Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

So optimieren Sie den Arbeitsschutz mit Benchmarking

Fragen nach dem Erfolg einer Arbeitsschutzmaßnahme können Sie besonders transparent mit Hilfe von Kennzahlen und Vergleichen beantworten. Ein Benchmarking im Arbeitsschutz hilft Ihnen bei der kontinuierlichen Verbesserung, der Darstellung Ihrer Leistungen, der Überzeugung der Geschäftsleitung und der Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Doch Benchmarking muss auch praxisnah sein. Nutzen Sie deshalb die für Ihren Betrieb geeigneten Kennzahlen.

Discussing graphs© shironosov /​ iStock /​ Thinkstock

Mit Kennzahlen im Arbeitsschutz für Transparenz sorgen

Wenn Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Vertrieb, der Produktion und dem Marketing sprechen, werden Ihnen ohne Zweifel zahlreiche Beispiele für Kennzahlen genannt, die regelmäßig erhoben und verglichen werden. In vielen Unternehmensbereichen sind Kennzahlen als Indikatoren für eine Entwicklung seit langem eingeführt. Vielleicht nutzen auch Sie bereits Kennzahlen, um Ihr Arbeitsschutzsystem besser bewerten zu können.

Aber fällt Ihnen die Generierung der Kennzahlen für den Arbeitsschutz auch leicht? Können Sie aus den Kennzahlen die gewünschten Informationen ablesen? Helfen Ihre Kennzahlen bei der Präsentation Ihrer Erfolge, bei der immer wieder notwendigen Überzeugungsarbeit in der Geschäftsleitung und der Motivation der Beschäftigten, damit dem Arbeitsschutz der richtige Stellenwert eingeräumt wird?

Mehr als Unfallzahlen und Krankheitstage

Wenn Sie mit Ihren Kennzahlen noch nicht zufrieden sind oder noch vor der Einführung stehen, sollten Sie zuerst Ihren Blick weiten. Bei Kennzahlen im Arbeitsschutz denken viele zuerst an typische Werte wie Unfallzahlen in Relation zur Mitarbeiteranzahl und an die entsprechenden Zahlen für die Krankheitstage. Doch die Effektivität des Arbeitsschutzes zeigt sich noch in anderen Bereichen. Wenn Sie weitere Kennzahlen im Arbeitsschutz definieren, berechnen und auswerten, dann erschließen sich auch weitere Möglichkeiten für eine Optimierung und für die Motivationsarbeit.

Praxisnähe und Abstimmung sind entscheidend

Die zusätzlich ausgewählten Kennzahlen sollten sich jedoch leicht bestimmen lassen, also einen hohen Praxisbezug besitzen. Zudem sollten Sie bei den Auswertungen an mögliche Vorgaben aus dem Datenschutz und an Arbeitnehmerrechte denken. Generell sollten Kennzahlen auch für den Arbeitsschutz auf anonymisierten Daten beruhen. Hier empfiehlt sich ein klärendes Gespräch mit Ihrem Datenschutzbeauftragten und dem Betriebsrat.

Schritt für Schritt zu den Kennzahlen

Themenbereiche, zu denen Kennzahlen für den Arbeitsschutz sinnvoll erscheinen, gibt es viele, darunter

  • die bereits erwähnten Unfallzahlen und Krankenstände
  • das Arbeitsschutzbewusstsein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • das Arbeitsschutzbewusstsein der Führungskräfte
  • die Zufriedenheit der Mitarbeitenden
  • die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben im Arbeitsschutz

Innerhalb der verschiedenen Bereiche sollten Sie dann das verfügbare Datenmaterial sichten. Reicht das Material aus? Sollten weitere Informationen erhoben werden, und wenn ja, auf welchem Weg?

Beispiele für Kennzahlen im Arbeitsschutz

Auch wenn Sie für Ihren Betrieb individuell die treffenden Kennzahlen, am besten gemeinsam mit den Fachverantwortlichen, überlegen sollten, macht es Sinn, sich einige in der Praxis erprobte Kennzahlen genauer anzusehen. Dazu gehören zum Beispiel die Beschäftigtenquote für

  • Beinaheunfälle,
  • Erste-Hilfe-Einsätze,
  • unfallbedingte Arbeitszeitausfälle (Gesamtzahl, durchschnittliche Dauer)

Aber auch die Präsenz des Arbeitsschutzes im Bewusstsein der Mitarbeiter und Führungskräfte kann gemessen werden durch

  • anonymen Befragungen zum Kenntnisstand bei den Arbeitsschutzzielen und –maßnahmen,
  • Selbstbeurteilungen des Arbeitsschutzverhaltens
  • die Anzahl der Unterweisungen und Arbeitsschutzschulungen in einem bestimmten Zeitraum, mit Teilnehmeranzahlen und in Relation zur Beschäftigtenzahl
  • eine anonyme Bewertung der Vorbildfunktion der Führungskräfte für den Arbeitsschutz durch die Mitarbeitenden
  • die Anzahl an Vorschlägen für den Arbeitsschutz in Relation zur Mitarbeiterzahl

Da Arbeitsschutz ein wesentliches Kriterium für die Mitarbeiterzufriedenheit ist, sind auch derartige Kennzahlen ein guter Anhaltspunkt für eine Bewertung und weitere Optimierung, darunter

  • die Ergebnisse einer anonymen Mitarbeiterbefragung zur Zufriedenheit im Betrieb
  • die Teilnahmequote an freiwilligen Kursen und Programmen im Bereich Gesundheitsförderung
  • eine anonyme Befragung zu psychischen Belastungen

Auch die internen und externen Prüfungen liefern Datenmaterial für Kennzahlen im Arbeitsschutz, wie zum Beispiel die Anzahl der gefundenen Abweichungen in einem internen Arbeitsschutzaudit, die Anzahl solcher Audits und die Zeitspanne, bis die gefundenen Schwachstellen behoben wurden.

Kennzahlen im Arbeitsschutz: Messen allein genügt nicht

Für ein Benchmarking und eine echte Bewertung der Kennzahlen reicht jedoch die praxisnahe Definition und regelmäßige Berechnung der Indikatoren nicht aus. Damit die Kennzahlen auch eine Richtung anzeigen können, sind Vergleiche notwendig. Hier stehen Ihnen ebenfalls verschiedene Ansätze zur Verfügung. So können Sie die aktuellen Kennzahlen im Arbeitsschutz jeweils vergleichen mit

  • selbst gesteckten Arbeitsschutzzielen des Unternehmens
  • bei bestimmten Kennzahlen mit Branchendurchschnitten, wie sie zum Beispiel von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin regelmäßig veröffentlicht werden
  • mit einem Vorjahreszeitraum

Positive oder aber negative Abweichungen zeigen Ihnen Erfolge oder Optimierungsbedarf und können intern und extern die Leistung Ihres Arbeitsschutzsystems dokumentieren. Fortschritte sind ein deutlicher Ansporn für die Mitarbeitenden und ein gutes Argument für die Geschäftsleitung. Kennzahlen machen also ebenso im Arbeitsschutz Sinn, wie sie dies im Vertrieb oder im Einkauf machen.

Autor: Oliver Schonschek 

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