Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Stressmanagement im Betrieb verbindlich regeln

Erworbenes Wissen und Handlungsroutinen werden schneller veraltet und auch die Planbarkeit der Arbeit verringert sich, z.B. durch befristete Arbeitsverhältnisse.

Stressed Woman Working In Office© AndreyPopov /​ iStock /​ Thinkstock

Die individuelle Aufgabenmenge und -vielfalt nimmt zu und auch die Gefahren der Informationsüberflutung sowie Arbeitsunterbrechungen und widersprüchliche Arbeitsanforderungen sind präsenter geworden. Durch die Beschleunigung und schnellere Veränderung von Arbeitsprozessen und die Verkürzung von Innovationszyklen, entsteht ein persönlicher Druck mithalten zu müssen, um den Arbeitsplatz zu sichern.

Neben einem störenden Einfluss auf die Arbeitsleistung und die Zufriedenheit kann chronischer oder intensiver Stress auch zu zunehmenden körperlichen und emotionalen Gesundheitsproblemen sowie zu erhöhten und längerfristigen Ausfallzeiten führen.

Persönliche Stresssignale können sein:

  • Schlaf- und/oder Antriebsprobleme, zunehmende Lustlosigkeit
  • „Grübelzwänge“, schwer abschalten können
  • Stimmungsschwankungen und/oder Konzentrationsbeeinträchtigungen,
  • schnellere Gereiztheit und /oder schnelle mentale Erschöpfung,
  • sozialer Rückzug/Isolation,
  • Angstsymptome, wie z.B. unbegründete Schweißausbrüche,
  • zunehmende Nervosität,
  • Geräuschempfindlichkeit,
  • Konflikte mit Kollegen, Verhaltensunsicherheiten,
  • Überforderung, längere und häufigere Erholungsbedürftigkeit
  • zunehmende Verspannungen und/oder Reizdarm, -magen

Diese Stresssymptome und andere körperliche Beschwerden können zu einer Zunahme von Fehlern sowie Unfallhäufigkeit und –schwere führen.

Stresssignale erkennen und mitteilen

Wichtig ist, dass Beschäftigte, unabhängig ob der Stress arbeitsbedingt ist oder nicht, schon frühzeitig (bereits in der Ausbildung) die erforderliche Sensibilität erlernen oder auffrischen um diese individuellen Signale wahrzunehmen und als mögliche Stresssignale einordnen zu können. Um die Gesundheit nicht zu gefährden, ist es wichtig, dass die Beschäftigten die Möglichkeit haben, eine Zunahme von Stresssignalen zeitnah und vertraulich ihrem Vorgesetztem mitzuteilen. Mit Unterstützung (z.B. Coaching) können die Beschäftigten die Veränderungen im täglichen Alltag überdenken und entsprechende Maßnahmen vornehmen.

Stressleitlinie erstellen

Dabei kann eine von der Geschäftsführung, allen Arbeitsschutzakteuren, der Mitarbeitervertretung und den Beschäftigten schriftlich fixierte „betriebliche Stressleitlinie“ für Beschäftigte und Führungskräfte hilfreich sein. Diese kann durch durch Online-tools zur Stressaufklärung und -reduktion und gezielten Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung ergänzt werden. Eine Stressleitlinie kann die gesetzlichen Anforderungen an eine angemessene Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen unterstützen. (§§ 5,6 Arbeitsschutzgesetz, insbesondere i.V.m. § 3 BildscharbV, §3 (1) ArbStättV, § 4 (3) Nr. 5 a) BioStoffV…).

Maßnahmen für Beschäftigte:

  • regelmäßige Pausen (mind. 15 min.) einplanen
  • Prioritäten nach Dringlichkeit setzen
  • Arbeitspakete in kleine Teile unterteilen
  • Delegieren, wo es möglich ist
  • tägliche Bewegung (auch in der Pause) einplanen
  • regelmäßige, ausgewogene und bewusste Ernährung
  • Alkohol, Nikotin, Suchtmittel meiden
  • Sozialkontakte im Rahmen des Möglichen, pflegen
  • Schlafhygiene betreiben

Maßnahmen für Vorgesetzte: 

  • realistische individuelle, nachsteuerbare Zielvorgaben
  • Arbeitszeitmanagement (gesetzliche Vorgaben einhalten)
  • Mitsprache und Entscheidungseinfluss der Beschäftigten gewährleisten
  • frühzeitiges Informationsmanagement (u.a. Dienst-, Touren, Schichtpläne)
  • regelmäßige individuelle Gespräche, Rückkopplungen auch informeller Art

Übergeordnete Maßnahmen:

  • bewegte Pause(n),
  • Ruhezone(n) zur täglichen Entspannung und geistigen Erholung,
  • Rückenschule, Herzsport, Kraftsportangebot, Betriebssportgruppen
  • ausgewogenes (bezuschusstes) Ernährungsangebot,
  • Flexibilität bei den Arbeitszeiten (z.B. Gleitzeit),
  • Ergonomische Arbeitsmittel (Stühle, Tastatur, Maus, Tische etc.)
  • Bewegungsanreize in Kooperation mit einer Krankenkasse (Fahrradfahren)
  • Gesundheitstag, Sozial- und Suchtberatung, Raucherentwöhnung,
  • arbeitsmedizinische Vorsorge bei Nacht- und Schichtarbeit, Haut, Lärm, Bildschirmtauglichkeit,
  • Wunschuntersuchungen zu Muskel-, Skelettbelastungen, Darm-, Hautkrebs,
  • Niederschwellige regionale, externe Beratungsangebote kennen, ggf. vermitteln können,
  • Angehörigensportmöglichkeit, Kinder(notfall)betreuung
  • Professionelles Wiedereingliederungsangebot (Vermeidung von Überforderung!)

Eine Rückmeldung der Beschäftigten zu diesen Angeboten sollte in regelmäßigen Abständen vorgenommen werden, um Maßnahmen zu ergänzen, ggf. zu streichen.

Autor: Stefan Johannsen 

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