News | Informieren und Recht 21.04.2017

Exposition und Risiko: Dieses Konzept steht hinter der TRGS 910

Wo es Grenzwerte gibt, wissen Sie als Arbeitsschützer sehr genau, woran Sie sind und was Sie zu tun haben: nämlich durch Messungen und geeignete Maßnahmen sicherstellen, dass diese vorgeschriebenen Grenzwerte nicht überschritten werden. Doch ausgerechnet für die überwiegende Zahl der krebserzeugenden Stoffe gibt es (noch) keine verbindlichen Arbeitsplatzgrenzwerte. Was also tun? Wo sich eine Exposition nicht durch Substitution der krebserzeugenden Stoffe vermeiden lässt, gilt automatisch die TRGS 910, das „Risikobezogene Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen“.

Wichtig ist zu verstehen, dass die TRGS 910 auf einem ganz bestimmten Konzept zur Bewertung von Risiken basiert. Aus dieser Risikobewertung leiten sich dann verschiedene Maßnahmen ab.

Um Gefährdungen überhaupt erfassen und dann sinnvoll einordnen zu können, muss von Expositionen, also dem Ausgesetztsein, auf Risiken geschlossen werden. Dies nennt man Exposition-Risiko-Beziehung, kurz ERB.

Dabei wird bei einem krebserzeugenden Stoff davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme des Stoffs durch einen Mitarbeiter und der statistischen Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Erkrankung gibt.

3 Risikobereiche

Es werden 3 Risikobereiche unterschieden:

  • Es gibt einen unteren Risikobereich (Akzeptanzrisiko), aus dem sich keine Maßnahmen ergeben. Die hier bestehenden Risiken erscheinen so gering, dass dies nicht als notwendig erachtet wird bzw. die Risiken hingenommen werden können. Derzeit ist dieses Akzeptanzrisiko mit 4:10.000 angegeben, es besteht statistisch mithin die Wahrscheinlichkeit, dass von 10.000 exponierten Personen 4 an Krebs erkranken. Perspektivisch (angedacht ist 2018) soll der Wert 4:100.000 betragen.
  • Im mittleren Risikobereich werden die Risiken dann toleriert, wenn bestimmte Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer eingehalten werden. Dieses „Toleranzrisiko“ entspricht einem statistischen zusätzlichen Krebsrisiko von 4:1.000, bei dem statistisch die Wahrscheinlichkeit besteht, dass von 1.000 während des gesamten Arbeitslebens exponierten Personen 4 an Krebs erkranken.
  • Der hohe Risikobereich wird nicht mehr toleriert, ein Arbeiten in diesem Bereich kann durch keine Maßnahmen ermöglicht werden.

Alle genannten Risiken beziehen sich jeweils auf eine Arbeitslebenszeit von 40 Jahren bei einer kontinuierlichen arbeitstäglichen Exposition („Lebenszeitrisiko“).

Früherkennung als wichtige Schutzmaßnahme

Durch häufige Vorsorgeuntersuchungen kann die Entstehung von Krebs oder seinen Vorläufern frühzeitig erkannt und oft wirksam bekämpft werden. Vorsorgeuntersuchungen im Betrieb sind in manchen Fällen vorgeschrieben, in anderen müssen sie angeboten oder auf Wunsch ermöglicht werden:

  • Pflichtvorsorge: Diese muss bei bestimmten, besonders gefährdenden Tätigkeiten veranlasst werden, wenn etwa eine wiederholte Exposition gegenüber krebserzeugenden Arbeitsstoffen der Kategorie 1 oder 2 nicht ausgeschlossen werden kann, ferner auch bei gezielten Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 4.
  • Angebotsvorsorge: Diese muss z. B. bei Tätigkeiten mit Schädlingsbekämpfungsmitteln nach Gefahrstoffverordnung den betroffenen Arbeitnehmern angeboten werden.
  • Wunschvorsorge: Kann ein Gesundheitsschaden nicht ausgeschlossen werden, muss dem Arbeitnehmer auf dessen Wunsch hin eine Vorsorge ermöglicht werden.

Arbeitsplatzbezogene Vorsorgeuntersuchungen sind in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt.

Ein spezielles Problem: die langen Latenzzeiten

Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu Krebserkrankungen von Arbeitnehmern kommt, ist die Erkrankung meist über viele Jahre hinweg entstanden oder es sind bis zum Ausbruch der Erkrankung sogar Jahrzehnte vergangen, wie etwa bei Krebsarten, die durch Asbest verursacht sind.

Deshalb bestimmt die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), dass jedes Unternehmen zur Führung eines Verzeichnisses jener Beschäftigten verpflichtet ist, die durch Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fruchtbarkeitsschädigenden Stoffen gefährdet sind.

Dies dient der Beweissicherung im Rahmen eines eventuellen späteren Berufskrankheiten-Verfahrens. Es müssen Angaben zu Höhe und Dauer der Exposition gemacht werden. Die Aufbewahrungsfrist beträgt 40 Jahre, gerechnet ab dem Ende der Exposition. Den Arbeitnehmern muss ihr persönliches Verzeichnis ausgehändigt werden.

Die Aushändigungs- und Archivierungspflicht kann auch mit der kostenfreien zentralen Expositionsdatenbank (ZED) durchgeführt werden. Als Arbeits- und Gesundheitsschützer können Sie hier das betriebseigene Verzeichnis anlegen, bearbeiten und verwalten.

Und Sie können auch Beschäftigte, die bereits aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, zur nachgehenden Vorsorge melden.

Autor: Markus Horn