Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
04.03.2016

Umgang mit Gefahrstoffen bei Schwangerschaft und Stillzeit

Für werdende und stillende Mütter ist der Umgang mit Gefahrstoffen äußerst problematisch. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Arbeitnehmerinnen besonders zu schützen. Hier muss eine Gefährdungsbeurteilung erstellt werden und ggf. sind Arbeitsbedingungen so zu verändern, dass eine risikofreie Beschäftigung möglich ist.

Hier muss eine Gefährdungsbeurteilung erstellt werden und ggf. sind Arbeitsbedingungen so zu verändern, dass eine risikofreie Beschäftigung möglich ist.© Chattrawutt /​ iStock /​ Thinkstock

Arbeitnehmerinnen, die schwanger sind oder ihre Kinder stillen, dürfen keinen Umgang mit bestimmten Gefahrstoffen haben (§ 4 Abs. 1 und § 6 Abs. 3 MuSchG sowie § 5 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz).

Absolute Beschäftigungsverbote

Insbesondere ist es verboten, werdende Mütter mit Arbeiten zu betrauen, die den Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2 bis 4 erfordern, welche bekanntermaßen die Gesundheit von schwangeren Arbeitnehmerinnen bzw. deren ungeborenen Kindern schädigen (Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz, Anl. 1 Abs. A Nr. 2).

Bedingte Beschäftigungsverbote

Stillende Mütter dürfen nur dann Umgang mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen haben, wenn die Einhaltung der Grenzwerte sichergestellt ist. Bei chronisch schädigenden Stoffen dürfen Schwangere und stillende Mütter nur beschäftigt werden, sofern festgesetzte Grenzwerte nicht erreicht oder überschritten werden, wobei der Arbeitgeber die Einhaltung der Grenzwerte nachweisen muss.

Besondere Schutzausrüstungen

Ist eine Arbeit für eine schwangere oder stillende Mitarbeiterin zulässig, ist eine geeignete und zumutbare persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Bei der Auswahl der Schutzausrüstung sind alle Wege, über die Gefahrstoffe in den Körper gelangen könnten, zu berücksichtigen.

Dazu gehört neben dem Einatmen auch die Aufnahme über die Schleimhäute. Geht eine schwangere Arbeitnehmerin mit Gefahrstoffen um, die in die Haut eindringen, darf kein Hautkontakt entstehen. Dafür muss ggf. mit einem geeigneten Hautschutz (undurchlässiger Schutzhandschuh) Sorge getragen werden.

Maßnahmen zu Beginn der Schwangerschaft

Sobald die Arbeitnehmerin ihre Schwangerschaft mitgeteilt hat, ist die zuständige Aufsichtsbehörde zu unterrichten. Eine Gefährdungsbeurteilung muss erstellt werden (Art, Ausmaß und Dauer einer möglichen Gefährdung) und der Betriebs- bzw. Personalrat ist zu informieren. Nach § 3 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz müssen dann die notwendigen Maßnahmen für den Arbeitsplatz getroffen werden.

Kann eine Gefährdung durch Arbeitsschutzmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden, muss die Arbeitnehmerin selbst versetzt oder von der Arbeit freigestellt werden. Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es nicht nur um Stoffe, mit denen die Arbeitnehmerin umgeht. Berücksichtigt werden müssen auch Stoffe, die bei Tätigkeiten vor Ort entstehen (z. B. durch Schleifarbeiten). Dazu gehören beispielsweise Stäube, Dämpfe und Gase. Ebenfalls berücksichtigt werden muss, ob andere Beschäftigte in den gleichen Räumlichkeiten mit Gefahrstoffen arbeiten.

Autor: Markus Horn 

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