22.06.2021

So sorgen Sie für gutes Klima in der Industriehalle

Worauf kommt es an, damit das Raumklima in einer Industriehalle als angenehm und behaglich empfunden wird? Die Temperatur allein ist es nicht. Eher schon die Temperaturunterschiede, die zwischen den verschiedenen Bereichen eines Raumes, also zwischen Wänden, Decke und Boden, herrschen. Gearbeitet wird außerdem in Hallen, möglicherweise mit Maschinen, die selbst Wärme ausstrahlen. Auch Zugluft ist ein Thema. Lesen Sie hier mehr darüber, was Sie für ein gutes Klima in Industriehallen alles beachten müssen.

Menschen, die in einer großen Indzustriehalle arbeiten

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 „Raumtemperatur“ beschreibt die Anforderungen an die Lufttemperatur. Demnach soll im Innenraum die Lufttemperatur +26 °C nicht überschreiten, sofern die Außentemperaturen nicht über +26 °C liegen. Liegen die Außentemperaturen über +26 °C, kann dies auch eine höhere Lufttemperatur im Innenraum rechtfertigen. Sind Klimaanlagen im Einsatz, soll die Temperaturdifferenz zur Außentemperatur 6 bis 8 °C nicht überschreiten.

Gerade für Industriehallen müssen Sie bei der Festlegung und Messung einer Mindestlufttemperatur jedoch berücksichtigen, dass in solchen Hallen gearbeitet wird. Entsprechend differieren die Empfehlungen für die einzuhaltende Mindestlufttemperatur auch mit der Art der in der Halle ausgeführten Tätigkeiten:

  • Bei leichter Hand- oder Armarbeit in Verbindung mit ruhigem Sitzen oder Stehen sind 19 bis 20 °C optimal.
  • 17 bis 19 °C sollten es bei mittelschweren Arbeiten sein.
  • Bei schweren Arbeiten kann die Lufttemperatur auf bis zu 12 °C sinken.

Denken Sie auch an die Wärmelasten durch Maschinen!

Um die Wärmeerzeugung bzw. Kühlung optimal einstellen zu können, müssen Sie die Wärmelast von Maschinen berücksichtigen. Wie hoch diese ist, hängt von den Maschinen, aber auch von der Maschinendichte und den Prozessen in der Produktionshalle ab.

Allerdings sind hier die Bandbreiten („von … bis“) oft sehr groß. Hinzu kommt, dass in Industriehallen die Wärmelast von Maschinen nicht gleichmäßig entsteht, sondern sehr ungleich auftreten kann. Deshalb sollte eine Fachfirma die tatsächliche in den unterschiedlichen Hallenbereichen auftretende Wärmelast ermitteln und durch dezentrale Heiz- und Kühlsysteme regulieren.

Was tun, wenn Beschäftigte „frieren“, obwohl die Temperatur eigentlich perfekt ist?

Dieses Phänomen lässt sich dadurch erklären, dass das Behaglichkeitsempfinden nicht nur durch die Lufttemperatur entsteht, sondern auch durch Luftfeuchte, die Geschwindigkeit von Luftbewegungen und Wärmestrahlung (z.B. von umliegenden Flächen oder Sonneneinstrahlung).

Insbesondere kalte umgebende Wände, Fensterflächen, Decken oder Fußböden werden als unangenehm empfunden, da sie dem Körper Wärme entziehen. Wird die absolute Raumtemperatur erhöht, wird die Behaglichkeit deshalb womöglich kaum verbessert. Vielmehr sollten Sie Wert darauf legen, dass Temperaturdifferenzen nicht zu groß werden.

  • So sollte sich die Raumlufttemperatur zwischen Kopf und Fuß um maximal 3 °C unterscheiden.
  • Wände sollten nicht mehr als 4 °C Temperaturunterschied zur Lufttemperatur aufweisen.
  • Wände, Decke und Boden sollten hinsichtlich der Temperatur nicht mehr als 5 °C auseinanderliegen.

Klagen Angestellte also über zu niedrige Lufttemperaturen, sollte eine Fachfirma prüfen, ob die oben genannten Ursachen für das Frösteln verantwortlich sind.

Und was hilft gegen Hitze jetzt im Sommer?

Gegen Hitze helfen Jalousien und die Abführung von Abluft aus Serverräumen, Schaltschränken und von Maschinen ins Freie. Günstig wirkt sich auch eine Nachtlüftung aus, während Mitarbeiter ab Vormittag die Fenster konsequent geschlossen halten sollten.

Stimmt es eigentlich, dass „zu trockene Luft“ Erkältungen begünstigt?

Dass trockene Raumluft die Schleimhäute austrocknet und damit die Ansiedlung von krankheitserregenden Keimen begünstigt, ist nicht nachgewiesen. Denn die eingeatmete Luft wird bei gesunden Menschen ausreichend befeuchtet.

Trockene Luft wird nicht direkt, sondern über Sekundäreffekte wahrgenommen. Dazu gehören Staub oder Luftverschmutzungen, die sich bei niedriger Luftfeuchte häufiger in Aufwirbelung befinden. Als „zu trocken“ nehmen Beschäftigte die Luft oft wahr, wenn die Raumtemperatur schwankt oder sie sich im Luftstrom aufhalten.

Dann sollten die Lüftungstechnik insgesamt sowie das Raumklima untersucht werden. Infrage kommen auch ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf oder ergonomische Fehlbelastungen, die sich in der Wahrnehmung einer trockenen Luft äußern. Es gilt: Lieber trocken-warm als feuchtwarm!

Warum Zugluft schlecht ist

Zugluft ist wirklich schlecht, denn durch sie entsteht eine lokale Abkühlung, die Menschen insbesondere an empfindlichen Körperstellen wie im Schulter- und Nackenbereich, an den Fußgelenken und am Rücken als unangenehm empfinden. Zugluft wird umso unbehaglicher empfunden, je höher die Luftgeschwindigkeit ist bzw. je stärker sie schwankt. Allerdings sind Luftströme für einen wirksamen Luftaustausch unerlässlich.

Hilfreich kann es sein, Fenster besser abzudichten und Außenwände effektiv zu dämmen. Sinnvoll sind auch Schleusen oder Luftschleieranlagen an Türen und Toren.

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Autor: Markus Horn