12.03.2018

Transport von Lithiumbatterien

Der Transport von Lithiumbatterien ist nicht ganz ungefährlich. Lithium-Ionen-Batterien reagieren mit vielen Stoffen, neigen zur Überhitzung und können somit in Brand geraten.

Brennender Akku von Handy

Einsatzmöglichkeiten und Risiken beim Transport von Lithiumbatterien

Aufgrund ihrer hohen Energiedichte finden sie in zahlreichen Produkten als primäre (nicht zur Wiederaufladung vorgesehene) oder als sekundäre (wiederaufladbare – auch als Akku bezeichnet) Lithiumbatterie Anwendung. Lithiumbatterien werden in Herzschrittmachern, Uhren, Fotoapparaten, Handys oder Notebooks eingesetzt. Ein relativ neues Segment mit steigendem Anteil für den Einsatz von Lithiumbatterien ist der Einbau in Elektrofahrzeugen oder E-Bikes.

Lithium eignet sich zwar sehr gut für die Herstellung von Batterien und Akkus, allerdings ist der Umgang nicht ganz ungefährlich. Es reagiert mit vielen Stoffen, z.B. Wasser, teilweise äußerst heftig und die starke Wärmeentwicklung kann Brände auslösen. Bei unsachgemäßer Lagerung oder Handhabung oder beim Transport neigen Lithiumbatterien zur Überhitzung und können somit in Brand geraten.

Die Voraussetzungen für einen sicheren Transport zu schaffen, war Auslöser für die in den letzten Jahren im ADR eingeführten Vorschriften für in Fahrzeugen oder Geräten eingebaute oder gebrauchte Batterien. Was passiert jedoch, wenn diese Batterien beschädigt sind und befördert werden müssen? Die Gefahrgutvorschriften enthalten hierzu Regelungen.

Klassifizierung

Lithiumbatterien sind Gefahrgut. Sie unterliegen daher den Gefahrgutvorschriften. Lithiumbatterien werden im ADR und RID als Gefahrgut der Klasse 9 (verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände) folgenden UN-Nummern zugeordnet:

  • UN 3090: Lithium-Metall-Batterien (einschließlich Batterien aus Lithiumlegierung)
  • UN 3091: Lithium-Metall-Batterien in Ausrüstungen (einschließlich Batterien aus Lithiumlegierung) oder
  • UN 3091: Lithium-Metall-Batterien, mit Ausrüstungen verpackt (einschließlich Batterien aus Lithiumlegierung)
  • UN 3480: Lithium-Ionen-Batterien (einschließlich Lithium-Ionen-Polymer-Batterien)
  • UN 3481: Lithium-Ionen-Batterien in Ausrüstungen (einschließlich Lithium-Ionen-Polymer-Batterien) oder
  • UN 3481: Lithium-Ionen-Batterien, mit Ausrüstungen verpackt (einschließlich Lithium-Ionen-Polymer-Batterien)
  • UN 3171: Batteriebetriebenes Fahrzeug

Hinweis

Fahrzeuge” im Sinne dieser UN-Nummer sind selbstfahrende Geräte, die für die Beförderung einer oder mehrerer Personen oder von Gütern ausgelegt sind. Beispiele solcher Fahrzeuge sind elektrisch angetriebene Personenwagen, Motorräder, Motorroller, Drei- oder Vierradfahrzeuge oder -motorräder, Elektrofahrräder, Rollstühle, Aufsitzrasenmäher, Boote und Flugzeuge (SV 240).

Voraussetzungen aus 2.2.9.1.7 ADR/RID

In 2.2.9.1.7 ADR/RID ist erläutert, dass der Ausdruck „Lithiumbatterien” alle Zellen und Batterien einschließt, die Lithium in irgendeiner Form enthalten. Diese müssen den UN-Nummern 3090 oder 3091 oder 3480 oder 3481 zugeordnet werden.

Generelle Voraussetzung für den Transport von Lithiumbatterien und/oder -zellen ist der Nachweis der erfolgreichen Prüfungen gemäß den „Recommendations on the Transport of Dangerous Goods, Manual of Test and Criteria Teil III, Abschnitt 38.3”. Die deutsche Übersetzung der „Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter, Handbuch über Prüfungen und Kriterien” hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (www.bam.de, Publikationen, Handbücher) veröffentlicht. Jede Zelle oder Batterie muss einem Typ entsprechen, für den nachgewiesen wurde, dass er die Anforderungen aller Prüfungen des Handbuchs Prüfungen und Kriterien Teil III Unterabschnitt 38.3 erfüllt, so 2.2.9.1.7 ADR. Darüber hinaus müssen Zellen und Batterien unter Anwendung eines Qualitätsmanagementsystems gefertigt werden, das ebenfalls eine Schulung des Personals beinhaltet. Das Qualitätssicherungsprogramm muss geeignete Kontrollmechanismen enthalten, damit Zellen oder Batterien, die aufgrund von Herstellungsfehlern dem geprüften Typ nicht entsprechen, erkannt werden und nicht zur Beförderung gelangen.

Ausnahmen

Abweichende Regelungen vom ADR nach Abschnitt 1.5.1 sind für Lithiumbatterien durch die Ausnahmen M296 (hybride Lithiumbatterien) M303 (Beförderung von Lithiumzellen und -batterien, die in Geräten von privaten Haushalten enthalten sind und die zur Beseitigung von Schadstoffen zur Demontage, zum Recycling oder zur Entsorgung gesammelt und zur Beförderung aufgegeben werden) und M306 (Beförderung von Lithiumzellen und -batterien aus Produktionsserien von höchstens 100 Zellen und Batterien oder von Vorproduktionsprototypen von Zellen und Batterien, sofern diese Prototypen für die Prüfung befördert werden (UN 3090, 3091, 3480, 3481)) geschlossen worden. Alle Ausnahmen sind von Deutschland gegengezeichnet worden, d.h. sie sind auch in Deutschland anwendbar.

 

Autor: Beate Schleicher