12.01.2015

Schwerbehinderte unterweisen

Schwerbehinderte Beschäftigte sind im Betrieb besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Sie können u.U. akustische Warnsignale nicht hören oder Betriebsanweisungen nicht lesen. Dies muss in der Sicherheitsunterweisung besonders berücksichtigt werden.

Nach Sozialgesetzbuch IX § 81 haben schwerbehinderte Menschen gegenüber ihren Arbeitgebern unter anderem Anspruch auf

– behindertengerecht Einrichtung und Unterhaltung der Arbeitsstätten einschließlich Betriebsanlagen, Maschinen und Geräte sowie der Gestaltung der Arbeitsplätze, des Arbeitsumfelds, der Arbeitsorganisation und der Arbeitszeit, unter besonderer Berücksichtigung der Unfallgefahr,

– Ausstattung ihres Arbeitsplatzes mit den erforderlichen technischen Arbeitshilfen.

Gerade bei Sicherheitseinrichtungen, Warnhinweisen und der Sicherheitsunterweisung sollte an die möglichen Einschränkungen der Betroffenen gedacht werden. So reicht eine akustische Warnung nicht aus, wenn das Gehör des Beschäftigten stark beeinträchtigt ist. Auch der Aushang von Sicherheitshinweisen ist unzureichend, wenn unter den Beschäftigten Kolleginnen und Kollegen sind, die nicht lesen können, sei es durch körperliche oder durch geistige Beeinträchtigungen.

Schwerbehindertenvertretung einschalten

Generell arbeiten Sie bei der Sicherheitsunterweisung schwerbehinderter Beschäftigter am besten direkt mit der Schwerbehindertenvertretung (§ 95 SGB IX) zusammen. Dort finden Sie wichtige Unterstützung.

So muss bei der Gefährdungsbeurteilung und bei der entsprechenden Sicherheitsunterweisung berücksichtigt werden, welche Einschränkungen bei den Beschäftigten vorliegen. Eine Gefährdungsbeurteilung muss nicht nur die besondere Situation am Arbeitsplatz beachten, sondern auch die Person selber und ihre körperliche, geistige und seelische Situation.

Dies ergibt sich auch aus § 12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), wonach die Sicherheitsunterweisung angemessen sein muss, d.h. insbesondere auch die jeweiligen Belange des Beschäftigten beachten muss.

Unterweisungsinhalte gezielt vermitteln

Auf Basis der Gefährdungsbeurteilung müssen den schwerbehinderten Beschäftigten die Arbeitsanweisungen und Sicherheitsmaßnahmen in geeigneter Form vermittelt werden. Je nach körperlicher und/oder geistiger Situation der Betroffenen müssen also die Art und Häufigkeit der Sicherheitsunterweisung sowie die Betriebsanweisungen angepasst werden. Entsprechende Vorgaben finden sich auch in § 9 der Betriebssicherheitsverordnung.

Tipps zur barrierefreien Sicherheitsunterweisung

Achten Sie bei Ihrer Unterweisung je nach der individuellen Situation bei den Schwerbehinderten im Betrieb darauf, dass

  • die optisch und die akustisch vermittelten Informationen den gleichen Informationsgehalten haben,
  • Sie „akustische“ Handouts zur Verfügung stellen, damit die Sicherheitshinweise nicht nur zum Nachlesen, sondern auch zum Nachhören vorliegen,
  • der  Raum für die Unterweisung, für jede Teilnehmerin bzw. jeden Teilnehmer erreichbar ist,
  • der gesprochenen Text über eine entsprechende Anlage an Hörgeräte übertragen wird,
  • Folien gut lesbar sind und Farben keine Schwierigkeiten bei der Erkennung darstellen.

Weitere Tipps finden Sie in der aktuellen Checkliste Schwerbehinderte unterweisen.

Autor: Oliver Schonschek (Diplom-Physiker, IT-Analyst und Fachjournalist)