04.06.2018

TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern”

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hatte die TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern” auf seiner 46. Sitzung im Mai 2010 verabschiedet. Die TRGS wurde im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl. Nr. 81 bis 83) vom 13.12.2010 auf Seite 1693 veröffentlicht. Im GMBl. 2013 Nr. 22 vom 15.05.2013 wurde auf Seite 446 eine grundlegend überarbeitete Fassung veröffentlicht, die der AGS auf seiner Herbstsitzung 2012 verabschiedet hatte.

Gefahrstoffmanagement

Grundlegendes zur TRGS 510

Die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 510 regelt die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern. Lagern ist eine Tätigkeit, die auch in Zeiten der Just-in-Time-Produktion in vielen Betrieben vorkommt, bei weitem nicht nur bei Logistikdienstleistern und professionellen Lagerhaltern. Gefahrstofflagerung ist also ein Thema, mit dem sich alle Sicherheitsfachkräfte auseinandersetzen müssen.

Bezogen auf Gefahrstoffe gab es früher keine zusammenhängende und übergreifende Regelung zu diesem Thema. Die beiden technischen Regeln TRGS 514 und 515 behandelten dieses Thema bis 2010 nur partiell und aus der jeweiligen Sichtweise einzelner Stoffgruppen bzw. Gefährlichkeitsmerkmale. Die Lagervorschriften für Gase waren im Wesentlichen in der TRG 300 und die Regelungen zur Lagerung brennbarer Flüssigkeiten hauptsächlich in der TRbF 20 enthalten.

Daher war es sinnvoll, dass der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) auch hierzu ein zusammenhängendes und in sich geschlossenes Regelwerk geschaffen hat.

Aufhebung von TRGS und anderen Regeln

Die TRGS 510 ist eine Zusammenführung von Lagervorschriften aus verschiedenen technischen Regelwerken. Mit der Verabschiedung der TRGS 510 wurden 2010 mehrere Spezialregelungen zur Lagerung von Gefahrstoffen aufgehoben, da die Lagervorschriften nunmehr für alle Gefahrstoffe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei der Lagerung in ortsbeweglichen Behältern gelten. Aufgehoben wurden:

  • TRGS 514„Lagerung von giftigen und sehr giftigen Gefahrstoffen in Verpackungen und ortsbeweglichen Behältern”
  • TRGS 515„Lagerung von brandfördernden Gefahrstoffen in Verpackungen und ortsbeweglichen Behältern”

Die Vorschriften zur Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in ortsbeweglichen Behältern gemäß TRbF 20 wurden ebenfalls in die TRGS 510 überführt; aus der TRbF 20 werden diese Regelungen daher gestrichen.

Analog wurden die Lagerregelungen von Gasen in der TRG 300, ebenso wie die für Aerosole, aufgehoben.
In der Neufassung 2013 wurden die Vorschriften zur Lagerung von Gasen grundlegend überarbeitet; noch fehlende Regelungen der Technischen Regel Druckgase wurden übernommen, desgleichen für Aerosolpackungen und Druckgaskartuschen.

Neben den inhaltlichen Änderungen wurden alle weiteren Vorschriften einer redaktionellen Überarbeitung unterzogen, die primär eine Klarstellung der bisherigen Forderungen zum Ziel hatte.

Außer der Konsolidierung der Lagervorschriften berücksichtigt die TRGS die Einstufung nach der EG-CLP-Verordnung (GHS). Im Anwendungsbereich ist klargestellt, dass sowohl die Einstufungs- und Kennzeichnungsprinzipien der CLP-Verordnung als auch der Stoff- und Zubereitungsrichtlinie bis zum Ende der Übergangsfrist am 01.06.2015 genutzt werden können. Gleichwohl basiert die Grundkonzeption der TRGS auf der EG-CLP-Verordnung.

Aufbau der TRGS 510 und Anwendungsbereich

Im Gegensatz zu den früheren Lagervorschriften regelt die TRGS 510 grundsätzlich die Lagerung von allen Gefahrstoffen. In Abhängigkeit von den jeweiligen gefährlichen Eigenschaften sind auf den Grundmaßnahmen aufbauende zusätzliche Regelungen zu beachten.

Aufbau der TRGS 510

Dieses Grundprinzip ist bereits im Inhaltsverzeichnis exemplarisch erkennbar:

  1. Anwendungsbereich
  2. Begriffsbestimmungen
  3. Gefährdungsbeurteilung
  4. Allgemeine Maßnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz
  5. Zusätzliche Maßnahmen für spezielle Gefahrstoffe
  6. Maßnahmen zum Brandschutz
  7. Zusammenlagerung
  8. Lagerung akut toxischer Flüssigkeiten und Feststoffe
  9. Lagerung oxidierender Flüssigkeiten und Feststoffe
  10. Lagerung von Gasen unter Druck
  11. Lagerung von Aerosolpackungen und Druckgaskartuschen
  12. Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten

Die TRGS enthält jetzt noch sechs Anlagen, in denen Detailregelungen zu verschiedenen Sachverhalten zu finden sind. Die Anlagen sind jedoch ohne Einschränkungen ebenfalls gültig und – wenn zutreffend – zu beachten.

  1. Anlage 1: Ergänzende Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung
  2. Anlage 2: Lagerung von Gefahrstoffen in Verkaufsräumen und Wohnhäusern
  3. Anlage 3: Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten in Sicherheitsschränken
  4. Anlage 4: Vorgehensweise zur Festlegung der Lagerklassen
  5. Anlage 5: Besondere Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz
  6. Anlage 6: Weitere oxidierende oder sehr reaktionsfähige Stoffe

Die verbale Beschreibung der Lagerklassen der bisherigen Anlage 4 wurde in den Zuordnungsleitfaden der bisherigen Anlage 5 integriert und als neue Anlage 4 angefügt.

Die bisherige Anlage 6 wurde gestrichen, da das Löschwasserrückhaltekonzept auf Umweltvorschriften beruht und keine Grundlage im Gefahrstoffrecht hat.

Die in der bisherigen Anlage 8 aufgeführten besonders stark oxidierenden und reaktionsfähigen Stoffe werden hinsichtlich dieser Eigenschaften überprüft und anschließend in die neue Anlage 6 aufgenommen.

Die bisherigen Kleinmengenregelungen wurden von Anlage 9 in Nr. 4.3 der TRGS überführt.

Anwendungsbereich der TRGS 510

Die TRGS 510 gilt grundsätzlich für die sogenannte „passive Lagerung” von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern. Hierzu zählen auch folgende Tätigkeiten:

  • Ein- und Auslagern
  • Transportieren innerhalb des Lagers
  • Beseitigen freigesetzter Gefahrstoffe

Werden im Lager weitere Tätigkeiten durchgeführt, wie etwa

  • Ab- oder Umfüllarbeiten,
  • Probenahme,
  • Reinigen von Behältern,
  • Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten,

sind diese in der Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 separat zu betrachten und zu bewerten.

Die TRGS gilt nicht

  • für Stoffe, die sich im Produktions- oder Arbeitsgang befinden sowie für das Bereithalten ortsbeweglicher Druckgasbehälter,
  • für Schüttgüter in loser Schüttung,
  • für die Lagerung von radioaktiven Stoffen, die dem Atomgesetz bzw. der Strahlenschutzverordnung unterliegen,
  • für die Lagerung von ansteckungsgefährlichen Stoffen.

Für die Lagerung der folgenden Stoffe, Gemische/Zubereitungen sind die Zusammenlagerungsvorschriften in der TRGS 510 ebenfalls aufgeführt, die substanziellen Lagervorschriften finden sich jedoch in den aufgeführten speziellen Regelungen:

  • für Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathaltige Gemische/Zubereitungen gemäß Anhang I Nr.5 GefStoffV gilt die TRGS 511.
  • für explosionsgefährliche Stoffe, die unter das Sprengstoffgesetz fallen, ist die Zweite Verordnung zum Sprengstoffgesetz (2. SprengV) heranzuziehen.
  • für organische Peroxide gilt seit kurzem der neue Anhang III Nr. 4 „Tätigkeiten mit Organischen Peroxiden” der Gefahrstoffverordnung, der die Berufsgenossenschaftliche Unfallverhütungsvorschrift BGV B4 „Organische Peroxide” abgelöst hat. Eine zugehörige TRGS ist in Vorbereitung.

Die TRGS 510 ist grundsätzlich ab 200 kg gelagerter Gefahrstoffe uneingeschränkt anzuwenden. Besondere Mengengrenzen…

 

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Autor: Ulrich Welzbacher