23.02.2015

Sicher arbeiten mit kombinierter Persönlicher Schutzausrüstung

Wenn eine Schutzbrille und eine Atemschutzmaske oder eine Schutzbrille mit einem Kapselgehörschützer oder ein Atemschutzgerät mit einer Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz kombiniert werden, haben Sie unter Umständen ein Problem. Denn in den gezeigten Beispielfällen können sich die Persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) gegenseitig behindern. Im ungünstigsten Fall heben sich ihre Schutzwirkungen sogar auf.

Helm, Handschuhe, Gehörschützer

Bei Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) können Kombinationen mehrerer Ausrüstungsteile zu massiven Sicherheits-Problemen führen. Deshalb ist die Kompatibilität aller Bestandteile Persönlicher Schutzausrüstung untereinander so wichtig.

Der Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung hängt entscheidend von den Gegebenheiten am Arbeitsplatz und den dort einwirkenden Gefährdungen ab. Die Entscheidung darüber, ob und wenn ja, welche Persönlicher Schutzausrüstung für bestimmte Tätigkeiten benötigt wird, erfolgt deshalb nach einer eingehenden Analyse der Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung.

Die Verantwortung des Arbeitgebers im Hinblick auf Persönliche Schutzausrüstung

Wird Persönliche Schutzausrüstung durch den Arbeitgeber ausgewählt und kombiniert, dann hat er im Rahmen der Auswahl die Kompatibilität der PSA zu ermitteln und anschließend die mögliche Gefährdung, die durch die Benutzung der Kombination mehrerer PSA entstehen kann, zu beurteilen. Dabei hat er folgende Faktoren in seiner Beurteilung zu berücksichtigen:

  • Gefährdung, die von der Ausrüstung abgedeckt werden soll
  • Gefährdung durch die Ausrüstung selbst
  • Gefährdung, die durch die Benutzung der Ausrüstung hervorgerufen wird

 

Hersteller haftet für Kompatibilität kombinierter Persönlicher Schutzausrüstung

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung für einen Arbeitsplatz, dass eine Kombination von Persönlicher Schutzausrüstung –wie von einem Hersteller angeboten – für die vorgesehene Tätigkeit erforderlich ist, so kann sich der Arbeitgeber für diese Kombination entscheiden (z. B. Kombination aus Gehörschützer, Staubschutzmaske und Schutzbrille für Schleifarbeiten).

In diesem Fall ist der Hersteller gemäß der Richtlinie 89/686/EWG für die Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich der Kompatibilität der kombinierten PSA verantwortlich. Persönliche Schutzausrüstung, die für den parallelen Einsatz durch einen Benutzer vom Hersteller vorgesehen sind, müssen nach Anhang II der Richtlinie 89/686/EWG vom Hersteller und den gemeldeten Stellen unter den vorhersehbaren Einsatzbedingungen, also bei gleichzeitiger Benutzung, beurteilt werden. Ist eine solche Beurteilung erfolgt, so darf der Arbeitgeber davon ausgehen, dass die miteinander kombinierten PSA grundsätzlich miteinander kompatibel sind.

 

Im Überblick: Diese wichtigen Fakten über Persönliche Schutzausrüstung sollten Sie kennen

Es gibt keine Persönliche Schutzausrüstung, die gegen alle Gefahren schützt. Die persönliche Schutzausrüstung muss vielmehr individuell entsprechend den speziellen Gefährdungen am Arbeitsplatz sorgfältig ausgewählt werden. Dabei dürfen nur mit einer CE-Kennzeichnung versehene PSA verwendet werden.

Arbeitgeber und Arbeitsschützer sollen die Beschäftigten bei der Auswahl ihrer PSA beteiligen und dadurch deren Bereitschaft zum Tragen der Persönlichen Schutzausrüstung erhöhen. Die Benutzung ein und derselben Persönlichen Schutzausrüstung durch mehrere Beschäftigte ist grundsätzlich möglich. Dies setzt aber voraus, dass durch die gemeinschaftliche Benutzung keine Gesundheits- oder Hygieneprobleme entstehen. Den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung hat der Arbeitgeber im Rahmen von Betriebsanweisungen zu regeln.

 

Internet-Tipp: Werfen Sie einen Blick auf die Internetseite des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). Dort finden Sie eine Tabelle und ausführliche Erläuterungen zu PSA-Kombinationen, bei denen sich wegen Wechselwirkungen das Schutzniveau verringern kann.

Schadhafte Persönliche Schutzausrüstung darf nicht benutzt werden

Der Arbeitgeber muss darauf achten, nur PSA auszuwählen und bereitzustellen, die den Anforderungen der Verordnung über die Bereitstellung von persönlichen Schutzausrüstungen auf dem Markt (8. ProdSV) entsprechen. Für jede bereitgestellte PSA hat der Arbeitgeber den Beschäftigten notwendige Informationen zur Benutzung in verständlicher Form und Sprache zur Verfügung zu stellen.

Darüber hinaus ist er verpflichtet, die Mitarbeiter in der sicherheitsgerechten Benutzung der Schutzausrüstung auf Basis der Herstellerinformation zu unterweisen. Sind PSA zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten erforderlich, muss sie der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG kostenlos bereitstellen. Bei PSA der dritten Kategorie, die gegen tödliche Gefahren oder bleibende Gesundheitsschäden schützen sollen, hat der Arbeitgeber über die ohnehin durchzuführenden Unterweisungen hinaus Übungen im Umgang mit PSA anzubieten.

Pflichten der Arbeitnehmer bei der Benutzung von Persönlicher Schutzausrüstung

Die Arbeitnehmer sind zur bestimmungsgemäßen Benutzung der PSA verpflichtet, müssen vor jeder Benutzung eine Sicht-/Funktionsprüfung durchführen und sind dazu angehalten, festgestellte Mängel an der Persönlichen Schutzausrüstung unverzüglich dem Arbeitgeber, Vorgesetzten oder verantwortlichen Arbeitsschützer zu melden.

Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung ist in Benutzungsverordnung geregelt

Die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung Persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung) regelt die Auswahl, Bereitstellung, Wartung, Reparatur, den Ersatz sowie die Lagerung von PSA durch den Arbeitgeber für alle Tätigkeitsbereiche.

 

 

 

Autor: Markus Horn