23.06.2021

Strahlenschutz

Sicherheitsingenieur

Beschäftigte können am Arbeitsplatz unterschiedlichen Strahlungsquellen ausgesetzt sein. Man unterscheidet zwischen elektromagnetischen Feldern, optischer Strahlung und ionisierender Strahlung. Elektromagnetische Felder bestehen bei allen elektrischen Leitungen, an denen eine Spannung anliegt bzw. ein Wechselstrom fließt. Hochfrequente elektromagnetische Felder treten z.B. bei Mobilfunksendeanlagen oder in Radaranlagen auf. Das Spektrum der optischen Strahlung reicht von der Infrarotstrahlung (IR) über die sichtbare Strahlung bis hin zur energiereichen ultravioletten Strahlung (UV). Strahlungsquellen sind Laser, Glühlampen, Leuchtstofflampen und LEDs sowie Gasstrahler, Metall- und Glasschmelzen sowie Schweißlichtbögen. Ionisierende Strahlung kann technisch erzeugt werden oder entstehen, wenn bestimmte Atomkerne radioaktiv zerfallen. Zu den bedeutenden Anwendungen ionisierender Strahlung gehören das Röntgen sowie der Einsatz radioaktiver Stoffe in der Forschung, Medizin und Technik. Bei unsachgemäßem Umgang können Beschäftigte in ihrer Gesundheit gefährdet werden. Daher sind Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten unabdingbar.

Vorschriften und Rechtsprechung

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • Richtlinie 2013/35/EU über Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (elektromagnetische Felder)
  • Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch elektromagnetische Felder (EMFV)
  • Technische Regeln zur Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern (TREMF; Entwurf, Stand: 08/2021)
  • Richtlinie 2006/25/EG über Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (künstliche optische Strahlung)
  • Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (OStrV)
  • Technische Regeln zur Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (TROS)
  • Richtlinie 2013/59/EURATOM des Rates zur Festlegung grundlegender Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung
  • Atomgesetz (AtG)
  • Strahlenschutzgesetz (StrlSchG)
  • Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)

Gefahren durch Strahlung am Arbeitsplatz

Elektromagnetische Felder können direkte und indirekte Wirkungen auf Menschen verursachen. Die Wirkung hängt in erster Linie davon ab, wie oft und wie stark Personen solchen Feldern ausgesetzt sind. Manche Felder bewirken eine Stimulation von Sinnesorganen, Nerven und Muskeln, andere führen zu Erwärmung. Indirekte Wirkungen sind die von einem elektromagnetischen Feld ausgelösten Wirkungen auf Gegenstände, welche die Gesundheit und die Sicherheit von Beschäftigten am Arbeitsplatz gefährden können. Dazu zählen beispielsweise die Beeinflussung von aktiven und passiven medizinischen Implantaten und die Auslösung von Bränden und Explosionen durch die Entzündung von brennbaren oder explosiven Materialien.

Eine Gefährdung für Beschäftigte durch künstliche optische Strahlung liegt grundsätzlich immer dann vor, wenn bei Exposition am Arbeitsplatz die Emissionsgrenzwerte überschritten werden können oder die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten durch indirekte Auswirkungen (z.B. Reflexion, Blendung, Brand- und Explosionsgefahr) am Arbeitsplatz nicht gewährleistet sind. Die Wirkung optischer Strahlung ist im Wesentlichen auf die Augen und die Haut begrenzt. Die inneren Organe werden aufgrund der begrenzten Eindringtiefe optischer Strahlung nicht gefährdet. Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Schädigungen. Art und Schwere der Schädigung werden durch die Wellenlänge der Strahlung und durch andere Faktoren wie Bestrahlungsstärke, Strahldichte, Bestrahlungsdauer sowie der bestrahlten Fläche und den optischen Eigenschaften des Gewebes bestimmt. Aufgrund der starken Fokussierung und hohen Energiedichte besteht bei Lasern ein besonders hohes Gefahrenpotenzial.

Ionisierende Strahlung kann über physikalische, chemische und biologische Effekte Schäden im menschlichen Körper bewirken. Körperzellen können durch die Einwirkung ionisierender Strahlung absterben oder Mutationen ausbilden. Hohe und kurzzeitige Expositionen führen zu akuten Strahlenschäden, die je nach Dosis bis zum Tod führen können. Auch niedrige Strahlendosen sind gefährlich. Diese können Spätschäden wie Krebs oder Leukämie verursachen. Neben der direkten Strahlung von außen sind Schädigungen des Körpers durch Inkorporation radioaktiver Stoffe möglich. Die Inkorporation kann durch Einatmen, Verschlucken oder durch Aufnahme über die Haut erfolgen.

Maßnahmen

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Gefährdungen zu beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen festzulegen. Es kommen technische, organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen in Betracht. Die Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren. Gleiches gilt für Messungen und Berechnungen, die zur Ermittlung von Expositionen durchgeführt wurden. Für den Umgang mit Strahlungsquellen ist eine Betriebsanweisung bzw. Strahlenschutzanweisung zu erstellen. Vor Aufnahme der Beschäftigung und regelmäßig wiederkehrend muss eine Unterweisung der Beschäftigten auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung erfolgen.

Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten müssen nach dem Stand der Technik getroffen werden. Die Substitution des bestehenden Arbeitsverfahrens durch ein alternatives Verfahren, durch das die Gefährdungen durch Strahlung vermieden oder verringert werden, ist vorrangig zu prüfen. Als technische Maßnahmen kommen je nach Strahlungsart z.B. Abschirmungen, Verriegelungen oder Einhausungen in Betracht. Ferner sind Warnhinweise anzubringen und Kennzeichnungen von Geräten oder Arbeitsbereichen, in denen Gefährdungen bestehen, vorzunehmen. Als organisatorische Maßnahme kommen auch eine Beschränkung der Aufenthaltsdauer und Zutrittsregelungen zum gefährdeten Bereich in Betracht. Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen gehört die Bereitstellung einer für die jeweilige Art der Strahlung geeigneten persönlichen Schutzausrüstung. Personen, die beruflich ionisierender Strahlung ausgesetzt sind, müssen dosimetrisch überwacht und regelmäßig arbeitsmedizinisch untersucht werden. Welche Schutzmaßnahmen im Einzelnen notwendig sind, ergibt sich aus den jeweiligen Rechtsvorschriften und technischen Regeln.

Beauftragte Personen

Für den Betrieb von Lasereinrichtungen der Klassen 3R, 3B und 4 ist ein Laserschutzbeauftragter zu bestellen. Beim anzeige- oder genehmigungsbedürftigen Umgang mit Röntgengeräten oder radioaktiven Stoffen ist ein Strahlenschutzbeauftragter zu bestellen. Die genannten Personen müssen über die erforderliche Fachkunde verfügen und sind schriftlich zu beauftragen.

Autor: WEKA Redaktion

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