Fachbeitrag | Unterweisung 12.01.2015

Selbst-Check statt Frontalunterweisung

Eine Unterweisung im Arbeitsschutz dient nicht der reinen Wissensvermittlung. Vielmehr soll sich das Verhalten der Mitarbeiter verändern, um die Arbeitssicherheit zu erhöhen und den Gesundheitsschutz zu verbessern. Nutzen Sie deshalb Selbst-Checks in Ihren Unterweisungen, um den Mitarbeiter ihr eigenes Verhalten vor Augen zu führen.

Sie machen regelmäßig Unterweisungen und haben bereits zu vielen Themen eine Arbeitsschutzschulung angeboten. Trotzdem scheint sich das Verhalten einiger Mitarbeiter nicht wirklich zu verändern. Monitore werden falsch aufgestellt. Kisten mit Aktenordner stehen im Weg. Und wenn ein Mitarbeiter an einen Ordner ganz oben im Regal möchte, wird zuerst nach dem Stuhl gegriffen und nicht nach der Stehleiter, die fast ungenutzt in der Ecke steht. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann sollten Sie sich an ein bekanntes Sprichwort erinnern: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“.

Risiken müssen auf die eigene Person bezogen werden

Damit ist nicht nur gemeint, dass auch Sie sich so verhalten müssen, dass Ihre Gesundheit nicht unnötig belastet wird. Vielmehr sollten Sie in Ihren Unterweisungen und Schulungen versuchen, eine persönliche Betroffenheit bei den Mitarbeitern zu erreichen. So reichen Berichte über Arbeitsunfälle und entsprechende Hinweise zum richtigen Verhalten nicht aus, damit sich alle Mitarbeiter wirklich angesprochen fühlen. Sie müssen Ihre Botschaften direkter senden, direkt an das Ich der Mitarbeiter, um zu verhindern, dass Gedanken wie „Mir passiert so etwas doch nicht“ aufkommen.

Selbst-Checks sorgen für Lerneffekt

Die notwendige Ich-Analyse durch die Mitarbeiter unterstützen Sie, indem Sie den Mitarbeitern spezielle Selbst-Checks an die Hand geben. Damit sind Fragebögen gemeint, die das Arbeitsschutzverhalten der Mitarbeiter prüfen. Wohlgemerkt geht es in solchen Fragebögen nicht um das Abprüfen von erlerntem Arbeitsschutzwissen, sondern um eine Verhaltensanalyse, die die Mitarbeiter für sich vornehmen. Solche Selbst-Checks machen es also den Mitarbeitern deutlich, wie ihr eigenes Verhalten im Arbeitsschutz aussieht. Sie halten den Mitarbeitern also eine Art Spiegel vor das Gesicht.

E-Learning bietet Selbst-Check und Wissensvermittlung

Wenn Sie den Mitarbeitern beides vermitteln wollen, Wissen und ein Bild von dem eigenen Verhalten, bieten sich Lösungen aus dem Bereich E-Learning an. Dadurch können sich Mitarbeiter schulen und selbst testen. Vorteil eines Selbst-Checks oder Selbsttestes im E-Learning ist es, dass die Mitarbeiter viel ehrlicher antworten können und werden, da keine Gefahr besteht, dass das mangelnde Wissen rund um den Arbeitsschutz den Vorgesetzten bekannt werden könnte.

Handlungsaufforderung darf nicht fehlen

Am Ende eines Selbst-Checks steht die Auswertung und eine Beurteilung des Ergebnisses, ganz wie man es von den beliebten Psychotests in Publikumszeitschriften kennt. Allerdings sollte Ihr Selbst-Check für die Mitarbeiter zu einer Handlung aufrufen, also dazu, dass eigene Verhalten zu ändern, Wissenslücken zum richtigen gesundheitsfördernden Verhalten zu schließen und sich aktiv an Sie als Sicherheitsfachkraft oder Sicherheitsbeauftragten zu wenden.

Ist die Selbsteinschätzung erst einmal gemacht und das Ergebnis liegt vor Augen, ist der Mitarbeiter viel aufgeschlossener für eine Verhaltensänderung und für neues Wissen rund um den Arbeitsschutz, die Gesundheitsförderung und die Ergonomie im Büro. Probieren Sie es aus!

Autor: Oliver Schonschek (Diplom-Physiker, IT-Analyst und Fachjournalist)