

Das Kühlen von Verletzungen, die sogenannte Kälteanwendung oder Eistherapie, ist eine physikalische Standardmaßnahme, die auch im häuslichen Bereich einfach und effektiv angewendet werden kann. Die Experten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen (BG Klinik) geben Tipps zum richtigen Vorgehen.

„Das Kühlen mit Eis hat verschiedenste Wirkungen auf das behandelte Gewebe“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der BG Klinik. „Es wirkt lokal abschwellend, lindert Schmerzen und verbessert die Durchblutung der Muskulatur und des umliegenden Gewebes. Außerdem verbessert es die Kontraktions- und Entspannungsfähigkeit der Muskulatur. Dadurch vergrößert sich das Ausmaß aktiver Bewegungen und die gesamte Bewegungsausführung wird erleichtert.“

Verletzungen richtig kühlen

„Zur Behandlung von Schwellungen sollte möglichst ein Eisbeutel eingesetzt werden“, empfiehlt Harry Belzl, Physiotherapeut und Leiter des Therapiezentrums der BG Klinik. „Der Eisbeutel kann leicht selbst hergestellt werden und ist einfach zu handhaben. Man nehme einen Plastikbeutel und fülle ihn mit gestoßenem Crush-Eis oder zerstoßenen Eiswürfeln und mische Wasser dazu, so dass ein Eis-Wassergemisch entsteht.“ Der Beutel sollte nicht zu prall gefüllt sein, damit er gut an den Körper anmodelliert werden kann. Belzl: „Der Beutel sollte gut verschlossen sein, damit er nicht leckt und den geschwollenen Körperteil sollte man möglichst erhöht lagern, über Herzhöhe.“

Tipp: Richtig reagieren bei Notfällen enthält Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu den wichtigsten Unfall- und Notfallsituationen und anschauliche Beschreibungen der Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Mit Eis nur tupfen

„Um mit der Kältetherapie einen positiven Effekt zu erzielen, sollte die Verletzung mit dem Eisbeutel nur abgetupft werden“, sagt Physiotherapeutin Susanne Schänzlin. „Beginnen Sie körpernah und tupfen Sie dann langsam nach körperfern, also zum Beispiel von der Hüfte zum verletzten Knie.“ Die Haut sollte sich hierbei kühl, aber nicht eiskalt anfühlen. Nach der Kühlung sollte man eine Kühlpause einlegen, bis sich die Haut wieder erwärmt hat. Schänzlin: „Während der Kühlpause sollte man den betroffenen Körperteil, so weit möglich, schonend aktiv bewegen. Hierdurch wird der Abfluss von Gewebeflüssigkeit angeregt. Dies reduziert Schwellungen und regt die Durchblutung an.“ Dieser Vorgang sollte pro Anwendung zwei- bis viermal wiederholt werden. Insgesamt sollten pro Tag zwei Kälteanwendungszyklen gemacht werden.

Vorsicht Kälteschaden!

Nicht geeignet ist die Kältetherapie für Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen oder Arterienerkrankungen, offenen Hauterkrankungen, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Gefühlsstörungen. Grundsätzlich sollte nur auf warmer Haut gekühlt werden. Kühle Haut muss vor der Behandlung durch Bewegung erwärmt werden.

Zum Schluss gibt Prof. Stöckle noch einen wichtigen Hinweis:

 „Lassen Sie den Eisbeutel nie längere Zeit auf der Haut liegen! Dies kann zu Kälteschäden wie kleinen Erfrierungen an der Haut oder Sensibilitätsstörungen führen. Am besten immer ein Tuch zwischen Haut und Eisbeutel legen, um dies zu vermeiden. “

Autor: BG-Unfallklinik Tübingen

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