20.08.2021

Üben, üben, üben – der Umgang mit Kippern ist kein Kinderspiel

Bei der Aufnahme, dem Abstellen und dem Transport der Beladebehälter von Abroll- und Abgleitkippern werden beeindruckende Lasten bewegt. Entsprechend groß ist auch das Risiko, dass es insbesondere während der mechanischen Vorgänge des Aufnehmens und Absetzens zu gefährlichen Situationen kommt. Denn um die riesigen Lasten bei der Aufnahme und dem Absetzen der Container bewegen zu können, müssen enorme Kräfte mobilisiert werden.

Kipper beim Kippvorgang: Hier ist für die Sicherheit viel zu beachten.

Für die Sicherheit beim Umgang mit Kippern sind sichere, vorgegebene Verfahren zur Durchführung unverzichtbar. Damit die richtige Vorgehensweise auch sitzt, sollte sie von den betroffenen Beschäftigten Schritt für Schritt eingeübt werden.

Steuerung des Fahrzeugaufbaus

Die Sicherheit der Beschäftigten beginnt mit einer sicheren Steuerung und einem Fahrzeug, das die Verbindung und die Entkoppelung der Behälter sicher gewährleistet.

Die Steuerung des Fahrzeugaufbaus erfolgt über Hebel, Drucktasten, Joysticks oder andere Stellteile. In der Regel entsprechen die Befehlseinrichtungen bereits den gesetzlichen Vorschriften, die lauten:

  • sichtbare Kennzeichnungen
  • eindeutige Zuordnung
  • kein unbeabsichtigtes Betätigen möglich

Eine häufige Fehlerquelle liegt in der Auswahl des Bedienplatzes. Vom Bedienplatz aus muss die bedienende Person sehen können, ob sich Personen im Gefahrenbereich aufhalten. Hierbei ist Folgendes zu beachten:

  • Es müssen Hakenarme, Behälterbewegungen und Abstützungen beobachtbar sein.
  • In den Unterweisungen muss besonders die Bedienung des Nothalts geübt werden; dieser kann Bewegungen sofort zum Stillstand bringen, durch einen abrupten Stopp können aber neue Risiken entstehen.
  • Die Warneinrichtung für Hakenausleger, die sich nicht in Fahrtstellung befinden, muss vom Bedienplatz aus einsehbar sein.
  • Die steuernde Person muss sich vergewissern, dass alle Hakensicherungen angebracht sind.

Vorsicht mit den Schlauchleitungen

Schlauchleitungen können Beschäftigte durch umherschlagende Schläuche oder ausschießendes Hydrauliköl gefährden. Dies muss bereits beim Verlegen berücksichtigt und die Schlauchleitungen müssen ggf. entsprechend gesichert werden. In den Unterweisungen weisen Sie am besten darauf hin, dass Schlauchleitungen nicht durch Stauchung, Torsion oder Zug beansprucht werden dürfen. Sie müssen regelmäßig geprüft und ausgewechselt werden (Alter, Verschleiß, Beschädigung).

Sicher mit Seilwinden umgehen

Bei Seilwinden muss unbeabsichtigtes Zurücklaufen z.B. mit Rücklaufsicherungen verhindert werden. Weitere Sicherungen müssen einen eventuellen freien Fall einer Last bzw. ein ungebremstes Gleiten auf einer schiefen Ebene verhindern. Die steuernden Beschäftigten müssen unterwiesen sein, dass die zulässige Hublast nicht überschritten wird und diese beim Anheben, Senken oder Ziehen sicher und jederzeit gehalten werden kann. Bei Seilwinden müssen Stellen, die Quetschungen verursachen oder Körperteile einziehen können, besonders gekennzeichnet sein.

Gefahrstellen bei bewegten Teilen sichern

Zwischen zwei sich bewegenden Teilen oder zwischen einem bewegten und einem unbewegten Teil besteht durch die Bewegungsenergie immer das Risiko von Quetschungen oder Scherungen. Beispiele für solche Gefahrstellen sind die Stellen zwischen Kipprahmen und Behältern, dem Hakenausleger und dem Fahrzeug oder der Heckabstützung und dem Boden. Lassen sich diese Gefahrstellen nicht vermeiden, müssen sie gesichert und gekennzeichnet werden (Piktogramme). Sicherungen sind z.B. durch Sicherheitsabstände, Verkleidungen, Abdeckungen, aber auch durch Abweiser und Abweisbügel möglich.

Weiterführende Informationen zum Umgang mit Kippern

Eine wichtige Informationsquelle für alle Arbeiten mit Abroll- und Abgleitkippern sind die DGUV-Publikationen und natürlich die einschlägigen gesetzlichen Regelungen:

  • Die DGUV Information 214-017 „Sicherer Einsatz von Abroll- und Abgleitkippern“ enthält Informationen zur Beschaffenheit, Beschaffung, Auswahl und Benutzung von Abroll- und Abgleitkipper-Fahrzeugen, Transportanhängern und den zugehörigen Abrollbehältern.
  • Für sicheres Kuppeln von Transportanhängern gibt die DGUV Information 214-080 „Kuppeln – aber sicher“ Hinweise.
  • Für die verkehrstechnische Sicherheit ist die Straßenverkehrsordnung zu beachten.
  • Für Maschinen, die auf den Fahrzeugen angebracht sind, gilt die Maschinenverordnung.
  • Zusätzlich sind für die Beschaffenheit und den Betrieb der Fahrzeuge die Betriebssicherheitsverordnung und die DGUV Vorschrift 70 und 71 „Fahrzeuge“ zu beachten.
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Autor: Markus Horn