Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
28.07.2016

Starten auch Sie jetzt Ihren Gesundheitszirkel im Betrieb!

Ein Gesundheitszirkel ist ein Analyseinstrument, mit dem die Arbeitsschutz- und die Gesundheitssituation im Betrieb erfasst und Maßnahmen für Verbesserungen entwickelt werden können. Dabei werden neben den Führungskräften vor allem auch die Arbeitnehmer selbst aktiv eingebunden. Genau darin liegen die besonderen Möglichkeiten und Chancen hinsichtlich Motivation und Durchsetzungspotential.

Gesundheitszirkel© monkeybusinessimages/​iStock/​Thinkstock

Eine notwendige Überlegung, bevor Sie starten:

Sollte es in einem Bereich starke Spannungen oder große Widerstände gegen jede Art der Veränderung geben, kann ein Gesundheitszirkel nicht erfolgreich sein. Außerdem muss auch die Unternehmensführung bereit sein, Veränderungen durchzuführen. Denn es ist klar, dass die Ergebnisse im Anschluss nicht in Aktenordnern verschwinden sollen, sondern ernsthaft angegangen werden. Wer im Gesundheitsschutz einen solchen Zirkel organisiert, sollte sich also in jedem Fall des Rückhalts der Entscheider, die Veränderungen später um- und durchsetzen müssen, sicher sein.

Wenn das Umfeld stimmt, bietet ein Gesundheitszirkel große Vorteile

Der Vorteil eines Gesundheitszirkels liegt in seiner Abgrenzung und seiner Handlungsfähigkeit: In klar definierter, überschaubarer Zeit kann er qualitative Informationen über Belastungen und Gefährdungen am Arbeitsplatz liefern.

Zugleich werden die Arbeitnehmer motiviert und zeigen erfahrungsgemäß später große Bereitschaft, Veränderungen auch wirklich umzusetzen. Dagegen müssen der organisatorische und, falls eine externe Moderation engagiert wird, auch der finanzielle Aufwand sowie die Arbeitszeit der Beteiligten, die durch den Gesundheitszirkel gebunden wird, abgewogen werden. Problematisch können auch Befindlichkeiten sein, z. B. bei der Auswahl der Teilnehmenden oder der Fragestellungen.

So finden Sie den richtigen Unternehmensbereich und Themenschwerpunkt

Ein Gesundheitszirkel ist ein Analyseinstrument. Oft gibt es dazu andere Instrumente, die vorgeschaltet oder begleitend eingesetzt werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Gesundheitszirkel auf wichtige Problemstellungen fokussiert werden soll. Dazu gehören Beschäftigtenbefragungen und arbeitsmedizinische Untersuchungen genauso wie die Auswertung von Fehlzeiten und Gesundheitsberichten der Krankenkassen.

Damit verfügt der Gesundheitskreis von vornherein über einen abgegrenzten Themenschwerpunkt, z. B. „Ergonomie im Telefonverkauf“ oder „Anstieg von Kurzzeiterkrankungen im Versand“. Danach geht es darum, in fünf Schritten ein Ergebnis zu erreichen und zu kommunizieren:

  • Analyse der Ist-Situation (z. B. Ergebnisse einer Befragung, Krankheitszahlen etc.)
  • Bestimmung von daraus abgeleiteten Zielen und Zielgrößen
  • Aufbau eines Veränderungskonzepts (was soll mit welcher Priorität angegangen werden?)
  • Umsetzung und Umsetzungskontrolle der Maßnahmen – Kommunikation aller Maßnahmen bzw. Ergebnisse in das Unternehmen

Sehr wichtig: Die Auswahl der Teilnehmer

Bei der Auswahl des Teilnehmerkreises ist grundsätzlich zu entscheiden, ob Führungskräfte und Arbeitnehmer im Gesundheitszirkel zusammenfinden („Düsseldorfer Modell“) oder nur die Arbeitnehmer teilnehmen („Berliner Modell“):

  • Das von der Technischen Universität Berlin entwickelte Modell legt den Schwerpunkt auf eine möglichst hohe Ergebnisqualität und lässt die Arbeitnehmer deshalb untereinander beraten. Nur dann, so die These, werden alle Probleme angesprochen und Lösungsansätze frei gesucht und gefunden. Die Schwierigkeit liegt in der Umsetzung: Gefundene Lösungen stoßen oft auf Widerstand der Führungskräfte. Führt dieser Widerstand dazu, dass Teile der Lösungen nicht umgesetzt werden, kann dies bei den Teilnehmern zu Missstimmung führen.
  • Das von der Universität Düsseldorf entwickelte Modell hat von vornherein die Umsetzung im Blick. Deshalb sollen neben den Beschäftigten nicht nur die Führungskräfte, sondern auch die Experten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und ein Vertreter des Betriebsrats bzw. der Personalvertretung beteiligt werden. Es ist vor allem dann geeignet, wenn ein gutes, angstfreies Klima besteht und erwartet werden kann, dass die Arbeitnehmer trotz der Anwesenheit der Entscheider offen sprechen werden. Ein weiteres Kriterium ist die Bereitschaft der Führungskräfte, Prozesse zu verändern und sich Beschränkungen auferlegen zu lassen.

In beiden Modellen ist es wichtig, dass der Gesundheitskreis auch die Meinung von Spezialisten einholen darf. Sonst besteht die Gefahr, dass nach der Präsentation aus technischen oder organisatorischen Gründen ein „Geht nicht“ kommt, das die Beteiligten frustriert. Auch empfiehlt es sich, der Geschäftsführung einen Zwischenbericht zu übermitteln, um Ausschlusskriterien („Zu teuer“) zu erfahren.

Schritt für Schritt zum erfolgreichen Gesundheitszirkel

  1. Allen Beschäftigten eines Arbeitsbereichs wird mitgeteilt, dass und warum ein AK Gesundheit eingerichtet wird.
  2. Die Teilnahme ist freiwillig, jedoch verpflichten sich die Teilnehmer, an möglichst allen Sitzungen mitzuwirken, um den Ablauf nicht zu stören.
  3. Die Veranstaltungen finden während der Arbeitszeit statt. Die AK-Leitung sollte die Vorgesetzten informieren, damit die Teilnehmer freigestellt werden.
  4. Die Beschäftigten erarbeiten in den ersten Sitzungen die entscheidenden gesundheitsgefährdenden Faktoren.
  5. In der nächsten Phase fokussieren sich die Teilnehmer auf die Suche nach Lösungen. Wie im Arbeits- und Gesundheitsschutz üblich kann hier nach technischen, organisatorischen und personenbezogenen Lösungen strukturiert werden.
  6. Im nächsten Schritt werden die Lösungen systematisiert: Welche ergänzen sich, welche schließen sich aus? Welche versprechen bei verhältnismäßig niedrigem Aufwand eine gute Wirkung? Das Ergebnis fließt in einen Umsetzungsplan, der aufzeigt, welche Veränderungsvorschläge mit welcher Priorität vorangebracht werden sollen. Möglichst viele Teilnehmer sollen diesem Umsetzungsplan zustimmen können.
  7. In der letzten Phase erstellt der AK-Leiter (z. B. der externe Moderator) einen Bericht und eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die der Unternehmensführung und den Mitarbeitern unterbreitet wird.
  8. Im letzten Schritt nimmt die Unternehmensführung Stellung und begründet, welche Maßnahmen durchgeführt werden sollen und welche nicht.

Tipp: Laden Sie sich die Checkliste Schritt für Schritt zum eigenen Gesundheitszirkel jetzt auch separat zum Ausdrucken und Vervielfältigen herunter. Sie finden die Anleitung in unserem Downloadbereich unter www.arbeitsschutz-aktuell.com, Benutzername: Arbeitsschutz.

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Autor: Markus Horn 

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